PS5 vs. Xbox Series X: Der beste Grund, DIESE Konsole zu kaufen (welche auch immer)

Das alte Für und Wider.

Jetzt wird es ernst: Die Series X ist draußen und sofern ihr einen Laden findet, in dem ihr sie theoretisch kaufen könntet, braucht ihr jetzt vielleicht eine Entscheidungshilfe, ob ihr nun schon bei Microsofts Monolithen zuschlagen solltet oder die nächsten Wochen abwartet und euer Glück im Sony-Lager versucht. Also werden wir doch mal konkreter, anstatt nur über die Emotionen zu sprechen, die PS5 und Xbox Series X in uns auslösen.

Also: Welche Gründe sprechen für die eine, welche für die andere Konsole? Was ist anders als zuletzt, was vielleicht gleich geblieben? Die Antworten aus Sicht zweier Leute, die die Konsolen schon haben. Wie immer berichtet Martin aus dem Xbox-Lager und Alex von der Warte eines PlayStation-Besitzers aus.

Xbox Series X - wie vorher, nur viel, viel besser

Bei der Xbox ist die Frage nach den Gründen gleichzeitig total einfach und fast unmöglich zu beantworten. Es gibt jetzt kein neues Exklusiv-Spiel, das euch direkt begrüßt, wie es ein Astro tun würde. Noch nicht. Microsoft kauft derzeit gefühlt alles und jeden, der ein Spiel entwickeln kann und nicht bei drei auf dem Baum sitzt. Bethesda wäre so ein Fall, Obsidian macht sein Ding, Rare darf machen was es will, auch wenn keiner genau weiß, was das ist. Dazu hat man ja noch die Serien wie Forza, Halo und Gears, die jetzt zwar noch keine frische Ware bieten, aber für viele alte Spiele kamen schon mal Series-X-Patches. Aber neues High-End-Show-Material? Nein. Noch nicht.

Wenn ihr diesen Kick aber nicht braucht - und ich bin mir nicht mal wirklich sicher, wie sehr die PS5 damit aktuell wirklich auftrumpfen kann -, dann hat Microsoft natürlich ein Angebot für euch, das ihr nicht ausschlagen könnt. Wenn ihr euch denn für eine Xbox entscheidet. Den Game Pass nicht zu kaufen, macht nur Sinn, wenn ihr euch einen Monat Gaming-Enthaltsamkeit auferlegt habt oder euch einfach in ein Spiel verbeißen wollt, das da nicht mit drin ist. Ansonsten habt ihr für eure neue Konsole ein klein wenig mehr an Games, als es aktuell die noch etwas traurige PS Plus Collection bietet und vor allem werden alle neuen Microsoft-Sachen, wenn sie denn eines Tages kommen, da mit drin sein. Ich habe den Eindruck, dass jeder ein klein wenig anders auf den Game Pass reagiert, wenn er ihn erst mal hat, aber ich selbst merke deutlich, dass ich wieder mehr spiele, wenn auch nicht alles so richtig intensiv: Installieren, angucken, eine Stunde freuen und auf den mentalen Stapel der Schande legen. Aber zumindest habe ich mal reingeguckt, ist ja auch was.

Aber nicht nur das: Wenn ihr von der Xbox kommt, dann geht das Leben direkt weiter. Ihr müsst nicht mal den Controller tauschen. Ihr könnt alle Einstellungen direkt übernehmen, selbst vom Platz her dürfte die Series meist dort ein Zuhause finden, wo zuvor eine One herumlungerte. Ihr müsst euch nicht groß mit neuen Optionen oder neuem UI herumschlagen. Der Wechsel zur Series X ist kein Umzug, es ist so als würde man in den eigenen Wänden einschlafen und wenn man wieder aufwacht ist das Haus zum einen herum nicht anders, aber komplett renoviert. Genau so. Nur weniger unheimlich. Und ja, die Renovierung hat eine Sache gebracht, bei der es für euch kein zurück mehr gibt, wenn ihr es einmal erlebt habt:

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Jetzt vieeeel schneller wieder im Sattel - dank SSD-Speicher.

Ladezeiten! OMG, diese Ladezeiten! Wer Red Dead 2 auf der Konsole kennt, der kennt diese alten Negativ-Fotos, die am Anfang für eine Weile durchlaufen. So irgendwas um die 10 bis 15 davon zeigt die Xbox One X, bevor aufgesattelt wird. Jetzt mit der Series X sind es noch zwei oder drei. Destiny lädt genau so lange, wie die Verbindung braucht, um sich aufzubauen, was praktisch immer länger dauert als alles andere. Forza Horizon 4 zeigte euch auch gern schöne Bilder vor dem Start, davon seht ihr nur noch ein paar wenige Sekunden etwas. Ich könnte jetzt die Stoppuhr danebenhalten, aber wozu. Die Aussage ist ganz klar, es ist ein Quantensprung bei den Ladezeiten. Control, sonst recht normal mit einer halben Minute oder so - so lang, dass es nicht penetrant ist, aber lang genug - startet nun nach etwa sechs bis sieben Sekunden. Ein Sprung mit dem Schnellreise-System dauert noch zwei bis drei Sekunden. Absurd wird es bei alten 360/Xbox-Spielen. Panzer Dragoon Orta spielt sich praktisch wie ein Modul-Spiel. Ach, was sage ich. Es gab genug Modul-Spiele die längere Ladezeiten hatten. Castlevania: Lords of Shadow, ein 360-Titel, hat ungefähr die Ladezeiten von Super Castlevania IV. Eine Sekunde länger vielleicht, aber nicht mehr.

Das sind natürlich alles jetzt "alte" Spiele. Wirklich spannend wird es bei neuen Titeln wie Cyberpunk, die insgeheim ja wohl doch eher für die neue als die alte Generation skaliert wurden. Werden wir dort wieder 20 oder 30 Sekunden Ladebildschirme anschauen? Und wie lange dauert es dann auf einer One X? 10 Minuten? Das wäre nicht das erste Mal in meinem Leben, dass das passiert. Wing Commander 3 lief auf meinem damaligen PC völlig okay. Wenn es denn dann fertig geladen war, nach so etwa 15 Minuten. Das wird die spannende Frage, die ein Watch Dogs 3 oder Assassin's Creed: Valhalla noch nicht beantwortet, denn die sind nach ein paar Sekunden im Speicher, nicht anders als ein Red Dead 2 auch. Aber letztendlich sind das ja auch noch "Last-Gen"-Games... Nicht wahr, Ubisoft?

PS5: Sony macht, was es kennt - und das macht es gut!

Die Ladezeiten sind auch der größte Stich der PS5 im Vergleich zu den Konsolen, die vor ihr kamen - da nehmen sich die beiden Next-Gen-Geräte nicht viel (wobei sich zumindest bei abwärtskompatiblen Spielen aktuell noch Vorteile für die Series X andeuten, was für die Games der kommenden Generation aber nichts heißt, denn hier kommt noch dedizierte, Hardware-basierte Dekomprimierung ins Spiel). Und wo die Xbox Series X mit dem brillanten Game Pass punktet, der für alle Geschmäcker zu einem niedrigen Preis regelmäßig tolle Spiele mitbringt und sogar die Microsoft-Eigenproduktionen grundsätzlich verschenkt, hat die PS5 ihre exklusiven Games, die dann bis zu 80 Euro kosten können.

PS Plus Collection PS5
Schöne Spiele... die die meisten schon haben. Game Pass ist besser.

Hier zeichnet sich ein klarer Unterschied im Ansatz ab, wenn es um das Ökosystem als Ganzes geht. Preisbewusstere sind mit der Series X vorerst besser bedient. Zumindest bis PlayStation Plus seinen Mehrwert steigert. Und nein, die neue PS-Plus-Collection ist noch lange nicht das, was sie sein müsste. Immerhin: Auf der PS5 gibt es zum Start mehr Spiele, die man so nur hier genießen darf: Ein Ghost of Tsushima fühlt sich durch das Update auf 60fps durchaus nach Next-Gen an, Demon's Souls dürfte fürs erste die Killer-App sein, Miles Morales ist mehr als nett und Astro's Playroom wenngleich nicht besonders groß oder nachhaltig, wohl aber genial und augenöffnend, wenn es um die Fähigkeiten des neuen Controllers geht. Und von dem darf man ohnehin einiges erwarten.

Die PS5 gibt sich als Gerät verspielter, die Xbox Series X will lieber Spiele en masse für sich sprechen lassen, indem sie sie mit aller Hardware-Macht ins beste Licht rückt. Insofern setzen sich die Philosophien beider Firmen verfeinert, aber nicht grundsätzlich verändert fort. Microsoft steht sowohl technisch als auch in Sachen Preis-Leistung robuster da als zu Xbox One Zeiten, Sony besinnt sich auf seine zentrale Stärke, nunmal Sony zu sein und schafft es trotzdem, ein wenig abenteuerlustiger daherzukommen als in der letzten Generation.

Demons Souls PS5
Sabber...

Welche Next-Gen darf's denn sein? Das Fazit

Wie immer gilt: dieser Kampf wird nicht auf den ersten Metern entschieden - wenn das so wäre, gäbe es heute keine Series X, machen wir uns nichts vor - und wir freuen uns, sagen zu können, dass ein paar alte Faustregeln weiter Bestand haben: Sony kauft man für die Exclusives und den Willen, hier und da auch mal etwas Neues anzupacken. Das Käuferprofil der Shooter-freudigen Xbox-Klientel hingegen dürfte sich qualitativ - und mit Ausnahme derer, die sicherstellen wollen, neue Bethesda-Spiele An Tag eins auf ihrer Konsole erleben zu können - eher wenig verändern. Sehr wohl aber in der Quantität, denn in jedem Fall kommen diesmal zahlreiche preisbewusste Spieler hinzu. Dem Lockruf von Game Pass ist eben nur schwer zu widerstehen.

Alles fast wie zuletzt also - nur, dass die beiden Kontrahenten ihre Ambitionen endlich gleich hoch hängen und ihre Prioriäten klarer sortiert haben. Das hier wird ein Kampf auf Augenhöhe.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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