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Wie das Steam Deck mein Gaming-Verhalten verändert hat

Kapitel 3: Volldampf voraus.

Unn?* Zugegeben, die letzte Ausgabe ist schon ein Weilchen her. Das meinte ich damit, dass ich mich nicht an Deadlines und Termine klammere. Es kam viel dazwischen. Urlaube der Kolleginnen und Kollegen. Zur gamescom gab es einiges zu tun. Eigene Urlaube. Und dann sind da ja auch noch die wichtige(re)n Dinge, mit denen ich mich beschäftigen muss. Aber das heißt ja nicht, dass ich währenddessen nichts gemacht habe. Als ich das letzte Mal meine Kolumne schrieb, war es noch Sommer. Jetzt ist es deutlich kälter und die Energiepreise drücken euch hoffentlich nicht allzu sehr auf die Stimmung. In Sachen Videospiele passiert derzeit ja das ein oder andere und für Anfang 2023 sieht das Programm doch recht voll aus. Könnte ein spannendes Gaming-Jahr werden.

Zu Kapitel 2 geht’s hier: Trekkie-Herz vs. Geldbeutel. Und: Kriegen wir mit Matchpoint endlich einen würdigen Top-Spin-Nachfolger?


Vier Monate mit dem Steam Deck. Oder auch: PC-Gaming lebt!

Mittlerweile habe ich seit rund vier Monaten mein Steam Deck. Anfangs, als Valve seinen neuen Handheld-Gaming-PC ankündigte, war ich mir nicht sicher, ob ich das gute Stück überhaupt brauche. Außerdem hatte ich noch die Steam Machines im Hinterkopf, die schnell wieder von der Bildfläche verschwanden. Aber je mehr Zeit nach der Ankündigung verstrich, umso neugieriger wurde ich. So sehr, dass ich, als ich es endlich bestellen konnte, das mehr als bereitwillig tat.

Und ich hab's nicht bereut. Im Gegenteil. Nachdem ich ursprünglich mit Gaming auf dem PC begann, verschob sich das bis heute zu gut 90 Prozent in Richtung Konsolen und Handhelds. Ich hatte schlicht wenig Lust, abends noch mehr Zeit auf dem Bürostuhl zu verbringen, wenn ich schon den ganzen Tag darauf hocke. Couch, Konsole und Controller sind da einfach bequemer. Das Steam Deck macht es mir dahingehend einfacher, dass ich meine Steam-Bibliothek mit auf die Couch nehmen kann.

Meine Steam-Bibliothek liegt in meinen Händen.

Klar, nicht jedes Spiel funktioniert damit, andere haben kleinere Probleme, aber wenn ein Spiel schon eine Controller-Steuerung unterstützt, läuft es normalerweise auch ganz gut auf dem Steam Deck. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kam ich auch etwa auch ganz gut mit der Command & Conquer Remastered Collection zurecht. Alles eine Frage der Anpassung. Gefühlt habe ich durch das Steam Deck in diesen Monaten schon mehr Zeit mit PC-Spielen verbracht (Zeit für Tests oder Previews von Spielen schließe ich da nicht mit ein) als in den vergangenen paar Jahren zusammen.

Ich mag bei der Nintendo Switch das Konzept, Spiele sowohl im Dock (hier: am PC) als auch unterwegs spielen zu können. Beim Steam Deck läuft es ähnlich. Tatsächlich wünschte ich mir, es gäbe einen Xbox-Handheld, der exakt dieses Konzept aufgreifen würde. Ich wäre vermutlich einer der Ersten, die so etwas kaufen würden.


Batman: Arkham Knight - War das jetzt herausragend oder nicht?

Ist Batman: Arkham Knight ein herausragendes Spiel? Das mag jeder anders sehen, als Abschluss der Arkham-Trilogie fand ich Rocksteadys drittes Batman-Abenteuer aber wirklich gut. Ich mochte den Gameplay-Flow des Spiels und mir gefällt, dass es zwar grundsätzlich umfangreiche Optionen im Kampf anbietet, ich sie aber nicht alle einsetzen muss, um weiterzukommen. Manchmal hat man eben keine Lust, zahlreiche Kombos auswendig zu lernen.

Technisch betrachtet sieht das auch heute auf der Xbox Series X noch toll aus, wenngleich mich das Batmobil in manchen Situationen etwas an den Rand der Verzweiflung brachte. Aber na schön, das war zu verschmerzen. Grundsätzlich fand ich auch die Gestaltung der Open World gelungen, nur hier und da hat Rocksteady es meiner Ansicht nach etwas mit der Verteilung der optionalen Sachen übertrieben, ich denke da an die Kontrollpunkte. Auf die vielen Riddler-Rätsel hatte ich am Ende wirklich keine Lust mehr.

Ziemlich düster in dieser Stadt.

Cool fand ich auch, dass es zwischendurch immer mal wieder kleinere Pausen gibt, Zeit zum Durchatmen. Man wird nicht ständig von einer Actionsequenz zur nächsten geleitet. Ich hätte mir sogar mehr Abschnitte gewünscht, in denen Batman den Detektiv spielt oder die Umgebung erkunden muss, um eine Aufgabe zu lösen. Angesichts der insgesamt tollen Arbeit von Rocksteady bin ich aber schon sehr gespannt darauf, was sie aus Suicide Squad: Kill the Justice League herausholen können.

Um aber noch einmal auf die Überschrift zurückzukommen: Ich weiß nicht, ob ich Arkham Knight für sich alleine als herausragend bezeichnen würde. Auf die gesamte Trilogie trifft das aber allemal zu. In Sachen Qualität stechen Rocksteadys Arkham-Titel definitiv aus der Superhelden-Masse hervor. Sollte man gespielt haben, wenn man entfernt etwas mit Batman anfangen kann.


Klein, aber fein: The Outer Worlds

Ich hatte Lust auf ein Open-World-Spiel, aber gleichzeitig wollte ich nach AC Valhalla nicht erneut 100+ Stunden (bei Valhalla sind es bei mir sogar mehr als 200) in ein Spiel buttern. Wie gut, dass es The Outer Worlds gibt. Für ein Open-World-Spiel ist es vergleichsweise kurz, beschäftigt aber einen aber immer noch genügend Stunden, um sein Geld wert zu sein.

Obsidian liefert hier ein solides Sci-Fi-Rollenspiel ab, dessen Spielwelten ich (bisher) gerne erkundet habe. Ich mag besonders den Humor des Spiels, durch den es sich von vergleichbaren Titeln abhebt. Das Gameplay ist okay, von den Waffen war ich insgesamt nicht ganz so begeistert, der Großteil davon schreit schlicht nach Standardware.

Ansonsten fühlt sich das alles etwas nach Skyrim oder Fallout in space an, wenngleich mit deutlich geringerem Umfang. Aber wie gesagt, nicht jedes Open-World-Game muss mich gefühlt endlos beschäftigen. Manchmal wünschte ich, andere Hersteller würden sich daran ein Beispiel nehmen. Jetzt bin ich am kommenden zweiten Teil wirklich interessiert. Ich hoffe nur, dass Obsidian es mit Microsofts Finanzen im Rücken in Sachen Umfang nicht übertreibt. Von mir aus kann Teil zwei gerne wieder so übersichtlich ausfallen.

Open World geht auch ohne 100+ Stunden Spielzeit.

Was sonst noch war

Zuletzt gesehen: Es war mal wieder an der Zeit für einen Rewatch der Star Wars-Filme. An die ursprüngliche Trilogie kommt natürlich nichts heran, aber grundsätzlich mag ich auch die Episoden sieben bis neun. Wenngleich leider zu spüren ist, dass da nicht wirklich durchgehend ein Autorenteam an einer von Anfang an feststehenden Idee gearbeitet hat. Wäre wohl besser gewesen. Fragwürdige Dinge gibt’s hier und da, aber ich kann mir die Filme besser ansehen als Episode zwei oder Teile von Episode eins. Jar-Jar unterbietet wirklich nichts. Meinen persönlichen Spitzenplatz teilen sich Episode fünf und Rogue One. Und auch Solo ist weit besser, als man es vermuten würde.

Ein wenig weihnachtlichen Humor lieferte das The Guardians of the Galaxy Holiday Special auf Disney+. War ganz nett anzuschauen, allerdings verpasst ihr im Grunde auch nichts Essentielles, wenn ihr es euch nicht anschaut. Witzig fand ich, dass man Kevin Bacon sich selbst spielen lässt und zum MCU-Kanon macht. Ansonsten ganz okay. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Noch relativ frisch im Gedächtnis ist Terror, basierend auf dem Buch von Ferdinand von Schirach. Es geht um einen fiktiven Prozess gegen einen Bundeswehr-Piloten, der ein entführtes Passagierflugzeug entgegen seiner Befehle abgeschossen hat, bevor es in die voll besetzte Allianz-Arena in München fliegen konnte. Man selbst ist nicht nur Zuschauer, sondern auch fiktiver Schöffe und kann am Ende entscheiden, ob man den Piloten freispricht oder für schuldig befindet. Es war spannend, sich all die Argumente anzuhören und am Ende eine Entscheidung zu treffen, wobei meine Wahl relativ klar war. Habt ihr es auch gesehen und wenn ja, was würdet ihr tun?

Nicht minder spannend und gleichermaßen erschreckend war Gladbeck: Das Geiseldrama auf Netflix. Eine Dokumentation, die allein aus Originalaufnahmen besteht, die während der damaligen Geiselnahme entstanden. Ich hab' ja schon hier und da etwas darüber gesehen und gehört, aber den Ablauf so zusammengefasst zu sehen, macht schon sprach- und fassungslos. Wenn man nicht wüsste, dass es genau so passiert ist, würde man es wohl für komplett irre halten, so mit Geiselnehmern umzugehen, sowohl von Presse als auch von Polizei.

Nach langer, lange Pause zwischendrin haben wir endlich mal bis zum Ende How to get away with Murder durchgezogen, zwei Staffeln direkt am Stück. Wobei es wie immer motivierend war, wissen zu wollen, was jetzt genau in der jeweiligen Staffel passiert, was hinter allem steckt und wie sich das Puzzle am Ende zusammenfügt. Manchmal fragt man sich zwar, warum die Charaktere dies oder das tun, aber okay, menschliches Verhalten ist ja auch nicht immer rational.

Wenig Rationales passiert auch in Riverdale, auch hier haben wir die jüngsten zwei Staffeln aufgeholt. Und mit jeder Folge stellt man sich eigentlich umso mehr die Frage, welche und vor allem wie viele Drogen die Autoren vor dem Schreiben der Drehbücher genommen haben. Was einst als halbwegs normale Teenie-Serie begann, ist mit der Zeit immer mehr abgedriftet. Klar, es basiert auf Comics, aber trotzdem... Besonders witzig: Man machte zwischendrin einen Zeitsprung, damit die Charaktere dem Alter der Schauspielerinnen und Schauspieler näher sind, nur um sie jetzt zum Ende doch wieder (so sieht es zumindest aus) Teenager spielen zu lassen. Aber wie sagt man so schön? Es ist wie ein Autounfall: Man kann nicht wegschauen. Die kommende und letzte Staffel geben wir uns auch noch. Und sei es nur, damit wir uns dabei amüsieren können.

Und dann war da noch die dritte Staffel von Star Trek Discovery. Mit deutlich zu wenig Screentime für die Katze. Und an Raumschiffe mit frei im All schwebenden Warpgondeln werde ich mich wohl nicht gewöhnen. Davon abgesehen, bin ich immer wieder angetan von der Produktionsqualität. Kein Vergleich zu den alten Studiosets von TNG und Co. Schön, dass man an realen Locations wie Island und Co. dreht und das entsprechend rüberbringt. Ob ich mich insgesamt an Star Trek so weit in der Zukunft gewöhnen kann? Ich liebe die TNG- und DS9-Ära, aber zumindest gibt das den Machern mehr Freiräume als bei einer Prequel-Serie, wie es Discovery bis dahin war.

Zuletzt (privat) gespielt: Da wären das bereits erwähnte The Outer Worlds und die C&C Remastered Collection – ich liebe die beiden RTS-Klassiker von Westwood heute noch so sehr wie früher, Nostalgie pur! Mario + Rabbids Sparks of Hope ist zwar spielerisch exzellent, aber in Sachen Story hat es mich so sehr mitgerissen und amüsiert wie sein Vorgänger. Auf dem Hauptpfad war mir das gefühlt alles etwas zu ernsthaft und zu wenig Slapstick.

Ansonsten? WM-Boykott! Ja, ich habe kein einziges Spiel gesehen, auch wenn es vereinzelt in den Fingern juckte. Darüber hinweggeholfen haben mir Retro Goal, Two Point Campus - nicht zuletzt dank des neuen DLCs – und Pokémon Karmesin. Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich bin, dass es die Two-Point-Spiele gibt. Sie treffen genau meinen Geschmack und ich kann Stunden darin versenken, ohne mich schlecht zu fühlen. Ich hoffe, die Serie hat noch eine blühende Zukunft vor sich.

Zuletzt gelesen: In jüngster Zeit war mein Leseverhalten eher etwas Comic-, Bild- und Graphic-Novel-lastig. Etwa in Form der Star-Wars-Comics zu Krieg der Kopfgeldjäger. Nichts Essentielles, aber ganz nett zu lesen. Auch ein paar schöne, kleine Geschichten sind die beiden Graphic Novels Sea of Dreams und Yuanyuan's Bubbles, jeweils basierend auf Geschichten des chinesischen Autors Cixin Liu.

Ansonsten stand noch Star Trek auf dem Programm, einerseits in Form von Star Trek: The Art of John Eaves. Ich mag einfach die Raumschiffdesigns der TNG-, DS9- und VOY-Ära. Und auch die Enterprise NX-01 hatte was, auch wenn sie zuweilen wie eine umgedrehte Akira-Klasse anmutete. Ferner landeten mit The Space Between (okay) und Intelligence Gathering (schon besser) noch zwei der drei Comic-Collections auf dem Lesestapel, die mir Ende des vergangenen Jahres bei unserem Kurztrip nach London in einem Comicladen in Notting Hill in die Arme fielen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich I'm Too Young To Die. Ich habe ja schon etwas darüber geschrieben, aber wie gesagt, es noch einmal zu erwähnen, schadet sicherlich nicht. Was Gaming-Bücher anbelangt, ist Bitmap Books einer meiner liebsten Verlage. Ich freue mich schon darauf, was von Bitmap in Zukunft noch kommt.


* Ihr fragt euch, was "Unn?" bedeutet? Nun, diejenigen unter euch, die aus dem besten Bundesland der Welt – dem Saarland – kommen, wissen es. Für alle anderen: Es ist eine Art universelle Begrüßung. Es kann etwa als Frage dafür stehen, wie es dem Gegenüber so geht, ob es etwas Neues gibt und so weiter. Nach reiflicher Überlegung ein passender und zugleich persönlicher Titel für meine Kolumne. Ein kurzer, prägnanter Ausspruch, der den Nagel auf den Kopf trifft. Was gibt’s Neues? Genau darum geht es hier.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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