Speed Force Wireless

Das sehr spezielle Lenkrad für die Wii

Man muss es Logitech lassen: Sie haben ein Herz für Minderheiten und begrenzte Käuferschichten. Auch wenn nicht viele Leute es brauchen, man liefert trotzdem hochwertige Hardware ab. Nach dem schon eher begrenzten Einsatzbereich des prinzipiell richtig guten Wii-Keyboards geht das Speed Force Wireless vielleicht ein klein wenig zu weit.

Speed Force Wireless

Hersteller: Logitech

Erhältlich über: Amazon

Mein erster Einsatz mit dem kabellosen Lenkrad war extrem frustrierend. Dabei könnte die Anleitung eigentlich nicht eindeutiger sein: Bild 1: Auspacken. Bild 2: USB-Empfänger in die Wii stecken. Bild 3: Das Lenkrad mit Strom versorgen. Bild 4: Spielen. Hat nicht lange gedauert, Ferrari Challenge eingeworfen und… nix passiert. Alles nochmal ausgemacht, absteckt, neu eingesteckt und… nix passiert. Den Knopf am USB-Stecker gehalten, gedrückt, zusammen mit Knöpfen auf dem Lenkrad gedrückt und… nix passiert.

In der Packung finden sich keine weiteren Anleitungen, die Website weiß mir auch nicht groß zu helfen und erst in einem Forum – immerhin ist es eines von Logitech, wenn auch deren US-Forum – finde ich dann den gesuchten Hinweis: Das Lenkrad funktioniert nur mit vier Spielen. Vier. Ganzen. Spielen. Need for Speed: Undercover, SpeedZone, DiRT 2 und Formel 1 2009. Bei allen anderen Spielen passiert gar nichts. Keine Rückmeldung, keine Warnung, kein gar nichts.

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Warum muss alles auf der Wii in Klinik-Weiß gehalten sein? Ansonsten optisch ansprechend, das Speed Force Wireless

Dass nicht jedes Spiel unterstützt wird, halte ich nicht für ein Problem, aber es ist doch etwas, was man ein klein wenig mehr publik machen müsste. Sicher, auf der Kiste steht "exklusiv für Need for Speed: Undercover", aber wer bitte würde das als Ausschluss anderer legitimer Racer wie eben Ferrari Challenge betrachten? Auf der Website findet ihr den Hinweis: „Funktioniert mit vielen aktuellen Spielen.“ Es ist wohl eine Frage der persönlichen philosophischen Ansichten, ob „vier“ als „viele“ durchgeht. Eins, zwei, drei, viele….

Letztlich ist es aber sowieso ein sehr spezielles Produkt und das wichtigste Spiel für ein solches Accessoire - F1 2009 – wird unterstützt. Es ist also wirklich mehr die Informationspolitik und weniger die geringe Anzahl unterstützter Spiele, die mich aufregt.

Genug geärgert, die Hardware selbst hinterlässt schon beim ersten Anfassen einen sehr ordentlichen Eindruck. Stabil verarbeitet, das Griffgefühl am Lenkrad ist haptisch ausgesprochen angenehm, alle Tasten der Mote sind vorhanden und auch gut erreichbar. Leider verzichtet man auf die Tasten des Chuck, aber da die Spiele sowieso speziell angepasst sein müssen, ist es kein echter Verlust. Überraschenderweise finden sich in der Packung nicht die sonst obligatorischen Pedale. Stattdessen sind hinter dem Lenkrad zwei große Analog-Pedale verbaut, die Gas und Bremse übernehmen.

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Hinter dem Lenkrad sitzen die Pedale für Gas und Bremse.

Die gute Nachricht bei der Stromversorgung lautet, dass das Speed Force keine Batterien braucht. Die Schlechte, dass man dafür natürlich ein Netzteil an der Hand hat. Zum Glück ist das Kabel mit geschätzten drei Metern nicht zu kurz und der Stromverbrauch hält sich mit wenigen Watt im Schnitt auch in Grenzen. Damit ihr das Lenkrad bequem auf euren Schenkeln balancieren könnt, lassen sich die beiden „Griffe“ links und rechts ausziehen und sie gehen auch wirklich weit genug, um großen Menschen eine faire Chance zu geben. Und im Ergebnis: Dank des trotz der guten Verarbeitung relativ geringen Gewichts sitzt das Wheel gut auf eurem Schoß - auch während einer längeren Session. Es ist ein gutes Konzept und eine echte Alternative zu festen Konstruktionen.

Die wichtigste Frage ist aber, wie gut das Lenken selbst funktioniert. Das Lenkrad ist groß genug, um vernünftig Gefühl beim Lenken zu geben und ganz sicher um Welten besser als der sonst so verbreitete Hundebeißring. Der Lenkkreis hat keine drei Umdrehungen, keinen 900-Grad-Bewegungsradius, aber es reicht aus. Das Feingefühl stimmt bei allen drei Spielen, bei F1 2009 fühlt es sich aber definitiv am besten an. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Renngenre sich etwas ruhiger spielt. Das Force-Feedback könnte in den Extremen ein wenig härter sein, stimmt allerdings bei normalen Lenkmanövern sehr genau überein. Es vermittelt das richtige Maß an Widerstand und das ist wohl das Beste, was sich über dieses Feature sagen lässt.

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Das wohl wichtigste Spiel zum Zubehör: F1 2009.

Wirklich angefreundet habe ich mich mit der Verbindung von Verzicht auf die Pedale und das Aufliegen der Konstruktion auf den Beinen. Lassen wir einmal diese großen Lenkrad-Sitz-Kombis außen vor, dürfte das die angenehmste Art sein, ein Lenkrad für ein paar Stunden zu spielen, ohne die Wohnung umdekorieren zu müssen. Die beiden Griffe hinter dem Lenkrad sind genau richtig zu erreichen und der Spielraum der Analogschaltung ist groß genug, um euch sehr genau und präzise beschleunigen und bremsen zu lassen. Es fühlt sich natürlich nicht ganz so echt an, wie es bei Pedalen der Fall wäre. Der Präzision der Steuerung tut das trotzdem keinen Abbruch. Eine gute Lösung und eine Alternative, die mehr Lenkräder als Extra verbaut haben sollten.

Diese Lenkräder könnten die Dinger dann auch zum Schalten nutzen, was hier leider so nicht angedacht ist. Mit den normalen Tasten Schalten ist nicht ideal, aber es funktioniert mit ein wenig Übung trotzdem brauchbar. Ich bin ein Automatik-Fahrer, deshalb berührt mich dieses Manko nicht sehr. Hardcore-Racer werden hier allerdings sicher etwas vermissen und es wäre schöner gewesen, hinter dem Lenkrad noch zwei weitere Schalter zu finden. Am Ende kann man wohl nie alles haben.

Trotzdem ist ein direkter Vergleich zwischen den verschiedenen Steuerungsalternativen recht einfach. Was das Feingefühl und den Hauch von Extra-Realismus angeht, lässt das Wheel bei allen vier Spielen die sonstigen Varianten mit Mote, Chuck und Classic Controller hinter sich. Vor allem den harten F1-Fans – sofern sie mit Automatik oder Kompromissen leben können – kann ich das Lenkrad nur wärmstens empfehlen. Das Speed Force Wireless ist sicher die beste Art dieses Spiel zu genießen. Ob euch das etwa 60 Euro wert ist, müsst ihr selber wissen. Denn selbst wenn mal wieder ein neues Spiel seinen Weg in die illustere kleine Runde der unterstützten Games findet, müsst ihr euch schon ganz schön Mühe geben, davon zu erfahren.

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Über den Autor:

Martin Woger

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