Nioh 2 macht da weiter, wo Teil eins aufgehört hat: ganz nah an der Schmerzgrenze

Ich sterbe und habe Spaß dabei!

Verbrannt, aufgespießt, zermalmt: Ich habe beim Anspielen der aktuellen Nioh-2-Demo irgendwann einfach aufgehört mitzuzählen, wie oft ich von Dämonen kreativ ins Jenseits befördert wurde und meine Reise vom letzten Speicher-Altar erneut beginnen musste. Aber genau das erwarte ich auch von einem Souls-like, Herausforderungen an die eigene Geduld, Frustresistenz und Lernfähigkeit, die mich nach einem Sieg in gefühlt ewig andauernden Zweikämpfen gegen übermächtig erscheinende Bosse mit einem tiefen Gefühl der Befriedigung belohnt.

Nioh hat bereits vor zweieinhalb Jahren bewiesen, dass Team Ninja nicht einfach die Erfolgsformel von From Software schamlos kopiert hat, sondern mit einem flexiblen, individuell anpassbaren Kampfsystem und dem schicken Setting im feudalen Japan das Sub-Genre bereichern konnte. Auf den ersten Blick bietet Nioh 2 einfach nur mehr davon: düstere, verwinkelte Waldwege oder verlassene Dörfer, in denen die Laufwege durch Feuer und verschlossene Tore begrenzt sind. An jeder Ecke lauern kleinere, aber nichtsdestotrotz tödliche Feinde und einen Abschnitt könnt ihr erst dann verlassen, wenn ihr einen Zwischenboss bezwingt. Soweit, so bekannt.

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Schon der erste Boss in der Demo wird euch ordentlich ins Schwitzen bringen. Der pferdegesichtige Feuerdämon hat eine enorme Reichweite und eine Reihe verheerender Angriffe im Repertoire.

Die erste willkommene Neuerung erwartet euch aber schon gleich nach dem Start des Spiels: Anstatt mit einem vorgegebenen Charakter in die beinharten Duelle zu ziehen, wie mit dem blonden Iren William Adams im ersten Teil, dürft ihr euch jetzt einen eigenen Helden kreieren. Das Baukastensystem erlaubt nicht nur die Wahl zwischen einem weiblichen oder männlichen Charakter, ihr könnt Körper, Gesicht, Frisur, Behaarung, Stimme und sogar das Make-up nach eigenen Wünschen und Vorlieben bestimmen. In der Demo waren die meisten Optionen leider noch nicht nutzbar, aber eine ganze Reihe fertige Modelle standen zur Verfügung. Ich habe mich für eine Ninja-Kämpferin mit Pferdeschwanz entschieden und in den Kampf gestürzt.

Wenn ihr den ersten Teil gespielt habt, werdet ihr euch nicht nur optisch sofort heimisch fühlen. Als Speicherpunkt und Platz zum Aufleveln eures Helden sowie des Schutzgeistes dienen erneut die Altare, auf denen sich die putzigen grünen Kodama-Geister tummeln. Verstreut in der Umgebung liegen die Leichen von erfolglosen Kriegern, bei denen ihr Verbrauchsgegenstände, Elixiere und Waffen findet. Die Gegend genau zu untersuchen, lohnt sich, denn neben Schatzkisten mit besonders wertvollen Ausrüstungsgegenständen stoßt ihr auf ein verstecktes "Wohlwollendes Grab" oder eine streunende Katze.

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Diesmal zieht ihr nicht mit einem vorgefertigten Charakter in das Abenteuer, sondern könnt euch in einem umfangreichen Heldenbaukasten einen eigenen Recken basteln.

Bei den speziellen Gräbern, die gut erkennbar blau leuchten, besorgt ihr euch tatkräftige Unterstützung. Vorausgesetzt ihr besitzt genügend Ochoko Cups, ruft ihr den Geist eines mächtigen Kriegers zur Hilfe, der euch kurzfristig folgt. Ich habe noch keine Ahnung wie man an die Cups kommt, aber in der Demo hatte ich einige im Inventar und habe so mit dem Samurai Shibusawa Kou einen höher gelevelten Helfer von den Toten auferstehen lassen. Das erleichterte den Kampf gegen den ersten Zwischenboss erheblich. Shibusawa konnte nicht nur ordentlich Schaden austeilen, sondern hat auch die meisten Angriffe eines hartnäckigen Affendämonen auf sich gezogen. So konnte ich in aller Ruhe mit Fernangriffen und ein paar Schlägen hinterrücks das Ungetüm bezwingen.

Im fertigen Spiel könnt ihr über diese Gräber dann wohl auch online Hilfe von anderen Spielern anfordern. Als extrem hilfreich erweist sich auch meine Tierliebe, auf dem Weg durch die verschlungenen Waldwege höre ich ein klägliches Maunzen und stehe kurz danach vor einer kugelrunden Katze, die gerne gestreichelt werden möchte. Sollte man unbedingt machen, denn das erfreut das Tierchen so sehr, dass es eurem Recken einen Buff verleiht, bei dem sich die KI-Leiste erheblich schneller regeneriert.

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Neu: Die Wahl eures Schutzgeistes bringt neben Statusverbesserungen auch einen zusätzlichen mächtigen Angriff, bei dem ihr euch kurzzeitig in einen Dämonen verwandelt.

Auch wenn die Umgebung weitestgehend aus dem ersten Teil bekannt ist, die Vielfalt an Gegnern hat sich anscheinend kräftig gesteigert und orientiert sich stärker an einem Dark-Fantasy-Setting. Als Kanonenfutter lauern euch eklige Gaki auf, die stark an Gollum erinnern. Zwar lassen die sich mit ein paar Hieben erlegen, sollten aber nicht unterschätzt werden. Die Viecher spucken eine lila Brühe, die euch eine Weile bewegungsunfähig macht und können zu doppelter Größe anwachsen, in dem sie die Überreste eines von euch gemetzelten Artgenossen verspeisen. Ihr bekommt es bis zum ersten Zwischenboss noch mit einem Geist zu tun, der euch mit Feuerkugeln beschießt, dem gesichtslosen Bogenschützen und dem Affenmonster Enki, das euch mit einem riesigen Speer aufspießt.

Jeder Gegner will genau studiert, der Ablauf seiner Angriffe erlernt und die geeignete Waffe zur Gegenwehr gefunden werden, bevor ihr wieder ein paar Schritte weiter voran kommt. Das Kampfsystem bedient sich dabei kräftig am Vorgänger, bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Waffen, wie Schwerter, Bögen, Speere, Shuriken oder Äxte. Alle mit entsprechenden Vor- und Nachteilen gegen einen bestimmten Gegnertyp. Die Menüs wurden überarbeitet und sowohl in der Waffenauswahl, als auch bei der Spezialisierung als Ninja, Krieger oder Fernkämpfer ist es nun deutlich einfacher, aktive und passive Fähigkeiten zuzuweisen.

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Wenn ihr Ausschau nach einem 'Wohlwollenden Grab' haltet, könnt ihr kurzfristig einen schlagkräftigen KI-Kameraden rekrutieren, der euch in Geisterform folgt. Eine wertvolle Hilfe bei den harten Kämpfen.

Was sich massiv geändert hat, ist die Bedeutung der Schutzgeister: Haben diese euch in Nioh eher passive Fertigkeiten beschwert, besitzt euer Held jetzt die Fähigkeit, sich in eine Dämonenform zu verwandeln und verheerenden Schaden anzurichten. Ist die entsprechenden Dämonenkraft-Leiste gefüllt, holt ihr mit einem riesigen Hammer zum Schlag aus, nutzt eine Peitsche, die jede Deckung durchdringt oder ruft eine Reihe Yokai, wie die Dämonen genannt werden, zur Hilfe.

Neue Schutzgeister bekommt ihr von besiegten Zwischen- und Endbossen, die einen Soul Core mit ihrer Yoki-Essenz hinterlassen. Sterbt ihr, und das werdet ihr oft, dann ruhen die Überreste des aktiven Schutzgeistes auf dem Schlachtfeld. Sammelt diese unbedingt sofort wieder ein, sonst endet ihr schnell wieder im digitalen Nirvana.

Nach einer guten Stunde erkunden, kämpfen und sterben stehe ich in der Demo vor einem Endgegner, der alle vorherigen Herausforderungen wie einen Spaziergang wirken lässt. Ein Pferde-Yokai mit beängstigender Reichweite und einer Lebensleiste, die sich anscheinend nicht leeren lässt, egal wie oft ich auf das Monstrum eindresche. Die erste Runde verläuft wie erwartet, ich sterbe nahezu sofort. Also wieder Start am Schrein, ein paar kleine Gegner, die nach jedem meiner Tode wieder auferstehen, plätten und der nächste Versuch. Diesmal mit einer anderen Waffe, einem Speer statt Schwertern, um nicht zu nahe an den Boss heran zu müssen.

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Mit Fernwaffen, wie dem durchschlagskräftigen Bogen, lassen sich kleinere Dämonen bequem erlegen. Allerdings waren Pfeile in der Demo Mangelware.

Ich tänzle um das Pferde-Ding, blocke Angriffe und kontere im richtigen Augenblick mit einem Schlag, das richtet mehr Schaden an. Immer den Blick auf die Ausdauerleiste gerichtet, denn sinkt diese gen Null, steht meine Kämpferin ein paar tödliche Augenblicke schutzlos in der Gegend rum. Eine schweißtreibende Choreografie, bei der jeder Schritt sitzen muss, sonst ist der Kampf in Sekunden verloren. Wie gewohnt gibt es mehrere Kampfphasen, sinkt die Kraft des Yokai unter eine bestimmte Schwelle, ändert das Monstrum seine Taktik und nutzt neue Techniken. Das bedeutet: Wieder umdenken und sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen, eine Technik finden, mit der schlussendlich der Sieg gelingt. Das ist mir gelungen, nach vielen, vielen Versuchen. Und die Befriedigung, nach dem der Höllengaul endlich gefallen ist, war wirklich jede Mühe wert.

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Das Prinzip kennt ihr aus dem ersten Teil: Wenn ihr sterbt, und das werdet ihr sehr oft, dann müsst ihr schleunigst euer Grab finden und den Schutzgeist wieder aufnehmen.

Nioh 2 sieht zwar auf den ersten Blick genau so aus wie sein Vorgänger, hat aber bei der Charaktererstellung, der Menüstruktur und dem Kampfsystem deutliche Veränderungen erfahren. Im Augenblick mangelt es mit The Surge 2, Remnant: From the Ashes oder Code Vein nicht an Auswahl in der Gattung Souls-like, ich freue mich trotzdem auf einen weiteren Besuch im alten Japan. Auch wenn ich garantiert immer wieder kurz vor der Verzweiflung stehen werde, wenn ich einem neuen, noch fieseren, Yokai begegne. Vom 1. bis zum 10. November läuft die Open Beta, schaut unbedingt rein, wenn ihr euch für das Genre begeistern könnt.

Entwickler/Publisher: Team Ninja/Koei Tecmo Erscheint für: PS4 - Geplante Veröffentlichung: 1. Quartal 2020 - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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