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GRID Legends - Test: Kompetent auf der Strecke, aber die Story ist kein Kaufgrund

Die Story ist nicht der faszinierendste Aspekt an GRID Legends, Spaß macht das Rennspiel trotzdem.

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Kein herausragendes Rennspiel, aber ein absoluter Spaßgarant mit vielen Inhalten und einer Story ohne echte Konsequenzen.

Wer meine Vorschau zu GRID Legends gelesen hat, weiß, dass ich Story-Modi in Sport- und Rennspielen nicht abgeneigt bin. Ich wünschte nur, sie würden sich so langsam mal ein Stück weiterentwickeln. GRID Legends ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, was in diesen gut gemeinten Story-Modi noch falsch läuft.

Das Problem betrifft nicht den spielerischen Bereich, vielmehr geht es um die Glaubwürdigkeit der ganzen Angelegenheit. Und damit meine ich nicht, dass ihr euch mal wieder vom Nobody zum Star hocharbeitet. Es hat damit zu tun, wie das Spiel eure tatsächlichen Leistungen berücksichtigt - oder eben nicht. Das Wichtigste ist, dass ihr in den einzelnen Rennen und Events das gesetzte Ziel erreicht. Alles, was darüber hinaus geht, ist komplett irrelevant.

Eine Story ohne echte Konsequenzen

Ihr könnt also in jedem Event der Story absolute Bestleistungen erzielen und stets den ersten Platz holen, die Konkurrenz in Grund und Boden fahren: In den Zwischensequenzen findet das keinerlei Beachtung. Ab einem bestimmten Punkt habe ich mir in den Eliminator-Rennen gar nicht mehr die Mühe gemacht, bis zum Ende auf Platz eins zu fahren. Wenn ich mein gefordertes Ziel erreicht habe und dann eliminiert werde, reicht das ja aus und spart mir noch ein paar Minuten Zeit.

Was dem Story-Modus gut gelingt, ist, euren Rivalen und Rivalinnen mittels realer Schauspieler und Schauspielerinnen ein Gesicht zu geben - wenn auch nicht immer frei von einem gewissen Cringe-Faktor. Im Großen und Ganzen spielt und fühlt sich das ähnlich an wie Braking Point in F1 2021 (wo es noch animierte Charaktere waren). Die arrogante Art, auf die etwa euer Hauptrivale Nathan McKane dargestellt wird, sorgt jedenfalls dafür, dass ihr ihn am liebsten bei jeder Gelegenheit von der Strecke rammen würdet. Definitiv ein motivierender Faktor. Die im Vorfeld viel gelobte Technik dahinter, die der von The Mandalorian ähnelt, spielt jetzt nicht so eine enorme Rolle bei der Darstellung. Ich sah jedenfalls nichts unbedingt Revolutionäres bei den meist mit leichter Unschärfe dargestellten Hintergründen, was sich nicht auch mit einfachen Greenscreens hätte realisieren lassen.

Ein bisschen Show muss in GRID Legends auch sein.

Damit einher geht das Rivalen-System. Kratzt ihr ein paar mal zu häufig den Lack eines anderen Wagens ab, reizt ihr sie damit und sie werden zum Rivalen. Was sich wiederum auf ihre Fahrweise auswirkt, die aggressiver ausfällt. Nette Sache, zumal sie sich über mehrere Rennen zieht, bis sie sich wieder beruhigt haben. Vereinzelt fühlt es aber nicht ganz konsequent oder zu überempfindlich an. Wenn sie nach einem Unfall oder einem Dreher zurück auf die Strecke rollen und ihr kollidiert mit ihnen, weil ihr mehr nicht ausreichend Zeit zum Reagieren hattet, kann sie das zum Rivalen machen, obwohl es ja im Grunde nicht eure Schuld ist. Solche Sachen kommen vor, sind aber kein Beinbruch.

Abhängig davon, in welchem Tempo ihr vorgeht, erreicht ihr das Ende der Story in rund sieben Stunden. Große Schwierigkeiten habt ihr dabei im Normalfall nicht, wenngleich auch hier die Balance nicht perfekt ist. Bei F1 2021' Braking Point hatte ich bemängelt, dass es sich selbst auf normaler Stufe viel zu einfach anfühlt. Ähnliches trifft hier zu. Dem gegenüber wirken manche Events auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad zu hart. GRID Legends trifft nicht immer ganz die perfekte Balance. Das Gute ist, dass sich die Schwierigkeit zwischendrin immer regulieren lässt, ihr also nicht an eine Einstellung gebunden seid.

GRID Legends' Karriere bietet viel und nervt manchmal

Habt ihr die Story durch - sofern ihr sie überhaupt spielt -, ist die Karriere eure nächste, umfangreiche Anlaufstelle. Hier gibt's massig Rennveranstaltungen in verschiedenen Kategorien, die ihr nach und nach freischaltet. Dahinter steckt keine große Magie oder sonst was, ihr absolviert einfach ein Rennen nach dem anderen, ob im Eliminator, einem einfachen Positionsrennen oder indem ihr versucht, innerhalb einer bestimmten Zahl an Runden die beste Zeit zu erzielen. All das zu absolvieren, wird euch eine Weile beschäftigen. Nervig ist es vor allem, wenn ihr für einzelne Veranstaltungen ein bestimmtes Upgrade-Level eures Fahrzeugs benötigt und dieses erst freigeschaltet wird, wenn ihr eine vorgegebene Zahl an Kilometern mit dem Wagen gefahren seid. In dem Fall bedeutet das, vorherige Events einfach noch einmal zu fahren.

Häufig seid ihr vor schöner Kulisse unterwegs, es gibt in GRID Legends Stadtkurse und Rennstrecken.

Da hätte man sich eine bessere Lösung einfallen lassen müssen als einfach nur Rennen zu wiederholen, zumal diese Tuning-Teile keinen essenziellen Part des Spiels ausmachen. Klar, hier und da lassen sich mit ihnen noch ein paar Zehntelsekunden oder herausholen oder so, ich hatte aber nie das Gefühl, dass ich das wirklich brauche. Allerdings bleibt dadurch alles schön simpel: Einfach einsteigen und Spaß haben.

Das passt zugleich als allgemeines Motto zum Spiel. GRID Legends ist der perfekte Gegenentwurf zu einer Racing-Sim wie Assetto Corsa Competizione. Arcade-Racing vom Feinsten, das einfach funktioniert, sich nicht mit langen Erklärungen aufhält und euch innerhalb kürzester Zeit einfach Rennen fahren lässt. Die meiste Zeit über gebt ihr Vollgas und schlittert durch Kurven, echte Bremsmanöver sind je nach Kurs fast schon selten. Wer sich mit dem ganzen Drumherum, wie dem Tuning, nicht beschäftigen möchte, braucht es nicht zu tun - außer es ist in der Karriere für den Fortschritt erforderlich. Hinzu kommt ein umfassender Multiplayer-Modus. Insgesamt können 22 Wagen auf der Strecke sein und auch ein Einstieg in laufende Rennen ist möglich. Je nach Disziplin tretet ihr hier gegen Geister an - 22 driftende Autos wären wohl etwas zu viel für eine Kurve -, obendrein lassen sich eigene Varianten mit allerlei verschiedenen Kombinationen aus Fahrzeugen, Strecken und Modi zusammenstellen. Somit schnürt GRID Legends dann ein inhaltlich ausuferndes Spaßpaket für euch.

Havanna lässt grüßen und ist in GRID Legends nur eine von vielen Strecken.

Eine andere interessante Sache ist die Fehleranfälligkeit der KI-Fahrer und -Fahrerinnen. Regelmäßig seht ihr, wie andere sich drehen, einen Unfall haben oder wie eine Rauchwolke aus ihrem Heck nichts Gutes für ihren Motor verkündet. Dinge, die euch eher selten passieren. Ich kann auch verstehen, warum Codemasters davor zurückschreckt, denn für die Person vor dem Bildschirm würde das wohl eher großen Frust bedeuten, wenn in der letzten Kurve auf einmal der Motor platzt. Um euch herum sorgt es allerdings für eine begrüßenswerte Dynamik, die ich in Spielen wie F1 2021 noch vermisse. Da sorge häufig ich für die Dynamik, indem ich durch mein aggressives Fahren andere vor Probleme stelle.

Obwohl hier und da Reifen und mehr kleinere Einzelteile bei Kollisionen und Unfällen durch die Gegend fliegen, fehlt am Ende doch dieser besondere Punch, den ihr normalerweise erwarten würdet, wenn ein Auto mit Vollgas in eine Betonwand kracht. Hier und da können Teile abfallen und in einem Rennen hatte ich aufgrund eines Zusammenpralls mit einer Wand einen schleichenden Plattfuß, wodurch sich der Gummi eine Runde später komplett von der Felge löste und mich letztlich zum Neustart des Events zwang. Aber diese brutale Wucht eines echten Aufpralls vermittelt auch GRID Legends nur unzureichend.

GRID Legends Test - Fazit

Letztlich ist GRID Legends ein gelungenes Mainstream-Arcade-Rennspiel, das eine Vielzahl an Inhalten und schönen Strecken zu bieten hat. Ob ihr die Hügel in San Francisco hinauf und wieder hinunterrast, durch die Straßen von Dubai brettert oder vor der Kulisse des Eiffelturms um den ersten Platz kämpft, Spaß habt ihr dabei allemal. Die Story ist wie üblich ein zweischneidiges Schwert. Abseits dieses nicht mehr ganz so einzigartigen Modus macht GRID Legends nichts, was besonders herausragend wäre, aber es muss ja nicht jedes Spiel sein Genre revolutionieren. Für ein paar Runden rasante Unterhaltung ist der Titel immer gut. Habt ihr keine Lust auf Forza Horizon 5, Gran Turismo 7 oder Sim-Racer wie Assetto Corsa Competizione, ist GRID Legends eure aktuell beste Alternative.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

In diesem artikel

Grid Legends

PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, PC

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.
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