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Valkyrie Elysium – Test: Ich mag es wirklich sehr, aber puh... hat das ein paar fiese Kanten!

Hier zu viel, dort zu wenig des Guten

Unterhaltsame taktische Kämpfe und ein stimmungsvolles Szenario werden von fehlender Übersicht und langweiligen Schauplätzen torpediert.

Eine Wiese mit weißen Blüten, wolkenbehangener Himmel und ruhiger Gesang, der auf eine Harfe einstimmt: Schon, wenn im Hauptmenü die Titelmelodie erklingt, versinke ich in Valkyrie Elysium, weil die Serie für mich auch immer über den wehmütigen Stil funktioniert hat. Wobei ich mit Serie natürlich den Hauptteil meine, Valkyrie Profile. An den schließt der aktuelle Ableger nämlich an, wenn auch mit anderen spielerischen Mitteln als die der Originale.

Dabei ist es einmal mehr Allvater Odin, der eine seiner Walküren auf die Erde schickt, um den Weltuntergang zu verhindern. Genauer gesagt muss sie Krieger und Kriegerinnen finden, die zunächst an ihrer und später Odins Seite kämpfen. Klingt schnell erledigt, wird allerdings dadurch kompliziert, dass es sich bei diesen Einherjar nicht um herkömmliche Gefährten handelt, die sich der Partie anschließen, nachdem man ihnen einen Gefallen getan hat. Vielmehr treten die Einherjar zunächst als Bosse der Levels auf, die man nach ihnen durchsucht.

Technisch reißt Valkyrie Elysium keine Bäume aus, die Schauplätze sind aber stimmungsvoll, wozu auch der Soundtrack von Motoi Sakuraba beiträgt.

Wobei „durchsuchen“ zu weit gegriffen ist, da man in den praktisch menschenleeren Kulissen ohnehin nur den einzigen verfügbaren Weg nehmen kann. In Ruinen oder versteckten Ecken findet man zwar Kisten mit wertvollen Ressourcen oder Heiltränken, das war’s aber auch schon. Falls ihr die Demo gespielt habt: Dieses erste Level ist das einzige, in dem man sich relativ frei umschauen darf. Später wurden, an einigen Stellen jedenfalls, selbst wichtige Sammelobjekte dermaßen dicht hintereinander platziert, dass es sogar nerven kann, sie alle aufzulesen.

Na, sei’s drum. Valkyrie Elysium betont als Action-Rollenspiel eben die Action und die geht erfreulich flott von der Hand. Einen Kombo-Slasher der Marke Devil May Cry darf man natürlich nicht erwarten, aber beim Aneinanderreihen verschiedener Angriffe wirbelt die Walküre elegant umher, während der gut getimte Ausweichschritt mit einer Zeitlupe und der rechtzeitige Block mit einem Konter belohnt werden. Verstärkt wird das alles von farbenfrohen Elementareffekten, deren schillerndes Lichtspiel ich auch nach 20 Stunden noch genieße.

Mit diesem Wirbeln ist es aber nicht getan, denn zum einen beherrscht die Walküre auch das Zaubern und zum anderen kann sie bereits ihrer Partie angehörige Einherjar herbeirufen, die dann eigenständig attackieren und zaubern. Jeder Mitstreiter richtet dabei einen ganz bestimmten Elementarschaden an.

Wer die Demo gespielt hat, dürfte sich übrigens darüber freuen, dass der Spielstand von der Vollversion übernommen wird.

Und da liegt auch die große Stärke dieses Abenteuers, denn erst gemeinsam mit ihren Begleitern teilt die Walküre effektiv aus. Wobei ich halbwegs erfahrenen Spielern übrigens den höchsten Schwierigkeitsgrad empfehle – nicht nur, damit sie ihre taktischen Mittel auch nutzen müssen, sondern weil Valkyrie Elysium ganz allgemein keine allzu große Herausforderung darstellt.

Nun kann man sich auch durch die Wahl der Waffe einen Vorteil verschaffen, weil verschiedene Gegner für dieses oder jenes Kriegsgerät besonders anfällig sind. Das allein reicht aber nicht, um gegen die zahlreichen und noch dazu oft in mehreren Wellen attackierenden Gegner zu bestehen. Also ruft man mindestens einen Einherjar herbei, für dessen Element einige der aktuellen Kreaturen anfällig sind. Das ist schon deshalb wichtig, weil die Walküre den Elementarschaden des zuletzt gerufenen Mitstreiters übernimmt. Man kann die Begleiter außerdem so konfigurieren, dass bei bestimmten Aktionen (gelungener Ausweichschritt, Zerschlagen des eigenen Blocks, das Landen schneller Angriffsketten und mehr) ein bestimmter Einherjar automatisch dem Kampf beitritt.

Es gibt noch weitere miteinander verknüpfe Systeme, darunter die Tatsache, dass Feinde nach dem Bearbeiten mit einem für sie schwachen Elementarschaden in eine Starre verfallen, während der man sie sogar in einen noch tieferen Ruhezustand versetzen kann. Auf jeden Fall macht dieses Wirbeln und Zaubern sowie das ständige Kombinieren verdammt viel Spaß! Auch, weil es eben mit schicken Effekten belohnt wird.

Ein blödes Ärgernis sind übrigens auch die Einherjar, die sich beim freien Erkunden mit der Walküre unterhalten. Dummerweise werden dabei die immer gleichen Gespräche ständig wiederholt.

An der Stelle fangen allerdings auch teils große Probleme an, die mich selbst als Freund dieser Action mächtig ärgern. Da ist zum einen nämlich eine Kamera, die ganz oft irgendwas anzeigt, aber nicht die Walküre, oder die so nah an sie heranfährt, dass man kaum noch erkennt, was um einen herum passiert. Da sind außerdem jene coolen Magieeffekte, die spätestens beim Bereichsschaden eines bestimmten Einherjar aber dermaßen überwältigend einschlagen, dass man nichts anderes mehr wahrnimmt. Ich rufe Taika sehr gerne herbei. Aber wenn sie erst mal drauflos zaubert, geht die Übersicht häufig den Bach runter. Wobei ich es immerhin angenehm finde, dass die Walküre ihre Mitstreiter überhaupt beim Namen nennt.

Ein ganz anderes Problem sind die erwähnten Einbahnstraßen-Levels, welche man aber nicht ignorieren kann, weil dort auch fast alle optionalen Quests stattfinden. Die kann und sollte man jedenfalls erledigen, weil man als Belohnung unter anderem neue Zaubersprüche erhält. Manchmal gibt es auch zusätzliche Angriffe für die Einherjar, die man ihnen anschließend zuweisen kann. So könnte man die einen auf Bereichsschaden und die anderen auf gezielte Attacken spezialisieren.

Lasst mich gerne wissen, was hier gerade passiert.

Nicht zuletzt lohnen sich die Nebenmissionen schon deshalb, weil man ja immer auch Ressourcen sammelt, die die Walküre für ihre Charakterentwicklung benötigt. Die ist zwar so geradlinig, dass man sie nicht auf individuelle Art spezialisieren kann, aber gerade motivierend genug, damit sich das ständige Kistenöffnen gut anfühlt. Es ist hier also wie im ganzen Spiel: Alles Gute hat ein Gegenstück, sodass man nie vollends in dem stimmungsvollen Abenteuer versinken kann.

Valkyrie Elysium – Fazit

Letztlich fehlt Valkyrie Elysium gar nicht so viel, damit ich es Jedem ans Herz gelegt hätte. Immerhin macht das Kämpfen mächtig Spaß und ist spätestens beim geschickten Einsatz sowie dem taktischen Einstellen der Einherjar ungemein motivierend. So bin ich es tatsächlich nie leid geworden, die ausgesprochen gleichförmigen Haupt- und Nebenmissionen abzugrasen, zumal es immer eine Waffe zu verbessern, einen neuen Zauber zu erlernen oder einen Sprung in der Charakterentwicklung zu machen gibt. Aber selbst als überschaubares Action-Spektakel ist dieser Abstecher nach Walhalla unterm Strich einfach zu „klein“, um mich wenigstens auf diesem Level richtig zu begeistern. Es kommt ja eine Geschichte hinzu, die im Schuss-Gegenschuss-Geplapper mehr erklärt, statt auf bewegende Art zu erzählen. Und spätestens die ständig gleichen Level-Flure, an dessen Seiten es nach dem ersten Abschnitt kaum etwas zu entdecken gibt, sowie die oft katastrophale Kamera gepaart mit einem maßlos überzogenen Effektfeuerwerk rauben Valkyrie Elysium leider viel von seiner grundsätzlich starken Energie.

Valkyrie Elysium – Pro und Contra

Pro:

  • Flottes Kampfsystem
  • Taktisches Einbinden der Einherjar auf verschiedenen Ebenen
  • Einfache, aber motivierende Charakterentwicklung
  • Stimmungsvoller Soundtrack

Contra:

  • Teils katastrophale Kamera zeigt nicht, was man zu sehen versucht
  • Auch übermäßig präsente Effekte behindern Übersicht
  • Kaum freies Erkunden beim Abklappern enger Levelflure
  • Dröge erzählte Geschichte mit oberflächlichen Charakteren

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