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Vergesst das Dead Space Remake: Callisto Protocol ist das Spiel, das ihr sucht

Inoffizieller Nachfolger erscheint noch 2022.

Ich habe an anderer Stelle ja schon so manche Lanze für Remakes gebrochen – und bin dafür auch kritisiert worden. Vielleicht sortiert das hier jetzt ein wenig meinen Standpunkt ein wenig klarer heraus: Natürlich bevorzuge ich neue Erlebnisse gegenüber der Zweitverwertung von bereits Gespieltem. Aber bei Remakes geht es eben nicht in erster Linie um mich, sondern um die Konservierung älterer Titel für eine neue Generation.

Wenn ich jedoch die Wahl zwischen einem Remake und einem fantastischen neuen Titel habe, muss die Neubearbeitung schon ein sehr altes und sehr, sehr gutes Spiel betreffen, damit es andersherum ausgeht. Gute Vergleichbarkeit liefern seit heute Nacht das Dead Space Remake und das neue Horror-Spiel vom Dead-Space-Miterfinder Glen Schofield. Letzteres bekam gestern sowohl seinen Termin – The Callisto Protocol erscheint am 2. Dezember 2022 – als auch einen frischen Gameplay-Trailer, und kletterte prompt an die oberste Stelle auf meiner Weihnachtswunschliste.

Schaut am besten selbst:

Die Nähe zu Dead Space ist überdeutlich zu erkennen: Gesundheitsanzeige als LEDs am Rücken der Spielfigur, mutierte Menschen als primäre Gegner, wobei eine Zwischensequenz auch auf militärische Roboter hindeutet, die sich Hauptcharakter Jacob Lee in den Weg stellen. Und ein Mensch aus der arbeitenden Bevölkerung anstatt eines Soldaten als Held, denn Lee ist Frachtschiffspilot, allerdings ein Frachtschiffspilot mit dem guten Aussehen des Schauspielers Josh Duhamel, der ihn verkörpert. In anderer Rolle ebenfalls an Bord: Karen Fukuhara, die in The Boys bleibenden Eindruck als "The Female" hinterließ.

Josh Duhamel erkennt man bestens wieder. Wenn man ihn denn kannte.

Body Horror wird wieder einmal großgeschrieben, die Zerstückelung der Monster scheint erneut eine große Rolle zu spielen und die Kamera fährt stets unangenehm nah an die Grimassen-artig verzerrten Visagen heran. Die haben sich diesmal noch ein Stück mehr Menschlichkeit bewahrt und dass nicht jedes Biest nur aus Knochenklingen und Zähnen zu bestehen scheint, macht es noch verstörender. Klaustrophobie und fehlende Übersicht sind im Weltraumgefängnis auf dem vierten, "toten" Jupitermond Callisto offensichtlich stete Begleiter.

In einer meisterhaft geschnittenen Szene erwacht ein nur scheinbar toter Feind aus einem Schlummer, als sich Lee gerade nur Zentimeter entfernt an ihm entlang schält. Echtes Albtraumzeug und technisch sowie gestalterisch offensichtlich brillant.

Der Trailer bestand aus In-Game-Szenen und Zwischensequenzen, nur mit teilweise veränderten Kamerawinkeln, zeigte das Spiel also in der Engine, die einen erstaunlich beschlagenen Eindruck machte. Vor allem die Gesichter waren Weltklasse, nicht zuletzt durch das imponierende Subsurface-scattering, das Licht durch Haut und Gewebe hindurchscheinen lässt.

Vertraute Hilflosigkeit. Von Leuten, die wissen, wie es geht.

In einer anderen Sequenz wurde mit einer Art Revolver geschossen, der allerdings nur wenig Munition hatte und den Ansturm der Monster nicht stoppen konnte. Das sah nach dem vertrauten Mengenmanagement aus Dead Space aus. Alles in allem gewinnt das Spiel in Sachen Konzept sicher keinen Preis für Innovation. Aber wenn EA schon Dead Space nicht fortsetzt, müssen es eben Leute machen, denen auch persönlich mehr daran gelegen ist. Schofield selbst hat sich nichts mehr zu beweisen und kann nun endlich zu seiner bisher besten Arbeit zurückkehren, wenn auch unter anderem Titel.

Ich denke, ich spreche für eine große Mehrheit der Spieler, dass wir 2022 einen Titel von diesem Kaliber noch gut gebrauchen können. Es sind zu viele Spiele nach hinten aus dem Jahr herausgepurzelt – ein Survival-Schocker wie dieser hier kann davon nur profitieren.

Buchstäbliches 'Foreshadowing'. Ein bisschen sehr auf die Nase. Aber nicht minder effektiv, gibt es doch dem Horror schon vor der eigentlichen Konfrontation Gelegenheit, Wurzeln in euren Köpfen zu schlagen.

Natürlich freue mich ich weiterhin darauf, wie eine neue Version von Dead Space im Jahr 2023 aussehen wird. Die Ankunft von The Callisto Protocol noch in diesem Jahr könnte aber besser kaum getimt sein, während das Spiel trotz der bekannten Elemente relativ frisch und erstaunlich auf der Höhe der Zeit wirkt. Ich bin wahnsinnig gespannt hierauf!

The Callisto Protocol erscheint am 2. Dezember 2022 für PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S und PC. Publisher sind die PUBG-Macher von Krafton. Ursprünglich war der Titel im selben Universum wie das Battle Royale angesiedelt. Davon ist das Studio mittlerweile abgerückt

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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