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Strike Suit Zero - Auf den Spuren von Wing Commander und Co.

Warum sich Fans des Genres bereits auf den Januar freuen können.

Die wirklich guten Tage für Fans der Space-Sims beziehungsweise Space-Combat-Spiele sind schon lange vorbei. Immer mal wieder verirrte sich ein entsprechendes Produkt auf den Markt - mal gut, mal weniger -, aber von einem Höhenflug wie zu Zeiten von Wing Commander, X-Wing, Freespace und Co. ist man weit entfernt. Umso erfreulicher ist natürlich die Tatsache, dass etwa Chris Roberts' Crowdfunding-Kampagne zu Star Citizen in diesem Jahr so überaus erfolgreich war. Steht uns also ein echtes Revival des Genres bevor? Nun, von Born Ready Games und ihrem Projekt Strike Suit Zero kann man zumindest behaupten, dass sie alles versuchen, damit genau das passiert.

Und obwohl auch Strike Suit Zero Kickstarter nutzte, ist es doch kein reines Kickstarter-Projekt. Den überwiegenden Teil der Entwicklung hat das kleine Team selbst finanziert, am Ende brauchte es nur noch etwas Geld, um dem Spiel das nötige Feintuning vor der Veröffentlichung zu gewähren.

Von Klassikern inspiriert

Und profitiert hat man hier dann nicht nur von den weiteren finanziellen Mitteln, wie Born Ready Games' Community Manager Benjamin Smith gegenüber Eurogamer.de erklärt: „Es stimmt sicherlich, dass das Spiel dank Kickstarter deutlich bekannter wurde. Besonders Space-Combat-Fans scheinen auf der Crowdfunding-Seite eine nette kleine Community gebildet zu haben. Teilweise liegt das daran, dass so wenige Spiele die Nachfrage in diesem Genre befriedigen und die Fans freuen sich, das aktiv unterstützen zu können, wenn sie die Chance dazu haben.“

Die unglaubliche Resonanz auf das Spiel zeigte uns, dass wir etwas richtig machen und das hat dem Studio wirklich Auftrieb gegeben.

Im All ist eine Menge los.

„Ich glaube aber nicht, dass sich die Erwartungen der Leute verändert haben“, so Smith weiter. „Für uns war es der Beweis, dass wir etwas richtig machen. Vor der Kickstarter-Kampagne war sich das Studio nicht sicher, wie die Reaktionen auf das Spiel aussehen würden. Würde man den Mech gut aufnehmen? Würde der Grafikstil angenommen werden? Gibt es heutzutage überhaupt das Verlangen nach mehr Space-Combat-Spielen? Die unglaubliche Resonanz auf das Spiel zeigte uns, dass wir etwas richtig machen und das hat dem Studio wirklich Auftrieb gegeben. Während der Entwicklung eines Spiels gibt es immer Druck, aber Kickstarter hat uns mehr Selbstvertrauen gegeben und wir können es kaum erwarten, bis die Fans das Spiel in ihre Hände bekommen.“

Ohne Frage könnte man Strike Suit Zero sicherlich als ein Space-Combat-Spiel der alten Schule bezeichnen, laut Smith hat man sich unter anderem von Spielen wie „Freespace, Freelancer oder X-Wing vs. Tie Fighter“ inspirieren lassen, aber ebenso auch von Relics Strategiespiel Homeworld. „Doch in puncto Design war vermutlich Wing Commander die dominierende Kraft“, fügt er hinzu.

Tatsächlich schafft es Strike Suit Zero von der ersten Sekunde an, bei mir etwas von diesem Wing-Commander-Feeling wiederzuerwecken. Es ist bei Weitem keine Simulation, in der der Weltraum realitätsgetreu simuliert wird und Schiffe etwa beim Wenden noch ein wenig in ihre vorherige Flugrichtung driften, sondern vielmehr direkt und schnell - eben wie Wing Commander und vergleichbare Titel damals. „Auf diesem schmalen Grat zwischen Sim und Arcade zu wandern, ist immer schwierig. Und obwohl wir uns vermutlich mehr auf der Arcade-Seite bewegen, war es uns doch immer wichtig, sicherzustellen, dass das Spiel genügend Tiefe bietet. Mit der Strike-Suit-Funktion, den anpassbaren Waffen-Loudouts und der intelligenten Gegner-KI sind wir zuversichtlich, genau das bieten zu können“, sagt Smith.

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Mechs und Design-Hilfe aus Japan

Die namensgebende Strike Suit ist durch Mechs inspiriert worden und repräsentiert diese dementsprechend dann auch in ihrem Aussehen. Es ist ein spezieller Kampfmodus, in den ihr auf Knopfdruck (sofern ihr mit der Strike Suit fliegt) wechselt und in dem ihr mehr oder weniger elegant durch das All schwebt, also keine Kurven wie in einem normalen Jäger beziehungsweise der standardmäßigen Form der Strike Suit fliegen müsst und so manövrierfähiger seid. Außerdem seid ihr in der Form unglaublich schlagkräftig, könnt feindliche Jäger in eurer Nähe blitzschnell auseinandernehmen. Um aber zu vermeiden, dass Spieler nur die Strike-Suit-Funktion zu nutzen, gibt es natürlich gewisse Einschränkungen. Ihr müsst nämlich erst Energie (Flux) dafür gewinnen, um in diese Form wechseln zu können - dafür zerstört ihr einfach feindliche Schiffe.

Es ist dieses besondere Etwas, das das Spiel von vergleichbaren Titeln abhebt und zugleich auch eine nicht zu unterschätzende taktische Komponente. Es kann zum Beispiel nie schaden, sich etwas Energie für einen etwaigen härteren Gegner aufzusparen, anstatt immer gleich alles zu verbrauchen. Auch ist es einfacher, in diesem Modus anfliegenden Raketen auszuweichen. Es kommt stets auf das richtige Timing an, um aus einer Situation das Bestmögliche herauszuholen.

„Bevor wir mit der Entwicklung begannen, schauten wir uns ältere Space-Combat-Titel an und stellten dabei ein Problem fest, das wir 'jousting' nennen. Dabei verfolgt man immer einen Gegner und versucht, sich hinter ihn zu setzen. Die Strike Suit ist die direkte Antwort darauf und verändert wirklich das grundlegende Dogfight-Erlebnis. Wir holten dann Junji [Okubo, der auch an den Designs für Steel Battalion oder Appleseed gearbeitet hat] mit an Bord, um die Strike Suit zu gestalten - wie auch die anderen Schiffe im Spiel. Für einen japanischen Designer verfolgt Junji einen sehr westlichen Ansatz für das mechanische Design, was perfekt zu dem Universum passt, das wir hier zum Leben erwecken.“

Wie schon kurz angedeutet, ist die Strike Suit aber nicht das einzige Fluggerät. Ihr könnt auch einfach einen normalen Jäger oder Abfangjäger nehmen, wenn euch der Sinn danach steht - dann müsst ihr aber auch auf die Möglichkeit zur Transformation verzichten. Vor jeder Mission könnt ihr außerdem die Bewaffnung individuell auswählen, ihr schaltet mit der Zeit neue Waffen frei und ebenso Aufrüstungen für das jeweilige Fluggerät.

Die Strike Suit ist nicht das einzige Fluggerät. Ihr könnt auch einen normalen Jäger oder Abfangjäger nehmen

Düsteres, langweiliges All? Fehlanzeige.

Was die Story anbelangt, dreht sich alles um die Erde und ihre Kolonien, die wiederum nach Unabhängigkeit streben. Irgendwann kommt es fast schon erwartungsgemäß zu Reibereien und es droht ein Krieg, der sich langsam aber sicher ausbreitet, während ihr gerade in den aktiven Dienst zurückkehrt und ein paar Übungsrunden absolviert. Nach ersten Feindkontakten werdet ihr schon bald mitten in diesen Konflikt hineingezogen und müsst die Erde gegen eine gewaltige Flotte verteidigen, die sich auf dem Weg in Richtung eurer Heimat befindet. Man verspricht sogar verschiedene Enden, je nachdem, wie viele und welche Nebenaufgaben ihr in den einzelnen Missionen der Kampagne erledigt.

Rasante Dogfights

Im Grunde bietet das Spiel dabei alles, was man von diesem Genre erwartet. Schnelle, direkte Dogfights sind ebenso an der Tagesordnung wie größere Schlachten mit Großkampfschiffen, deren Raketen, Geschosse und Energiestrahlen wild durch das alles andere als düstere und schwarze, sondern eher farbenfrohe All huschen. Besagte Großkampfschiffe lassen sich übrigens Stück für Stück auseinandernehmen, indem ihr ihre Geschütze oder Schwachstellen gezielt unter Beschuss nehmt. Die KI macht es euch dabei jedoch nicht einfach. Sie versucht ständig, euch zu überrumpeln, hinter euch zu gelangen und euch etwa eine Rakete ins Heck zu jagen. Gleichermaßen müsst ihr darauf achten, nicht schon eure gesamte Munition zu verballern. Raketen oder Geschosse bestimmter Waffensysteme stehen nur in begrenzter Menge zur Verfügung, während die standardmäßigen Plasmakanonen an eurem Energievorrat zehren, der, sofern ihr zu viel ballert oder alle Kanonen auf einmal feuern lasst, schnell bei Null angelangt und erst einmal regenerieren muss.

Untermalt wird das alles von einem stimmungsvollen und tollen Soundtrack von Homeworld-Komponist Paul Ruskay. Also hat man sich nicht nur von Homeworld inspirieren lassen, sondern gleich auch noch den für die Musik Hauptverantwortlichen des Klassikers mit an Bord geholt. Wie wäre es dann vielleicht in Zukunft mit einem Homeworld-ähnlichen Spiel? „Unsere Grafik und der Sound - und dadurch auch die Klänge und die Atmosphäre - wurden allesamt durch Homeworld beeinflusst, wir sind große Fans der Serie. Das Strike-Suit-Universum und die Geschichte würden sich sicherlich gut für Homeworld-artige Spielmechaniken eignen, aber derzeit ist nichts dergleichen absehbar“, sagt Smith.

Erst einmal geht es natürlich darum, Strike Suit Zero fertigzustellen und daraus einen Erfolg zu machen. Zuversichtlich ist man jedenfalls, wie Smith erklärt: „Derzeit sind wir in der geschlossenen Beta und die Reaktionen auf das Spiel waren überwiegend positiv. Natürlich gibt es noch viel Arbeit in puncto Balancing und Tweaking zu erledigen, aber das ist der Sinn einer Beta. Außerdem hoffen wir natürlich, dass sich die Kritiker mit dem Spiel anfreunden können. Es ist ein Genre, das lange Zeit geruht hat und ich denke, jeder Spieler - ob er nun Journalist ist oder nicht - wird Spaß daran haben, sich wieder ins Cockpit eines Raumjägers setzen zu können. Es ist allerdings schwieriger, über Verkaufszahlen zu sprechen. Das gute Abschneiden der Kickstarter-Kampagne ist aber mit Sicherheit ein gutes Zeichen.“

Bei den größeren Schiffen könnt ihr auch einzelne Teile unter Beschuss nehmen.

Auch andere Kickstarter-Projekte wie Chris Roberts' Star Citizen könnten dabei helfen, wieder mehr Aufmerksamkeit auf das Genre und auf Strike Suit Zero zu lenken.

„Dank der Spiele, die du erwähnt hast [Star Citizen, Elite], feiert das Space-Combat-Genre gerade seine Renaissance. Das Genre hat wieder Aufmerksamkeit bekommen und die früheren Fans der 90er Jahre werden damit auch wieder hinter dem Ofen hervorgelockt. Natürlich gab es seitdem auch Space-Combat-Spiele, aber wir befinden uns definitiv inmitten einer großen Wiederkehr. Da wir das erste Spiel dieser drei Titel sind, das erscheint (am 24. Januar), ist es wahrscheinlich, dass wir von all diesen Space-Combat-Fans profitieren werden, die wieder heiß darauf sind. Das Timing ist sicherlich großartig für uns, aber es ist auch einfach eine tolle Zeit, um Fan des Genres zu sein.“

Zuerst wird Strike Suit Zero für den PC erscheinen. „Da sich die Space-Combat-Zielgruppe vornehmlich auf dem PC aufhält, machte es für uns Sinn, uns erst einmal darauf zu konzentrieren“, sagt er. Aber: „Wir haben schon immer geplant, das Spiel auf die Konsolen zu bringen. Derzeit haben wir keine konkreten Terminangaben für die Konsolen, aber wir haben immer sichergestellt, dass das Spiel auch mit Gamepads funktioniert.“ Davon abgesehen unterstützt man auf dem PC aber wenig überraschend auch die Kombi aus Maus und Tastatur. Und selbst mein alter Sidewinder-Joystick funktioniert noch einwandfrei damit.

Was die Zukunft anbelangt, ist man bei Born Ready Games auch nicht abgeneigt, zum Beispiel von Beginn an auf Kickstarter zu setzen: „Es ist sicherlich etwas, was wir in Betracht ziehen würden. Obwohl wir Kickstarter nutzten, um Strike Suit Zero fertigzustellen (die finanziellen Mittel gingen uns aus), sind doch die Vorzüge im Hinblick auf die Mobilisierung der Community und die Etablierung des 'Strike Suit Zero'-Namens einmalig. Sich komplett selbst zu finanzieren - oder noch wichtiger, als Indie-Entwickler das Crowdfunding zu ignorieren - ist im heutigen Geschäftsklima nicht unbedingt eine gute Sache. Es ist eine interessante Plattform und wir werden mit Interesse verfolgen, wie es sich in den kommenden Jahren entwickelt.“

Strike Suit Zero ist für mich als alter Wing-Commander-Fan ein echter Geheimtipp zum Start ins neue Jahr. Die Preview-Version, die ich spielen konnte, überzeugt durch ihr unkompliziertes und direktes Gameplay, spannende wie auch fordernde Kämpfe und eine für ein Indie-Projekt sehr respektable und zugleich sehr farbenfrohe Grafik - von einem tristen und düsteren All kann da keine Rede sein. Hier und da gibt es zwar noch das eine andere Problemchen - zum Beispiel wurde ich in einem Jäger immer wieder mal unsichtbar, wie auch andere Schiffe -, aber ich bin zuversichtlich, dass man das bis zur Veröffentlichung gelöst hat. Gegen ein Revival des Genres hätte ich jedenfalls absolut nichts einzuwenden. Und es sieht so aus, als könnte Strike Suit Zero ein guter Auftakt dazu werden.

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