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Test zu Valkyrie Profile: Lenneth – Ich spiele es mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Rundentimingtaktik

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Hinter der schwach modernisierten Neuauflage verstecken sich nach wie vor einzigartige Rundentaktik und ein sehr stimmungsvoller Soundtrack.

Ach, Square Enix! War es denn wirklich unmöglich, auch PC-Besitzer in den Genuss dieser Neuauflage zu bringen? Die gehen nämlich leer aus, obwohl Valkyrie Profile: Lenneth LINK seit einigen Tagen für PlayStation 5 und 4 erhältlich ist – für Besitzer der Digital Deluxe Edition sogar kostenlos. Dabei kann man den ersten Teil der Liebhaber-Serie schon seit langem selbst auf Smartphones spielen und wie gerne hätte ich das auch auf dem Steam Deck getan.

Als “Liebhaber-Serie” bezeichne ich sie übrigens deshalb, weil das vor gut 20 Jahren und nie in Europa auf PlayStation veröffentlichte Valkyrie Profile zwar auf PS2 noch fortgesetzt, dann aber unter verschiedenen Namen nur in relativ entfernt verwandten Ablegern am Leben gehalten wurde. Allzu gewaltig scheint die Anzahl seiner Fans also nicht zu sein.

Was umso bedauerlicher ist, da das Rollenspiel japanischer Bauart bis heute nichts von seinem Schwung verloren hat. Denn während die Erzählung von der Melancholie einer von Kriegen zerfurchten Welt getragen wird, kämpft man in einer timingbasierten Rundentaktik, die ich nach wie vor zu meinen Lieblingen zähle. Und die von einigen der schwungvollsten Musikstücke ihrer Art begleitet wird.

Mitunter liest man recht viele Textfenster. Immerhin erfährt man so wenigstens, wer die Mitstreiter eigentlich sind und was ihnen widerfahren ist.

Dabei kenne ich das Original nicht einmal. Erst die PSP-Umsetzung mit dem Untertitel Lenneth hat mich auf die Serie aufmerksam gemacht. Ganz recht: Die aktuelle Neuauflage ist die Umsetzung einer Umsetzung, bei der schon damals allerdings nur wenig verändert wurde. Ein paar Comic-Sequenzen wurden durch Renderfilme ersetzt und das Format auf Breitbild umgestellt, das war’s im Wesentlichen aber schon.

Kombos auf Zeit

Falls ihr heute ebenfalls neu dabei seid: Als titelgebende Walküre sucht man Begleiter für ihre maximal vierköpfige Party. Warum? Weil sie die Kriegerinnen und Kämpfer zu Helden zu entwickeln soll, um sie irgendwann nach Walhalla zu schicken. Dort sucht Odin dringend Seelen, die im bevorstehenden Ragnarök an seiner Seite stehen.

Eine Weltreise anno 1999.

Auf einer Weltkarte, die zu jener Zeit entstand, als Dreiecke gerade lernten sich zu dreidimensionalen Tapeten zusammenzutun, fliegt man dafür Orte an, an denen Lenneth den Tod solcher potentiellen Mitstreiter kommen sieht. Dort angekommen, sucht sie einen Weg über mal mehr, mal weniger verschachtelte Plattform-Level und bekämpft mit ihrer bereits vorhandenen Gruppe die Kreaturen, die ihr dort im Weg stehen.

Im Gefecht steht ihr Quartett dann ganz normal auf der rechten Seite, die Gegner auf der linken, und drückt man Viereck, Dreieck, Kreis oder Kreuz, führt der damit assoziierte Charakter seinen Angriff aus. Weil jede Attacke ihre eigene Vorlaufzeit hat, sollte man die Knopfdrücke dabei so timen, die Hiebe und Schläge halbwegs gleichzeitig ihr Ziel treffen. Das richtet tendenziell mehr Schaden an und füllt eine Komboleiste, die irgendwann mächtige Spezialangriffe ermöglicht.

Je mehr Schläge die Gruppe kurz aufeinander landet, desto mehr Schaden richtet man tendenziell an, da sich die Gegner nach dem ersten Treffer nicht mehr wehren können.

Es gibt noch ein paar weitere Kniffe, aber der Punkt ist eben, dass sich dieser grundsätzlich einfache Zusammenbau guter Timing-Kombos unheimlich gut anfühlt. Und selbstverständlich kann man auch tief in dieses System hinabtauchen, wenn man Gegner etwa erst in die Luft befördern will, um sie dort abzuschießen, oder pro Runde mehrere Attacken ausführen will.

An der Charakterentwicklung gefällt mir hingegen, dass zwar alle Figuren dieselben Grundeigenschaften besitzen, zusätzlich aber auch eine Reihe individueller Eigenheiten haben, die sich teils positiv, teils negativ auf ihren Heldenstatus auswirken. Die muss man ebenfalls steigern, wenn sie im Showdown eine echte Hilfe sein sollen. Ein interessanter Aspekt ist nicht zuletzt, dass man gesammelte Erfahrungspunkte frei auf alle aktuellen Mitstreiter verteilt, um ihre Entwicklung je nach Bedarf unterschiedlich stark zu fördern.

Was genau die Fähigkeiten bedeuten, erklärt auch die aktuelle Ausgabe des Spiels nicht.

Das Einzige, was ich nach wie vor nur an gerade dieser Stelle vermisse, sind Erklärungen, in denen beschreiben wird, was allgemeine Charakterwerte wie Tactics, Leadership und so weiter bedeuten beziehungsweise was eine Steigerung jeweils bewirkt. Was steht zum Beispiel dahinter, dass es gleich mehrere gibt, welche die Intelligenz steigern? Und ja: In Lenneth wird nach wie vor ausschließlich Englisch gesprochen.

Nerver touch a running game?

Ohnehin wurde die Neuauflage gegenüber dem PSP-Original nur behutsam modernisiert. So gibt es jetzt eine Funktion, über die man in 28 festen Schritten etwa zwei Minuten in der Zeit zurückgehen kann. Außerdem wählt man zwischen drei Stufen der Verpixelung: der ursprünglichen Auflösung, einer mit Scanlines sowie der dritten Variante, die an aktuelle Pixelspiele erinnert. Abgesehen davon kann man unabhängig vom eigentlichen Spiel jederzeit speichern.

Mit Kristallen baut sich Lenneth beim Plattform-Erkunden unter anderem Wege zu versteckten Kisten.

Man darf allerdings nicht einmal den Bildausschnitt verkleinern, damit die Pixel auf großen Fernsehern nicht ganz so grob wirken. Und schon gar nicht wurden die Filmsequenzen überarbeitet, weshalb sie weiterhin mit einer relativ niedrigen Bildrate laufen. Besonders schade ist zudem, dass nicht einmal die nach heutigen Maßstäben umständliche Verknüpfung einiger Tasten entfernt wurde. Ich würde nämlich gerne mit der Kreuztaste springen. Das funktioniert hier aber nur, so lange man in den Menüs damit einen Schritt zurückgeht und die Kreistaste als Bestätigung nutzt.

Test zu Valkyrie Profile: Lenneth – Fazit

Eine besonders aufwändige Aufbereitung ist es also nicht, weshalb mich die Neuveröffentlichung nicht gerade im Kreis springen lässt. Zumal man in Anbetracht der aus heutiger Sicht eher überschaubaren, aber trotzdem teils langwierigen Dialogfenster-Erzählung gelegentlich beide Augen zudrücken muss. Das tolle Kampfsystem mit seinem schwungvollen Soundtrack sowie die alles durchströmende Melancholie gehen für mich aber auch heute noch auf, weshalb ich mal wieder mehr Zeit mit dieser Walküre verbracht habe, als für diesen Text notwendig gewesen wäre. Wer Valkyrie Profile noch nicht kennt und sich für flotte Rundentaktik mit einem Hauch Echtzeit-Timing erwärmen kann, dem lege ich Valkyrie Profile: Lenneth deshalb wärmstens ans Herz. Wenn es das Ganze doch nur auf Steam gäbe!

Valkyrie Profile: Lenneth – Wertung: 7/10

Pro und Contra

Pros:

  • Motivierendes Timing-Element in rundentaktischen Gefechten
  • Freie Charakerentwicklung, die auch Persönlichkeitsmerkmale umfasst
  • Schwungvoller ikonischer Soundtrack
  • Stimmungsvolle, melancholische Erzählung

Contras

  • Mitunter ermüdend lange Textfenster-Erzählung
  • Zusätzliche Hilfetexte hätten dem Spielerlebnis gutgetan
  • Schwache moderne Aufbereitung abseits Rückspulfunktion und jederzeit möglichem Speichern

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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