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Senua’s Saga: Hellblade II – Die Stimmen in eurem Kopf? Sie sind echt!

Dank binauralen Aufnahmen zeigt euch Hellblade erneut einen neuen Level akustischer Immersion.

Grafik ist alles, Sound passiert einfach. So muss man die Lage zusammenfassen, wenn man einen oberflächlichen Blick auf einen durchschnittlichen Gaming-PC wirft. CPU, Speicher und die in der Regel kostspielige Grafikkarte sind alle auf Visuelles ausgerichtet. Sound? Das Gaming-Headset wird es schon richten. Nun, hoffentlich habt ihr ein gutes von dieser Sorte, denn langsam, aber immer öfter beginnt das Sounddesign eine mindestens so große Rolle einzunehmen, wie es die Grafik tut. Das beste Beispiel dafür ist Hellblade und das kommende Senua’s Saga: Hellblade II. Und für das braucht ihr unbedingt das beste Headset, das ihr in die Finger bekommen könnt.

Senua’s Saga: Hellblade II

Eine besondere Eigenheit von Hellblade kommt dem entgegen, denn es gibt im ganzen Spiel keinen Schnitt, keine extra eingeblendete Zwischensequenz oder lange Ladebildschirme. Es ist ein Guss. Das ist für eine große Produktion eher ungewöhnlich, schaut man sich andere Action-Adventures an, aber hier ermöglicht das Spiel dem Spieler in die Welt der Protagonistin einzutauchen. Nicht durch Lore, Einblendungen oder Fundsachen, sondern schlicht dadurch, dass es keine Möglichkeit für einen Bruch gibt (solange man nicht Pause drückt). Was auf der optischen Seite eine Herausforderung an die Technik ist, konstant zu laden, ohne dass der Spieler es merkt, ist auf der akustischen Seite eine Chance eine ununterbrochene Welt der Töne zu schaffen.

Schon der erste Teil von Hellblade machte sich die Vorteile von binauraler Technik zunutze.Auf YouTube ansehen

Das allein wäre noch nicht so revolutionär, aber euch exakt in die Lage der Protagonistin Senua zu versetzen, wählte man eine Aufnahmetechnik, mit der schon seit ein paar Jahren experimentiert wird: Binaurale Aufnahme. Bis zurück in die 50er reicht die Idee, dass ein gutes Mikrofon ja eine feine Sache ist, aber eigentlich nichts damit zu tun hat, wie ein Mensch Akustik in einem Raum wahrnimmt. Wir haben nun einmal nicht nur zwei Ohren, sie sind auf den gegenüberliegenden Seiten eines unverrückbaren Objektes dazwischen, dem Schädel. In diesem werden die akustischen Impulse zusammengesetzt, die auf beiden Seiten unterschiedlich ankommen. Es geht dabei nicht um Stereo, dass manche Effekte, Stimmen oder Instrumente in der Lautstärke oder ganzen Existenz von links nach rechts variieren oder auch wandern können, sondern eine ganzheitliche Erfassung des Klangbilds unter Einbeziehung des ganzen Klangraumes. Darum, so zu hören, wie man als Mensch hört.

(Video Ana)

Dazu werden zwei Mikrofone an einen künstlichen, lebensgroßen Kopf – oder irgendein Objekt, dass diese Rolle einnehmen kann – montiert und dann platziert oder bewegt, wenn sich der Hörer bewegen soll. In der Musik geht es vor allem darum, die Klangeigenschaften bestimmter Konzerthäuser einzufangen, die oft ja auch nicht nur für Schönheit, sondern für einen besonderen Raumklang konzipiert sind – siehe jahrelange wissenschaftliche Arbeit bei der Elbphilharmonie. Aber auch Natur hat einen besonderen Raumklang und mit den eigenen Ohren durch einen Dschungel zu laufen klingt anders als der Sound eines normalen Mikrofons, das dort durchgetragen wird. Es geht beim binauralen Audio nicht nur um die akustisch perfekte Aufzeichnung, sondern darum, wie Ohren und Kopf zusammenarbeiten.

Senua’s Saga: Hellblade II

Die Sache hat einen kleinen Nachteil: Selbst mit einem ausgezeichneten 11.1 Dolby Atmos System wird Hellblade zwar fantastisch klingen, aber nicht so, wie es eigentlich gedacht ist. Das ist auch der Grund, warum es so gut wie keinen normalen Film gibt, der binaurales Audio nutzt, weil es eigentlich nur mit einem Kopfhörer wirklich funktioniert. Auch das beste Soundsystem muss mit dem akustischen Raum leben, in dem es abgespielt wird, und wird seine Eigenschaften mit annehmen. Geht nicht anders und ist in der Regel auch kein großes Problem für unsere Gewohnheiten beim Medienkonsum. Für Hellblades Absichten aber ist es am besten, sich das Headset aufzusetzen, denn nur so kann die Welt in Senuas Kopf und die um sie herum untrennbar sein.

Was ist binauraler Sound (Audible UK)Auf YouTube ansehen

Vieles in Hellblade und Senua’s Saga: Hellblade II dreht sich darum, was wirklich ist, was sie nur glaubt zu hören und was sie wirklich hört. Die konsequent umgesetzten binauralen Aufnahmen des ersten Hellblade brachten diese Art der Aufnahme auf ein neues Level. Ihr fragt euch beim Hören ständig, was ihr wirklich hört, woher es kommt und ob die Stimmen langsam nicht in eurem Kopf sind, denn genau darum geht es ja: Am Ende soll dann euer Kopf dort sein, wo zuvor der Dummy bei den Mikrofonen saß. Nicht als Mikrofon in der ersten Reihe, sondern im Kopf des Zuhörers in der ersten Reihe. Ihr seid in Senuas Kopf und müsst wie sie interpretieren, was hier passiert. Dass das Spiel die Verschiebung zwischen Wahn und Wirklichkeit als Thema hat, eröffnet dafür natürlich alle Möglichkeiten, mit der Akustik zu spielen und euch auf eine Art einzubeziehen, wie es in dieser Konsequenz kein Spiel zuvor tat.

Da diese Art der Aufnahme natürlich nicht einfach ist, wenn man keine statische Aufnahme machen möchte, sondern eine Protagonistin hat, die sich durch eine unwirkliche, mystische Welt bewegt, ist es auch heute Jahre nach dem ersten Hellblade immer noch ein absolutes Highlight. Senua’s Saga: Hellblade II wird erneut einen Level der Immersion bieten, den Grafik allein nicht erreichen kann, den auch das beste Atmos-System nicht exakt wiedergibt und der euch direkt in den Kopf von Senua befördert. Setzt die Kopfhörer auf und taucht nicht nur ein in diesen Klang, sondern lasst ihn bis in euren Kopf. Näher heran geht nicht.