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Lass mich endlich schießen, Du Idiot! - Kommentar

Wenn alles gesagt ist, sollte man nicht noch warten müssen, bis fertig gestikuliert wurde.

Es gibt eine Kleinigkeit, die mich so richtig bei manchen Spielen nervt. Es gibt dazu nicht so viel zu sagen. Eigentlich reicht ein Satz, um es zusammenzufassen: "Schieß doch einfach, Du beknackter, volldeppiger, labernder Komplettidiot!!1!"

Mit dieser Ansage ist natürlich der Held des Spiels gemeint, der - gerade zum Ende eines Games hin - sehr häufig die Angewohnheit hat, reden zu wollen. Ein schlauer Mann sagte mal, dass das man sich eigentlich nur vor guten Menschen wirklich fürchten muss, denn wenn die einmal zum Schluss kamen, dass geschossen werden muss, tun sie es einfach. Nur böse Menschen wollen sich noch an ihrem Sieg weiden und eine Runde reden. Was dem Guten dann in der Regel mehr als genug Zeit bietet, das Blatt zu drehen. Von wegen, "weil das Gute zu blöde ist.".

Oder ist es das doch? In Spielen scheint das der Fall zu sein. Ganz gute Beispiele dafür wären Deus Ex 3, Metal Gear Solid oder Max Payne 3. Insbesondere das Letzte. Es ist zum letzten Kapitel hin gut etabliert, wer das fiese Schwein ist, das sterben muss. Max will keine Leute verhaften, er will sie umbringen und angesichts der Taten der Bösen und der sprichwörtlich tausend sonstigen Leichen auf dem Weg, gibt es da auch kein großes moralisches Dilemma. Der Spieler will schießen und es hinter sich bringen. Der Held ist der Gute, der Böse muss in diesem Falle wirklich sterben, weil selbst verhaftet ihn ein korruptes System wieder laufen und weitermachen lassen würde. Alles bekannt, Lösung akzeptiert.

Aber statt ein letztes Mal abzudrücken, fangen Monologe an, es wird beleidigt und gestikuliert. Wozu? Warum? Weil es im Script stand? Liebe Entwickler, es ist schön, dass eure Spiele teilweise wie Filme aussehen, das ist super, aber in solchen Momenten muss das interaktive Element kommen. Wenn ich diesen Trigger drücke, dann muss die Szene einfach unterbrochen werden und ich schießen können. Oder aber ihr zeigt sie erst gar nicht - oder halt anders aufgebaut - wenn der Böse noch einmal entkommen muss. Alles andere hat nur zur Folge, dass ich vor Frust ins Pad beiße, weil der Held immer noch lieber eine Runde palavert, obwohl ich selbst schon lange keine Lust mehr dazu habe.

In diesem Moment werden Entwickler zu verkappten Regisseuren und wollen ihren Film zeigen. Sieht super aus, sind teilweise tolle Geschichten, alles schön. Aber wenn der Spieler sagt, dass es jetzt reicht und er Action sehen will, dann müsst ihr das akzeptieren oder die Szenen anders konzipieren. Zum Beispiel, indem man dem Spieler das Gefühl gibt, dass die Figuren noch etwas zu sagen haben. Dass es weiter geht, als dieser Shootout. Dann will ich vielleicht gar nicht mehr sofort abdrücken.

Aber haltet mir nicht den Bösen vor die Nase, gebt mir einen Grund und eine Waffe und sagt dann, dass ich ihm erst zuhören muss, damit er wieder entkommen kann. Mein Zorn richtet sich dann nicht gegen ihn. Sondern gegen das Spiel. Ist doch schade drum.

In diesem artikel

Max Payne 3

PS3, Xbox 360, PC

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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