Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Macht kurz Pause von Red Dead 2 und schaut euch den anderen Western-Hit des Jahres an

Alex im Ninja-Modus auf der neuen Hunt-Showdown-Karte, inklusive Easter-Egg.

Ich lehn' mich mal aus dem Fenster und sage euch, dass ihr vermutlich ein falsches Bild davon habt, was Hunt: Showdown eigentlich ist. Und das kann euch eigentlich keiner verübeln. Werbung gab es wenig, die Mundpropaganda ebbte wie bei vielen Early-Access-Spielen bald nach dem von Performance-Problemen geprägten Start wieder ab und wer nach Far Cry und Crysis hoffte, dass Crytek weiter primär Solo-Titel entwickeln würde, sieht sie hiermit eh im trüben Fahrwasser von PUBG und anderen Battle-Royale-Kandidaten verzweifelt nach den Usern fischen, die woanders bisher nicht anbissen.

Dabei hat das Spiel jede Sekunde Aufmerksamkeit verdient, die man ihm zuteilwerden lässt. Hunt ist weit ab davon, ein bemühtes "Ich-auch"-Produkt zu sein und hat sich in den vergangenen Monaten an die Spitzenposition unter meinen Lieblingsspielen des Jahres gejägert. Ein Multiplayer-Spiel mit derart viel Atmosphäre, weltenbildnerischen Ambitionen und derart erdig-brutal wirkenden Waffen bekommt man nicht alle Tage, eigentlich nie - das hier dürfte auch bei einigen Single-Player-Spielern Schnappreflexe auslösen und mit seinen cleveren PVE-Elementen, seiner Weitläufigkeit und seinem Raum für List und Überraschungstaktiken sogar Berührungsängste abbauen, wenn man eben nicht der absolute Held in Sachen Aiming und Reaktion ist. Aber dafür müsste man es sich erst einmal anschauen.

Deshalb jetzt einfach mal eine kommentierte Beispielpartie von mir, mit verschnupfter Nase und Louisiana-Sumpfkröte im Hals, aber immerhin. Musste ich durch, ihr jetzt auch. Ohnehin war die Gelegenheit günstig, denn das Spiel macht mit dem kommenden Update 3.0 - seit ein paar Tagen auf dem Test-Server - einen gewaltigen Satz Richtung Fertigstellung. Crytek wisch einige geläufige Kritikpunkte am Spiel aus der Welt. Nicht nur werden Content-Bedenken einiger Zweifler besänftigt - eine riesige neue Karte - und das Bewegungsmodell umfassend überarbeitet - weniger Sidestrafe-Spam in Schusswechseln. Das Looten von Waffen erlegter Gegner entschärft auch noch die unausgewogene und knausrige Spiel-Ökonomie und bedient gleichzeitig die aktuell so weit verbreitete Gier nach Beute. Dieser Patch hat es wirklich in sich. Doch seht selbst, Red Dead läuft euch nicht weg.

Wer nicht schauen kann oder mag, hier ein paar Worte zu den neuen Features: Die neue Map ist ein Prachtstück. Man hat definitiv das Gefühl, dass sie noch nicht ganz fertig ist, hier und da ist sie noch etwas karg und einige Texturen dürften nach Platzhalter sein, aber deshalb spielt sie wohl anders als die erste Karte nur bei Tag: Damit die User solche Dinge sehen und entsprechendes Feedback geben können. Das Gefühl im Lawson Delta ist ein entschieden anderes als das in der Hinterwäldler-Gemeinde von Stillwater, in der ich nach über 200 Stunden immer noch neue Winkel, Ein- und Ausgänge und Easter-Eggs entdecke.

Lawson sprühte wohl einst richtig vor Leben. Ein riesiges Fort sitzt westlich versetzt im Herzen der Map und bildet den Gegenpol zu einem gewaltigen Gefängnis mit Todestrakt auf der anderen Seite. Derart gewaltige und innen verschachtelte Bauten gab es in Stillwater nirgends. Schusswechsel in diesen Anlagen können ein spannender Albtraum werden, Kartenkenntnis noch unermesslich wichtiger. Passend dazu geht es auch mehr in die Höhe. Auf das Dach des Forts kann man unter anderem mit einer kurbelbetriebenen Seilbahn gelangen und hat von oben einen wunderbaren Blick auf das Umland. Überhaupt sind die Sichtlinien deutlich länger und dürften damit einigen bisher von der Spielergemeinde eher gemiedenen Waffengattungen zu neuer Beliebtheit verhelfen. Alles mit Zielfernrohr ist in Stillwater eher verpöhnt, in Lawson aber eine echte Alternative.

So viele Ecken, in denen eure Feinde sitzen können. Die neue Map ist zugleich weitläufiger und beklemmender als die alte. Kleines Kunststück.

Ansonsten gibt es ein Dorf mit nicht gerade kleiner Kirche, eine Fischerei, eine Ziegelei, eine Ledergerberei, eine Mühle - der Variantenreichtum ist eindeutig größer als auf der von Farmen dominierten alten Map - die lebte davon, dass jedes der Gebäude für sich einfach eine wunderbar designte kleine Festung war, in der es stets zu kämpfen Spaß machte. Und auch dort gab es mit Friedhöfen, einem Schlachthaus und einem Sägewerk durchaus Abwechslung. Hier ist aber noch mal mehr passiert. Auch ist das Land noch schwer vom amerikanischen Bürgerkrieg gekennzeichnet. Schützengräben, Bunker und Kanonen stehen noch überall herum. Es ist eine Wonne, diese Karte neu zu entdecken, auch wenn ich bisher noch nicht so recht eine Idee habe, wie zum Beispiel das Gefängnis zu verteidigen wäre, wenn es dort mal hart auf hart käme.

Und ja, die Spielfiguren unterliegen nun endlich einer authentischen Trägheit, was bedeutet, dass das unpassende Zickzackrennen, in das manche Kämpfe schon mal ausarteten, endlich vorüber ist. In 3.0 fühlen sich die Jäger gewichtig und einfach richtig an, ihre Bewegungen sind leichter vorherzusehen und Treffer somit besser zu platzieren. Das neue Waffen-Looten ist ebenfalls eine coole Ergänzung. Bisher machte es durchaus Sinn, dass der Spieler auf die Wahl seiner Werkzeuge festgelegt war. Angesichts der Munitionsknappheit und der großen Menge an verschiedenen Waffen, die mittlerweile angeboten werden, fügt dieses Feature dem Spiel aber eine faszinierende neue Ebene hinzu.

Das neue Gefängnis ist ebenso wie das frische Fort Dreh- und Angelpunkt packender Gefechte.

Seine leere Mosin Nagant im Notfall gegen eine schlechte Winfield tauschen zu müssen und dann noch den Kampf zu gewinnen ist zum Beispiel eine schöne Geschichte, die das Spiel nun erzählen kann. Auch regt es so dazu an, auch mal andere Waffen auszuprobieren und belohnt Spieler, die gewisse Schießprügel vielleicht noch gar nicht freigeschaltet haben, schon mal für den Abschuss eines deutlich höherrangigen Konkurrenten.

Ich kann jedenfalls kaum erwarten, dass dieser Patch in großem Stil unter die Leute kommt. Vielleicht sehen wir uns dann ja auch irgendwann in den Sümpfen! Ach und: Sollte das Video euer Interesse an Hunt: Showdown geweckt haben, schaut euch vielleicht mal unser Interview mit dem Lead Designer Dennis Schwarz an. Hunt: Showdown ist im Early Access für 29,99 Euro zu haben, die XBox-Fassung ist in Arbeit. Das nächste Gratiswochenende auf Steam kommt bestimmt. Wir halten euch auf dem Laufenden.


Entwickler/Publisher: Crytek - Erscheint für: PC/Xbox One - Geplante Veröffentlichung: PC Early Access erhältlich

Über den Autor

Alexander Bohn-Elias Avatar

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Kommentare