Skip to main content
Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

King: 'Wir hätten Pac-Avoid niemals veröffentlichen sollen'

Der verantwortliche Entwickler nennt King weiter 'hinterlistig und heuchlerisch.'

Nachdem King vorgeworfen wurde, das Indie-Spiel Scamperghost kopiert zu haben und ein „Trademark Troll" zu sein, hat King-Chef Riccardo Zacconi nun einen offenen Brief veröffentlicht

„Die Details dieser Situation sind kompliziert, aber im Endeffekt hätten wir Pac-Avoid niemals veröffentlichen sollen. Wir haben das Spiel von unserer Seite entfernt und entschuldigen uns dafür, es überhaupt erst veröffentlicht zu haben", heißt es. „Lasst mich eines klar sagen: Diese unglückliche Situation ist eine Ausnahme. King kopiert keine Spiele und wir wollen auch nicht, dass jemand unsere Spiele kopiert."

Was die Markenrechte betrifft, sei Kings Verhalten laut Zacconi eine übliche Vorgehensweise: „Es ist nichts ungewöhnlich daran, ein gebräuchliches Wort für bestimmte Zwecke schützen zu lassen. Denkt nur mal an 'Time', 'Money', 'Fortune', 'Apple' und 'Sun', um nur ein paar zu nennen. Wir versuchen nicht, die weltweite Nutzung des Wortes 'Candy' zu kontrollieren, was wir auch gar nicht könnten. Wir wollen lediglich andere daran hindern, Spiele zu erstellen, die ungerechterweise von unserem Erfolg profitieren."

Erneut betont er auch, dass man Stoic keineswegs davon abhalten wolle, das Wort „Saga" für The Banner Saga zu verwenden, aber dennoch ist man der Ansicht, dass die Spieler das Wort eben aufgrund mehrerer Titel, die dieses Wort im Namen verwenden, mit dem eigenen Unternehmen verbinden. Bereits in der Vergangenheit habe man eine Reihe markenrechtlicher und urheberrechtlicher Probleme gehabt. Stoic nun zu erlauben, The Banner Saga als Marke zu registrieren, würde es anderen in Zukunft nur leichter machen, für eine Nutzung des Wortes „Saga" zu argumentieren.

Unterdessen hat Matt Porter - verantwortlich für die Entwicklung des Scamperghost-Klons Pac-Avoid - in einem Blogeintrag noch einmal genauer erklärt, wie das Ganze zustande kam.

„Während dieser Zeit [2009] war ich ein sehr aktives Mitglied von FlashGameLicense und hatte regelmäßig Kontakt zu Lars Jörnow, der damals Games Acquisition Manager bei King war", schreibt er. „Lars kontaktierte uns und fragte, ob wir an einem kleinen Job interessiert wären. Er sagte uns dann, dass sie mit einem anderen Entwickler an einem Sponsoring für das Spiel Scamperghost arbeiten und sie einen Rückzieher gemacht hätten."

„King war darüber nicht sehr erfreut, daher verlangte Lars von uns, dass wir das Spiel für sie kopieren. Ich hatte damals eine gute Beziehung zu King und war ziemlich verärgert darüber, dass jemand die Geschäftsbedingungen von FGL verletzten würde. Anfänglich dachte ich, dieser Job wäre etwas unmoralisch und grenzwertig, aber wir hatten schon zuvor mit King gearbeitet und sprachen regelmäßig miteinander. Außerdem stellte Lars diese anderen Entwickler als ziemlich unprofessionelle Idioten dar."

Man habe dann laut Porter verlangt, das Spiel aus Marketinggründen Pac-Avoid zu nennen. „Wir dachten, der Name wäre dämlich (weil er nicht gut klang und offensichtlich von Pac-Man geklaut war)." Letzten Endes einigte man sich noch, dass der Name Epic Shadow [das Entwicklerstudio] nicht im Spiel auftauchen wird.

Jedenfalls hatten die Macher von Scamperghost später genügend Beweise dafür, dass Epic Shadow damit beauftragt wurde, das Spiel zu kopieren. Nachdem man die Situation erklärt hatte, seien sie zwar immer noch nicht glücklich damit gewesen, aber man war sich einig, dass der eigentliche Schuldige King sei.

Kings jüngste Aussagen, wonach man sich Spiele auf dem Markt genau anschaut, bevor man selbst etwas entwickelt oder veröffentlicht, bezeichnet er als „bullshit." Abseits dessen, das „Spiel zu kopieren", habe man keinen Input oder weitere Anweisungen erhalten.

„Ich finde es armselig, dass ein Unternehmen wie King in dieser Situation, in der sie auf heuchlerische Art und Weise andere attackieren, die Schuld von sich weist", so Porter. „Sich gebräuchliche Wörter wie 'Candy' als Markenzeichen zu sichern, ist einfach lächerlich. Und Indie-Entwickler zu schikanieren, ist noch schlimmer. Das Unternehmen sitzt auf Milliarden von Dollar und jeder kennt bereits Candy Crush. Ich glaube nicht, dass sie sich Sorgen machen müssen, dass jemand ihre Ideen klaut. Besonders nicht im Hinblick auf ihre Zielgruppe."

„Aufgrund ihrer Antwort auf diese jüngsten Anschuldigungen weiß ich nun, dass das Unternehmen sowohl hinterlistig als auch heuchlerisch ist. Ich wurde beauftragt, Pac-Avoid zu machen, eine direkte Kopie von Scamperghost - und genau das tat ich. Warum King nun versucht, bezüglich dieser offensichtlichen und belegbaren Wahrheit zu lügen, weiß ich nicht. So wie ich es verstehe, hätten sie dabei eine Menge zu verlieren, aber die Wahrheit ist klar und sie graben ihr eigenes Loch nur noch tiefer mit ihren Lügen."

„Es tut mir leid, dass ich eine solch unmoralische Auftragsarbeit angenommen habe und ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt. Es ist eine Schande, dass King das nicht auch kann."

Über den Autor
Benjamin Jakobs Avatar

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.
Kommentare