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Game of Thrones House of the Dragon Folge 9 ist ein Fest schlechter Entscheidungen

Endspurt zum Finale. Wie viel haltet ihr noch aus?

SPOILER zu Folge 9 von House of the Dragon. Kommt zurück, wenn ihr damit durch seid!

Es kam, wie es kommen musste: Mit Viserys’ Tod geht die Hohenturm-Verschwörungsmaschinerie in die nächste Phase. Allein, mit Alicents teilweiser Unterstützung fürs Usurpieren von Rhaenyra hatte von der Mehrheit des Kleinen Rates um Otto Hightower, die sich gegen die Thronfolgerin zusammengetan hatte, vermutlich keiner gerechnet. Viserys’ letzte Worte an seine Gattin – die er, dem Tode nah, für seine Tochter hielt – hatte niemand auf dem Zettel. Dass jetzt seine Gattin auch die Notwendigkeit sieht, ihren gemeinsamen Erstgeborenen, Aegon, auf den Thron zu setzen, macht die Sache aber erst mal nur vordergründig einfacher.

Denn – und das war einer der spannendsten Punkte dieser Folge – auch unter denjenigen, die Aegon gern auf dem eisernen Thron sähen, herrscht Uneinigkeit. Vor allem darüber, wie nun mit Rhaenyra und den ihr Ergebenen zu verfahren ist. Das kristallisiert sich im Verlauf der Ratssitzung heraus, in der Kriston Krauts absolut unangemessen ruppige Art endgültig zum Running Gag wurde. Der kann vor Stolz, Selbstgerechtigkeit und aufgestauter Wut kaum laufen – und kaum jemanden anfassen, ohne ihn umzubringen, wie mir scheint. Das beweist er an Lyman Biengraben, dem einzigen Mitglied des Rates, das seine Stimme gegen den Plan erhebt, Rhaenyra um den Thron zu bringen. Ein unnötiger und nicht ganz glaubwürdiger Schockeffekt. Immerhin ist nun endgültig klar, dass auch die rechte Hand der eigentlich wohlmeinenden Königin schlimm eine Schraube locker hat.

Wie er da schon steht... es brodelt in Kraut.

Egal: Das ist wohl der Punkt, an dem es endgültig kein Zurück mehr gibt und Aegons Aufstieg zur Krone besiegelt ist. Lord Kommandant Westerling verlangt noch von Kraut, Schwert und Umhang abzulegen (was der ignoriert) und quittiert den Dienst, als klar wird, dass die Mehrheit dafür ist, dass Rhaenyra getötet wird. Da Aegon aktuell nirgends aufzufinden ist, entsteht daraufhin ein Wettrennen von Getreuen Ottos auf der einen und Alicents auf der anderen Seite, den Prinzen zu finden. Beide wollen auf ihn einwirken, wie mit Rhaenyra nach seiner Krönung zu verfahren ist. Das war recht spannend gemacht und zeigte einmal mehr, dass auch unter den beiden neuen Fraktionen hinter Aegon keine Einigkeit über die Qualitäten des Jungen herrscht.

Alicents Männer, Kriston Kraut und Aemond, sind erfolgreich und die Königin kann sich vor ihrem Vater anscheinend durchsetzen. Für Kraut setzt es sogar noch eine Beförderung zum Lord Kommandant, was sicher gut ausgehen wird. Anschließend wird noch klar, welche Art von Arrangement Larys Kraft und Alicent Hohenturm haben. Der Gute hat einen Fußfetisch, den die Königin gegen Informationen bedient. Dadurch erfährt sie vom Weißen Wurm und dass die Spionin der Grund dafür ist, dass ihr Vater ihr einen Schritt voraus war. Ich bin aktuell noch nicht sicher, welches Fass die Serie an dieser Stelle noch aufzumachen gedenkt, aber da der Weiße Wurm sich zuvor als Freundin der Kinder in Flohloch zeigt, ist es erst einmal nur eine weitere moralisch verkomplizierende Ebene, weil wir eigentlich auf Alicents Seite sein sollen.

Die "Kein-Bock-Fraktion" auf dem Weg zum schwersten Fehler ihres Lebens.

Ein weiteres schön symbolisches Detail ist der Geschwisterzwist zwischen den Rittern Ser Arryk und Ser Erryk. Zwillinge im Dienste der Krone, von denen einer den Verrat mitträgt und der andere ihn ablehnt und daraufhin Prinzessin Rhaenys – die ebenfalls auf Rhaenyras Seite steht – zur Flucht verhilft. Präziser kann man die inneren Spannungen einer Dynastie nicht auf den Punkt bringen, und das ohne extra viele Dialogzeilen dazuzuschreiben. Rhaenys war von Alicent und Co. festgesetzt worden, weil sie und ihr Drache Meleys das Zünglein an der Waage in einem möglichen Konflikt sein könnten. Alicent fürchtet, mit einem Kräfteübergewicht würde Rhaenyra sofort wieder klare Verhältnisse schaffen wollen.

Auf dem Weg zur Krönung scheint Alicent derweil mit Erfolg auf ihren Sohn einzuwirken. Gut möglich, dass Aegon im Moment seiner Krönung nicht vorhat, seiner Schwestertante den Prozess zu machen. Just in dem Moment, als Aegon seine Einstellung zur Krone überdenkt – er wollte sie nie –, weil ihm erstmals in seinem Leben die Leute zujubeln, sprengt Rhaenys mit ihrem Drachen Meleys buchstäblich die Party. In einer aristokratischen Vorführung absoluter Menschenverachtung wütet das Biest ein wenig unter den arglosen Untertanen, nur um dann die eigentlich Verantwortlichen zu verschonen. Ich bin immer noch nicht sicher, was das sollte. Eine Kriegserklärung war es wohl so oder so, warum ihn nicht gleich beenden? Hier und jetzt? Haben Alicents milde Worte im Vorfeld doch etwas bewirkt bei ihr? Ich habe das Gefühl, Rhaenys wird es noch bereuen, nicht doch den Grill angeworfen zu haben.

Ein Gemetzel, das mal wieder nicht die Richtigen trifft. Aber hey, mit dem Pöbel kann man es ja machen...

Insgesamt eine spannende, aber nicht in jeder Szene logische Folge, die die Charaktere einmal mehr in tiefe Grautöne hüllt. Die holde Alicent, die einen vergewaltigenden Tagedieb auf den Thron setzt, sich von einem Psychopathen beschützen lässt und nun gegen eine Menschenrechtlerin in den Slums von Königsmund aufrüstet. Otto Hightower, der den Frieden wahren will, indem er den Wunsch von Viserys, dem Friedvollen ignoriert und dessen Tochter töten will. Und Rhaenyra und Daemon haben im Verlauf dieser Serie ebenfalls einige Schuld auf sich geladen.

House of the Dragon bleibt eine Serie darüber, wie Macht korrumpiert und über die Unmöglichkeit des Herrschens. Gut gemacht und vor allem gespielt ist das weiterhin. Packendes Fernsehen. Aber ich werde nicht hergehen und behaupten, dass das immer angenehm zu schauen wäre. War es das überhaupt jemals? Puh. Eine Folge noch. Ich sitze dann mal hier und harre der Unglücke, die da kommen mögen.

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Alexander Bohn-Elias Avatar

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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