Ghost of Tsushima: Director's Cut (Die Insel Iki) - Test: Ein Director's Cut, der keiner ist

Mit dem Director's Cut macht Ghost of Tsushima den Sprung auf die PS5 und bringt auch den neuen DLC Die Insel Iki mit sich.

Es ist aber auch immer das Gleiche bei mir in Spielen mit Stealth-Mechaniken. Bis zu einem gewissen Punkt gelingt es mir, mich buchstäblich wie ein Geist durch die Gegend zu bewegen, einen Feind nach dem anderen leise auszuschalten. Bis ich einmal nicht aufpasse und dann bricht die Hölle los. Also Schwert, Axt oder was gerade verfügbar ist zücken und den Rest auf die brachiale Art erledigen. Warum sollte das in Ghost of Tsushima anders sein? Spoiler: ist es nicht. Auch da gelingt mir das zum Teil, aber dann vermassle ich es doch. Seufz.

Nun, zum Glück bedeutet das wie gesagt nicht gleich Game Over, wenngleich es je nach Situation nicht einfacher wird, wenn ein ganzer Trupp Mongolen um mich herum steht. Aber mir gefällt das Kampfsystem des Spiels nach wie vor. Es ist anspruchsvoll, erfordert Aufmerksamkeit und umgekehrt frustriert es mich nicht so wie das, was mir ein Dark Souls vor die Füße wirft.

Ich möchte mich gar nicht lange an den spielerischen Qualitäten von Ghost of Tsushima aufhalten. Daran hat sich im neuen Director's Cut wenig gegenüber dem Original geändert, das Martin im vergangenen Jahr testete. Der Director's Cut ist mehr eine Sammlung als eine Liste großer Neuerungen. Auf der einen Seite umfasst er das Hauptspiel und alle bisherigen Inhalte. Auf der anderen Seite bringt er mit Die Insel Iki einen neuen DLC mit. Und das endlich auf der PS5.

Ghost of Tsushima sieht auch auf der PS5 wunderbar aus

Ist das ein transformierendes Erlebnis? Je nachdem, wie ihr das so definiert. Digital Foundry ist darauf bereits näher eingegangen, aber es ist definitiv ein tolles Erlebnis, dieses Spiel in höherer Auflösung mit 60 Frames pro Sekunde zu erleben. Letzteres war zwar schon mit der PS4-Version auf der PS5 möglich, aber das macht es ja nicht schlechter.

Große grafische Umwälzungen braucht ihr hier nicht zu erwarten, was nicht bedeuten soll, dass Ghost of Tsushima nicht nach wie vor wunderschön aussieht und mit seiner toll designten Welt bezaubert. Die DualSense-Features sind nett integriert, ihr spürt zum Spiel unterschiedlich starke Vibrationen, abhängig von der Art der Waffen, die aufeinandertreffen, gleichzeitig kommt euch das Klirren bei der Berührung der Klingen aus den Lautsprechern des Controllers entgegen. Nett, aber nicht weltbewegend.

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Bei der Gestaltung der Insel hat Sucker Punch tolle Arbeit geleistet. (Ghost of Tsushima: Director's Cut Test)

Besser sieht es da schon mit dem 3D-Audio aus, vor allem wenn ihr Sonys Pulse-Headset nutzt. Der Soundtrack klingt so oder so fantastisch, aber ihr könnt nun Gegner auch ohne den speziellen Modus, der euch durch Wände und alles andere blicken lässt, recht gut anhand ihrer Schritte und Stimmen lokalisieren. Und durch das Rendern der Zwischensequenzen in Echtzeit ist nun auch die japanische Sprachausgabe lippensynchron, wenn ihr es auf die Art genießen möchtet.

Kostenlos ist das alles nicht. Während andere Spiele ihr Next-Gen-Upgrade kostenlos erhalten beziehungsweise erhielten, lässt euch Sony in diesem Falle dafür zahlen. Grundsätzlich ist der Director's Cut zum ganz normalen Spielepreis erhältlich, sprich 69,99 Euro auf der PS4 und 79,99 Euro auf der PS5. Besitzt ihr Ghost of Tsushima bereits, bekommt ihr das Upgrade auf den Director's Cut (und damit natürlich den neuen DLC) auf der PS4 für 19,99 Euro, auf der PS5 für 29,99 Euro. Die letzte Option ist ein Upgrade des Director's Cut von PS4 auf PS5, was euch 9,99 Euro kostet.

Ist der Director's Cut von Ghost of Tsushima seinen Preis wert?

Angesichts dessen stellt sich die Frage, ob das Upgrade diesen Preis wert ist? Rein in Bezug auf die Technik? Wenn ihr eine native PS5-Version mit höherer Auflösung und ebenfalls 60fps haben möchtet, kommt ihr nicht drumherum. Aber dann ist da ja noch der neue DLC, dessen Hauptstory euch allein rund dreieinhalb bis vier Stunden beschäftigen dürfte. Mit allem drum und dran, allen Extras und so weiter könnt ihr mit zehn bis 14 Stunden rechnen.

Bedenkt dabei, dass ihr, wenn ihr neu anfangt, erst ein Weilchen spielen müsst, bevor ihr auf den DLC zugreifen könnt. Geht von zirka zehn Stunden aus, die neue Insel ist erst ab dem zweiten Akt des Hauptspiels für Jin zugänglich. Wer einen alten PS4-Spielstand importiert und es zuvor bereits durchgespielt hat, kommt so natürlich schneller dran.

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Immer wieder zaubern die Entwickler tolle Momente auf den Bildschirm. (Ghost of Tsushima: Director's Cut Test)

Auch in Die Insel Iki legt ihr euch erneut mit den Mongolen an, erwartet dahingehend keine Überraschung. Interessant ist die Erweiterung aber dennoch, denn sie verrät euch - ohne zu sehr ins Spoiler-lastige Detail zu gehen - mehr über die Vergangenheit von Jins Vater. Falls euch im Hauptspiel dahingehend noch mehr Hintergründe gefehlt haben, lohnt sich der Ausflug nach Iki, Jins Charakter erhält so noch mehr Tiefe und ihr seht seinen Vater aus einem neuen Blickwinkel. Schade ist allein, dass das hier angesprochene Thema nicht noch weiter vertieft und behandelt wird.

Für die Hauptstory nutzt Sucker Punch nur einen kleinen Teil der neuen Insel, die rund halb so groß ist wie die erste Region des Hauptspiels. Der Rest steht euch natürlich für die Erkundung offen und da gibt's weitere Dinge zu erledigen und zu sammeln. Im Kern also das, was ihr von neuen Regionen in Open-World-Spielen kennt. Schön gestaltet ist Iki allemal, seine Szenerie und die Momente, die Sucker Punch währenddessen erzeugt, stehen dem Hauptspiel in nichts nach. Dabei gelingt es dem Studio, dass sich Iki visuell nicht einfach nach mehr vom Gleichen anfühlt. Die Gestaltung hebt sich von Tsushima ab und passt stimmungstechnisch zum eher mystischen Ansatz des DLCs.

Ghost of Tsushima: Director's Cut Test - Fazit

Wer nach einem guten Grund gesucht hat, nach Tsushima zurückzukehren, findet diesen im Director's Cut. Nicht nur, wenn es euch darum geht, das Hauptspiel noch einmal zu erleben, auch neue Inhalte (Iki) sorgen für ein tieferes Verständnis von Jin und seiner Vergangenheit. Wobei ich mich schon frage, warum Sony auf den Namen Director's Cut setzt, denn neue Szenen, zuvor gestrichene Inhalte oder ähnliches gibt's hier im Hauptspiel nicht - ähnliche Bedenken äußerte zuvor Hideo Kojima in Bezug auf den Director's Cut von Death Stranding. Auf der PS5 gibt es zwar wenig neue technische Spielereien, trotzdem sieht Ghost of Tsushima auf Sonys aktueller Konsole einfach wunderbar aus und mit der richtigen Hardware zu Hause ist es definitiv die beste Art, dieses Spiel zu erleben. Wer bisher nicht zugeschlagen hat, sollte das spätestens jetzt tun.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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