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Die EU gibt Microsofts Activision-Übernahme grünes Licht

Update 2: Die CMA muss ihre Entscheidung rechtfertigen.

Update vom 16. Mai 2023: Nachdem die britische Competitions and Markets Authority (CMA) gestern noch die Entscheidung der EU-Kommission, Microsofts Activision-Kauf zu genehmigen, kritisiert hatte, musste man sich heute für die eigene Entscheidung rechtfertigen.

Marcus Bokkerink und Sarah Cardell, die die CMA leiten, wurden am heutigen Morgen wiederholt vom Business and Trade Committee der britischen Regierung zu ihrer Entscheidung befragt, berichten unsere englischen Eurogamer-Kollegen. Unter anderem wurde eine Erklärung für die von der EU abweichende Entscheidung gefordert, ebenso fragte man, ob man sich der Auswirkungen für Großbritanniens internationalen Ruf bewusst sei.

"Ich verstehe die Schlussfolgerung, dass, wenn eine Entscheidung getroffen wird, die einen Deal blockiert, es Fragen darüber gibt, ob das Vereinigte Königreich offen für Unternehmen ist", sagt Bokkerink.

"Alle Unternehmen wissen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem Aufbau eines Unternehmens, der Investition in ein neues Unternehmen, der Investition in ein Start-up, der Gründung eines neuen Unternehmens und dem Kauf eines bereits etablierten Unternehmens mit etablierten Positionen. Es ist nicht dasselbe."

"Das Vereinigte Königreich hat immer offene, wettbewerbsorientierte Märkte gefördert - und es ist die Pflicht der CMA, diese zu fördern. Wir sind wachsam - und es ist unsere Pflicht, dies zu sein - gegenüber Investitionen, die eine bereits etablierte Marktmacht konsolidieren. Ich möchte die Behauptung in Frage stellen, dass ein Einfluss auf internationale Vertrauen gibt, Geschäfte im Vereinigten Königreich durchführen zu können."

Sowohl Microsoft als auch Activision Blizzard hatten die Entscheidung der CMA kritisiert und signalisiert, dass es schlecht für den britischen Markt sei. Activision ließ obendrein durchblicken, dass man seine zukünftigen Investitionen in Großbritannien überdenken werde.

Die Entscheidung der EU dürfte in Großbritannien zu neuen Debatten führen, nachdem sowohl Premierminister Rishi Sunak als auch Finanzminister Jeremy Hunt betont hatten, dass sie Großbritannien zum Silicon Valley Europas machen möchten.

Sarah Cardell begründet die Entscheidung der CMA damit, dass man Microsofts Zugeständnisse und Deals über zehn Jahre hinweg nicht akzeptieren wollte.

"Die [Europäische] Kommission hat zugestimmt, dass die Übernahme wettbewerbsrechtliche Bedenken aufwirft, da gibt es keinen Unterschied zwischen der CMA und der Kommission", sagt sie. "Die Kommission ist jedoch zu dem Schluss gekommen, dass es angemessen ist, [Microsofts] Zugeständnisse zu akzeptieren. Sie haben ihre eigenen Untersuchungen durchgeführt und sind zu ihrer eigenen Meinung gelangt, und das ist ihr gutes Recht. Wir sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass es aus britischer Sicht nicht angemessen war, diese Zugeständnisse zu akzeptieren."


Update vom 15. Mai 2023: Die britische Competitions and Markets Authority hat die heutige Entscheidung der EU kritisiert.

Man befürchtet, Microsoft könne dadurch den Cloud-Gaming-Markt für das nächste Jahrzehnt bestimmen.

"Die Vorschläge von Microsoft, die heute von der Europäischen Kommission angenommen wurden, würden es Microsoft erlauben, die Bedingungen für diesen Markt für die nächsten zehn Jahre festzulegen. Sie würden einen freien, offenen und wettbewerbsorientierten Markt durch einen Markt ersetzen, der einer ständigen Regulierung der von Microsoft verkauften Spiele, der Plattformen, auf denen sie verkauft werden, und der Verkaufsbedingungen unterliegt."

"Dies ist einer der Gründe, warum die unabhängige Expertengruppe der CMA die Vorschläge von Microsoft abgelehnt und diesen Deal verhindert hat."

Auf der anderen Seite begrüßen Microsoft und Activision erwartungsgemäß die Entscheidung.

"Die Europäische Kommission hat Microsoft verpflichtet, beliebte Spiele von Activision Blizzard automatisch für konkurrierende Cloud-Gaming-Dienste zu lizenzieren", sagt Microsoft-Präsident Brad Smith. "Dies wird weltweit gelten und Millionen von Verbrauchern weltweit die Möglichkeit geben, diese Spiele auf jedem Gerät ihrer Wahl zu spielen."

"Die Europäische Kommission hat einen äußerst gründlichen und wohlüberlegten Prozess durchgeführt, um ein umfassendes Verständnis für das Gaming zu erlangen", kommentiert Activision-Chef Bobby Kotick. "Infolgedessen hat sie unseren Zusammenschluss mit Microsoft genehmigt, obwohl sie strenge Zugeständnisse verlangte, um einen robusten Wettbewerb in unserer schnell wachsenden Branche zu gewährleisten."

"Wir beabsichtigen, unsere Investitionen und unsere Belegschaft in der gesamten EU erheblich auszuweiten, und wir freuen uns auf die Vorteile, die unsere Transaktion den Spielern in Europa und der ganzen Welt bringt. Unsere talentierten Teams in Schweden, Spanien, Deutschland, Rumänien, Polen und vielen anderen europäischen Ländern verfügen über die Fähigkeiten, den Ehrgeiz und die staatliche Unterstützung, die für einen effektiven Wettbewerb auf globaler Ebene erforderlich sind. Wir gehen davon aus, dass diese Teams wachsen und gedeihen werden, da ihre Regierungen einen entschlossenen, aber pragmatischen Ansatz für das Gaming verfolgen."


Erstmeldung vom 15. Mai 2023: Aus Brüssel gibt es heute positive Nachrichten für Microsoft, denn die EU hat die Übernahme von Activision Blizzard genehmigt.

Es ist ein wichtiger Schritt für Microsoft, nachdem die britische Competitions and Markets Authority (CMA) den Deal zuletzt blockiert hatte.

Auf dem Weg zur Übernahme

Die Europäische Kommission sieht es also offensichtlich anders als die CMA und hat nach Microsofts Zugeständnissen keine Einwände gegen die Übernahme.

Diese Zugeständnisse betreffen besonders den Cloud-Gaming-Markt. Dazu zählen kostenlose Lizenzen für europäische Spielerinnen und Spieler, durch sie alle Activision-Blizzard-Spiele, die sie besitzen, über einen Cloud-Gaming-Service ihrer Wahl spielen können. Ebenso gibt es eine kostenlose Lizenz für Cloud-Gaming-Dienste in der Region, damit diese die jeweiligen Spiele auf ihrer Plattform hosten können.

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Die EU erklärt ihre Entscheidung.

In Bezug auf etwaige negative Auswirkungen auf konkurrierende Konsolenhersteller (Sony und Nintendo) sowie Abo-Dienste (PlayStation Plus) hat man keine Bedenken mehr. Man hält es für unwahrscheinlich, dass Microsoft Spiele wie Call of Duty von PlayStation-Konsolen entfernt, da das die eigenen Profite schmälern würde. Auch Microsoft selbst hatte so argumentiert.

Aber selbst, wenn das der Fall wäre, ist man überzeugt, dass Sony in der Lage wäre, "seine Größe, seinen umfangreichen Spielekatalog und seine Marktposition zu nutzen, um jeden Versuch abzuwehren, seine Wettbewerbsposition zu schwächen".

Beim Cloud-Gaming sieht man ebenso wenig negative Auswirkungen, da dieser Markt "heutzutage noch sehr begrenzt" sei. Im Gegenteil: Der Deal könne nach Ansicht der EU vielmehr dessen Wachstum fördern.

"Diese Zusagen räumen die von der Kommission festgestellten Wettbewerbsbedenken vollständig aus und stellen eine erhebliche Verbesserung für das Streaming von Cloud-Spielen im Vergleich zur derzeitigen Situation dar", teilt die Europäische Kommission mit.

"Sie werden Millionen von Verbrauchern im EWR [Europäischer Wirtschafstraum] in die Lage versetzen, die Spiele von Activision über alle im EWR betriebenen Cloud-Gaming-Dienste zu streamen, sofern sie in einem Online-Store gekauft oder in ein aktives Multi-Ggame-Abonnement im EWR eingebunden sind."

"Darüber hinaus wird die Verfügbarkeit der beliebten Spiele von Activision für das Streaming über alle Cloud-Game-Streaming-Dienste die Entwicklung dieser dynamischen Technologie im EWR fördern. Letztlich werden die Zusagen erhebliche Vorteile für den Wettbewerb und die Verbraucher mit sich bringen, da die Spiele von Activision auf neuen Plattformen, einschließlich kleinerer Anbieter in der EU, und auf mehr Geräten als bisher angeboten werden."

Trotz der Genehmigung durch die EU-Kommission steht Microsoft noch vor der Herausforderung, die britische CMA zu überzeugen. Wenn alles normal läuft, dauert eine erfolgreiche Berufung bis zu neun Monate, bevor der Fall wieder an die CMA zurückgeht. Um Erfolg zu haben, muss Microsoft beweisen, dass man von der CMA unfair behandelt wurde oder dass die Begründung der CMA fehlerhaft ist.

In Anbetracht dessen ist die Entscheidung der EU sicherlich eine wichtige Hilfe für Microsoft. Negative Nachrichten aus Brüssel hätten die Angelegenheit nicht gerade erleichtert. Nun wird es spannend zu sehen sein, wie sich die Klage der amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) im Laufe des Sommers entwickelt.

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