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Ihr habt Goldeneye auf der Xbox-Show vermisst? Dann spielt jetzt die Demo von Agent 64

Ein Klon für alle Fälle.

Interessantes Projekt, dieses Agent64. Mit dem süffisanten Untertitel "Spies never die" legt Entwickler Replicant D6 ein Quasi-Goldeneye-Remaster hin, noch bevor Microsoft wie gemunkelt das Original zurückbringen kann.

Nur, um das klarzustellen: Das hier ist nicht die Sorte Hommage, wie sie Studios voller Retro-Fans wie Wayforward mit Shovel Knight mit viel modernem Fingerspitzengefühl und nur scheinbar alter Technik regelmäßig hervorbringen. Das hier ist das, was man landläufig eher einen Klon nennen würde. Das beginnt mit dem Blick über die Waffe, die man durch Ziehen des Triggers von der Sicht entkoppelt zielen darf. Es setzt sich fort in den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden fort, die eine Mission um zusätzliche Ziele erweitert und endet nicht bei der Kamerafahrt um den Agenten herum, wenn der Einsatz beginnt.

Sir, ich stehe hier drüben!

Auch die Gegner könnten ein eins zu eins aus Rares Klassiker kommen. Allein ihr Körperbau aus geschätzten zwanzig Polygonen, die Art, wie sie manchmal mit einer Rolle seitwärts zum Angriff übergehen und mit der Reaktionszeit einer altersschwachen Galapagos-Schildkröte auf die Bewegungen des Agenten reagieren. Das ist zu 100 Prozent authentisches N64-Shooter Gefühl.

Und, oh Gott, ich merke gerade, wie ich diese Liste endlos fortsetzen könnte. Viele Texturen – so könnte ich schwören – waren frappierend ähnlich auch schon im Bond-Spiel oder in Perfect Dark zu sehen. Das gilt auch für die flachen Lichtkacheln mit ihren verwaschenen Lens-Flares. Die Art, wie ein Fenster erst nach zwei oder drei Treffern aus der Pistole in große Scherben zerspringt. Oder wie der Charakter auf Beschuss mit einem seltsam verrauschten Hecheln reagiert. Und habe ich den Dithering-Filter schon erwähnt, durch den die Optik angemessen verwaschen daherkommt? Nicht so verwaschen, wie das Original, was im Grunde ein sehr kunstfertiger Kniff ist: Agent64 erzeugt so visuelle Authentizität, ohne das Auge oder die Spielwelt, die dieser virtuelle Dunstschleier verhängt, zu sehr zu beleidigen. Eigentlich ziemlich smart!

Ein Relikt aus der Zeit, in der man noch mit nur einem Stick an der Konsole shooterte: Mehr oder weniger freies Zielen mit Fadenkreuz, wenn man die linke Schultertaste hält. Man darf sich neuerdings sogar ein wenig dabei bewegen.

Ich bin ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher, ob das Spiel für sich genommen wirklich gut ist – findet das mithilfe der Agent64-Demo auf Steam mit mir zusammen heraus! –, aber ich bin gerade irgendwie dankbar für diesen frechen Blick zurück auf eines meiner alten Lieblingsspiele und empfand die Zeit mit der Demo als lohnend investiert.

Ich habe in der Vergangenheit kein Geheimnis daraus gemacht: Ich bedaure, dass nicht mehr Studios Goldeneyes Ansatz Fokus auf Wiederspielbarkeit und modulare Missionen kopiert haben. Ich bin nicht sicher, ob ich eine von oben bis unten abgepauste Neuauflage hiervon brauchte, eine Weiterentwicklung dieses Gedanken wäre mir lieber. Aber in Ermangelung neuer Perfect Dark Infos und eines echten Goldeneye Remakes ist das hier wohl besser als nichts, schätze ich.

Probiert’s aus und sagt mir, was ihr denkt.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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