Mafia: Definitive Edition Test - So macht man ein Remake!

Das definitive Mafialeben?

Hervorragendes Remake des Genreklassikers, der in praktisch allen Bereichen überarbeitet wurde und heute aufs Neue begeistert.

Mafia: Definitive Edition Test - Remaster und Remakes gibt's mittlerweile viele. Manchen von ihnen seht ihr den Aufwand an, bei anderen... nun, sagen wir, das Entwicklerteam war stets bemüht. Die Definitive Edition von Mafia zeigt allen, wie es richtig geht. Sie nimmt einen echten Klassiker des Genres und verpasst ihm einen neuen Anstrich, der diesem Spiel mehr als würdig ist. Eines, das ich damals leider nie spielte und jetzt die Gelegenheit bekomme, es aufgehübscht nachzuholen.

Und es zeigt mir, wie sehr ich diese Art von Open-World-Spiel schätze. Schön ausgearbeitete offene Welten, die aber im Gegensatz zu vielen modernen Vertretern des Genres nicht an jeder Ecke mit Zeug zugeklatscht sind, um euch abzulenken. Knallharter Fokus auf die eigentliche Geschichte in einer schönen Kulisse, das begeisterte mich zuvor ebenso bei Mafia 2 oder L.A. Noire. Wenn ich da an ein Assassin's Creed Origins denke, das ich vor einigen Monaten spielte... In diesem und vergleichbaren Titeln mache ich gerne den Nebenkrams, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem es ein wenig kippt und ich froh bin, wenn es endlich vorbei ist. Und das ist eigentlich kein schönes Gefühl zum Abschluss eines Spiels. Bei Mafia 2, L.A. Noire und jetzt Mafia: Definitive Edition habe ich dieses Gefühl zu keinem Zeitpunkt. Die Spiele sind exakt so lang, wie es gut für sie ist.

All das für 40 Euro? Schnäppchen!

Ihr könntet argumentieren, dass ein Mafia dann nicht so viel Spiel fürs Geld bietet wie ein Assassin's Creed, aber: zum einen kostet das Remake trotz umfangreicher Arbeiten am Spiel nicht annähernd den Vollpreis (zirka 40 Euro) und zum anderen habe ich hier das Gefühl, ein paar Tage lang einer spannenden Geschichte zu folgen und nicht nach unzähligen Stunden voller Nebenbeschäftigungen ein wenig den Faden zu verlieren. So sehr Entwickler Hangar 13 für sein Mafia 3 zum Teil Kritik einsteckte, so sehr haben sie sich für dieses Remake ein riesiges Lob verdient.

Wüsstet ihr nicht, dass es auf einem alten Spiel basiert, könntet ihr es für ein brandneues halten. Schaut euch Vergleichsvideos mit Remake und Original an und ihr seht einen Unterschied wie Tag und Nacht. Im Grunde ist hier alles neu, bis auf die Geschichte. Ihr spielt den Taxifahrer Tommy Angelo, den das Schicksal eines Tages in Kontakt mit dem organisierten Verbrechen und der Salieri-Familie bringt. Von da an macht er sich einen Namen in der Familie, während er sie vor ihren zahlreichen Feinden schützt und die Vorzüge genießt, die ihm dieses Leben vermeintlich bietet.

Keiner hat behauptet, es wäre angenehm für die Mafia zu arbeiten

Die Geschichte spielt sich in klasse inszenierten Zwischensequenzen ab und in Gesprächen auf dem Weg durch die Stadt, zum Beispiel in Richtung Missionsziel, erfahrt ihr ebenso mehr über eure Kameraden und Feinde. Es ist ein schönes Zusammenspiel, das sich gut ergänzt und die Wege so sinnvoll verwendet, um euch noch tiefer in Story und Charaktere eintauchen zu lassen. Und es ist definitiv nicht so, dass ihr euch gut fühlt bei dem was ihr tut. Nicht, weil es spielerisch schlecht wäre, sondern weil das, was ihr mit Tommy veranstaltet, Verbrechen sind. Ihr treibt Schutzgeld ein, bringt Leute um, rächt euch für Verrat und so weiter.

Mafia Definitive Edition Test Hafen
Es ist ein hübsches Remake geworden. (Mafia: Definitive Edition Test)

Das Mafialeben ist kein Kindergeburtstag und das Spiel vermittelt dieses Gefühl bestens. Wenn ihr euch nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf euren Don mit ihm auf die Jagd auf einem Verräter macht und euer Boss diesem seinen Kopf mit zahlreichen Fußtritten zermatscht, was ihr nicht explizit seht, habt ihr so wie Tommy selbst in diesem Moment einen Kloß im Hals. Und das ist bei weitem nicht die einzige Szene, in der es euch und Tommy so geht. Ihr merkt ihm an, dass ihn das alles im Gegensatz zu den anderen nicht kalt lässt, dass er in manchen Momenten noch so was wie Mitgefühl hat. Was im Endeffekt nichts daran ändert, das er all die Dinge tut nicht der Charakter ist, mit dem ihr euch abends auf ein Bierchen treffen würdet. Das Spiel zeichnet insgesamt ein düsteres Bild von Rivalitäten zwischen Mafiaclans, korrupten Politikern und Polizisten und einer Welt, in der Menschenleben wenig wert sind, wenn sie eurer Familie gegenüber nicht loyal eingestellt sind, sie verraten oder anderweitig Ärger machen.

Wer es so schwierig wie im Original haben möchte, wird nicht vergessen

Aber: es ist spannend, es ist gut geschrieben und bietet Action, es ist einfach wie ein hervorragender Mafiafilm zum Mitspielen. Ihr seid häufig zu Fuß und in Autos unterwegs, beides klappt gut und ist nicht ganz so arcadig gehalten wie in manch anderen Open-World-Spielen. Auf den normalen Einstellungen wohlgemerkt. Das Original hat ja den Ruf, eine enorme Herausforderung zu sein, was vor allem für das legendäre Autorennen gilt. Auf der normalen Schwierigkeitsstufe des Remakes geht alles ein wenig gemächlicher zu, ihr steht nicht vor unüberwindbaren Aufgaben. Nicht falsch verstehen, ihr solltet auf jeden Fall taktisch klug die Deckung einsetzen und euch nicht allzu lange ungeschützt bewegen, da ihr nicht viele Treffer einsteckt. Es ist hier aber bewusst so gehalten, dass kein Frust entsteht.

Wer ein Erlebnis wie im Original haben möchte, schaltet auf die Schwierigkeitsstufe "Klassisch", hat es dann mit hartnäckigeren Polizisten und tödlicheren Feinden zu tun, ein jeder Fehltritt resultiert hier im Grunde in einer Bestrafung. Wenn ihr das möchtet, findet ihr darin auf jeden Fall euer Glück - oder eure Herausforderung, je nachdem wie ihr es betrachtet. Auf der normalen Stufe erwartet euch aber ein gut ausbalanciertes Spielvergnügen. Nicht zu schwer und nicht zu leicht, exakt die goldene Mitte getroffen.

Die alte Stadt, die eine Modernisierung verdiente

Umfangreiche Änderungen nahm Entwickler Hangar 13 am Schauplatz Lost Heaven vor. Grundlegende Strukturen, Stadtviertel und so weiter sind gleich geblieben, aber an vielen Ecken feilte das Entwicklerstudio an den Details, um dem Remake ein stimmigeres Gesamtbild zu geben und Dinge umzusetzen, die damals vermutlich nicht so leicht umzusetzen waren. Im Stadtzentrum erwarten euch zum Beispiel höhere Gebäude, die dieser Epoche entsprechen, während Chinatown nun seine ganz eigene, individuelle Architektur hat. Neue Aussichtspunkte hat das Studio geschaffen, indem es die Topografie veränderte, und natürlich ist die Sichtweite deutlich höher als damals.

Zu diesen feinen Details zählen zugleich kleine Veränderungen bei Tag und Nacht und abhängig vom Wetter. Nachts ist es natürlich ruhiger, ihr merkt, dass die Stadt im Schlaf ist und mit Einbruch der Dunkelheit Neonschilder Feierwillige anlocken. Bei Regen eilen die Bewohner und Bewohnerinnen, die sich draußen aufhalten, über die Bürgersteige und halten sich ihre Arme und Hände schützend nach oben, um nicht nass zu werden. Alles wirkt stimmig und gut ausgearbeitet und sorgt so stets für die passende Stimmung inmitten der Kulisse, die euch das Spiel in den Missionen präsentiert, während ihr durch die Straßen fahrt oder euch einzelne Schauplätze näher anguckt.

Mafia Definitive Edition Test Regen
Alles für die Familie. (Mafia: Definitive Edition Test)

Gleichzeitig ist der Definitive Edition hier und da anzumerken, dass sie ein wenig von den Current-Gen-Konsolen zurückgehalten wird. Auf der Xbox One X sieht's auf jeden Fall sehr gut und zeitgemäß aus, wenngleich die Mimik und Gestik der Charaktere in manchen Gesprächen außerhalb der Zwischensequenzen noch ein wenig überzeugender sein könnte. Hier und da gab's ein paar kleinere Grafik-Glitches und bei näherer Betrachtung schwächeln einzelne Texturen, im Großen und Ganzen gibt's aber wenig zu meckern. Umsetzungen für PlayStation 5 und Xbox Series X sind bisher nicht bestätigt, aber ich würde dieses Spiel gerne noch mit weiteren Verbesserungen wie Raytracing oder noch mehr Details sehen.

Mafia: Definitive Edition Test - Fazit

Bis ich damit anfing, war mir nicht so ganz bewusst, wie sehr ich dieses Remake gebraucht habe, vor allem, da mir damals der erste Teil entging. Hangar 13 liefert hier hervorragende Arbeit ab und hat einen Klassiker des Genres für ein modernes Publikum aufbereitet - und dabei nicht gekleckert, sondern geklotzt! Was für eine hübsche Modernisierung es geworden ist, technisch erinnert hier nichts mehr ans Original, verglichen damit ist es eines der beeindruckendsten Remakes, die ich bisher sah. Es fühlt sich modern an und das alles steht dem Spiel gut zu Gesicht.

Die Definitive Edition spricht somit Fans des Originals und neu Interessierte gleichermaßen an und ich kann beiden den Kauf des Remakes sehr ans Herz legen! Eine tolle, erstklassig erzählte Geschichte, rundum gelungenes Gameplay und die stimmige Inszenierung sorgen für ein eindrucksvolles Gesamtbild. Hinzu kommt der Fokus aufs Wesentliche in Form der Geschichte, durch den diese Art von Spiel bei mir Pluspunkte sammelt. Keine 100 Stunden ins Spiel absolvieren, weil ich mich in all dem optionalen Kram verliere, einfach eine von Anfang bis Ende spannende und filmreife Geschichte genießen und ich bin glücklich. Ist es das, was ihr sucht, dann macht euch die Definitive Edition von Mafia ebenso glücklich.

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  • Entwickler / Publisher: Hangar 13 / 2K Games
  • Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One (gespielt auf Xbox One X)
  • Release-Datum: 25. September 2020
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: zirka 40 Euro

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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