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Lair - Revisited

Analoge Läuterung?

War es nur die Sixaxis-Steuerung? Julian Eggebrecht hielt es uns vor, als er die gesamte schreibende Zunft in eine Art Sippenhaft nahm und sie als rückständige Innovationsfeinde ausmachte. Sony gab ihm Rückendeckung in Form eines umfangreichen Pressekit, das uns Fossile mit beruhigenden Worten auf unseren Irrglauben aufmerksam machen und uns die in praktisch jedem Review genüsslich zerpflückte Steuerung näher bringen sollte.

Es half nicht viel, links und recht prasselte es härteste Kritik und auch Kollege Metzger konnte sich trotz einer gewissen Freude am restlichen Spiel nicht mit dem Gewackel anfreunden. Viele Kritiker merkten an, dass eine simple Option zur Steuerung des Drachen mit dem Analogstick viel der Schärfe hätte nehmen können. Dazu noch ein Fadenkreuz zur besseren Zielaufschaltung und schon hätte alles ganz anders ausgesehen. Vielleicht. Oder auch nicht. Wohl eher nicht.

Seit gestern weist Euch Lair beim Start auf ein neues Update hin und nur 150 MB später tauchen zwei ganz unscheinbare Optionen im ansonsten zunächst unverändert scheinenden Spiel auf. Analog-Kontrolle und Fadenkreuz. Nein, so ein Zufall. Beides eingeschaltet und auf in die erste Mission.

Die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten. Die Kontrolle durch die Neigung des Sixaxis mag eher träge gewesen sein, aber im Vergleich zum hektisch Rumrudern mit dem Stick in den ersten Minuten erscheint die alte Variante wie ein Traum in Präzision. Auf Druck reagiert der Drache erst kaum und dann zu heftig, schnell wieder hoch reißen, irgendwie auf Level bringen. Und in Zukunft nur noch ruhige Bewegungen beim präzisen Zielen.

Wenden. WENDEN! Im Namen von allem was heilig ist, wende endlich Du Mistvieh!!!

Ja, ich weiß, es ist ein tonnenschwerers Monster und keine F-16. Ein gewisses Trägheitsmoment darf und muss da sein, aber so schalte ich freiwillig zurück zum Sixaxis. Das fühlte sich nicht gut, aber wenigstens natürlich an. Zumal die restliche Steuerung nur sehr halbherzig angepasst wurde. Am meisten ärgert die Belegung des Digital-Kreuzes. An der hat sich nämlich nicht viel geändert. Immer noch muss dort die „unten“-Taste genutzt und gehalten werden, um die Zielansicht, essentiell in den riesigen Schlachten, zu benutzen.

Ok, ich weiß nicht genau wie Ihr das so macht, aber ich halte das Pad, indem ich meinen linken Daumen auf den Stick lege, Zeige und Mittelfinger auf die hinteren Tasten, Ring- und kleiner Finger bleiben recht untätig zur Stabilisierung hinter den Pad. Wie zur Hölle soll ich digital nach unten drücken und den Drachen links analog lenken, um mich nach meinen Zielen umzuschauen? Zaphod Beeblebrox und sein dritter Arm mögen da kein Problem haben, ich schon! Ein so großes, dass dieses Manko die kleinen Besserungen zunichte macht.

In dem Minispiel, in dem der feindliche Drache seitlich zu rammen ist, wird nach wie vor mit Sixaxis-Schwung seitlich gerammt, dafür aber mit einer aus dieser Ansicht verwirrend invertierten Steuerung nach oben und unten gelenkt. Geht, aber nicht besonders gut. Was gegen das Rammen mittels Stick sprach, bleibt Entwicklers Geheimnis.

Insgesamt bringt aber die frickelige Steuerung vor allem in den teilweise sehr engen Arealen nur wenig Erleichterung. Ein klein wenig harmlosere Flüche werden ausgestoßen, nur an dem unübersichtlichen Leveldesign und nervigen Aufgabenstellungen hat sich halt wenig geändert.

Am Boden hat sich nicht viel geändert.

Lediglich das mit dem Sixaxis unbeschreiblich frustrierende Wenden und Beschleunigen wurde ernsthaft verbessert. Auf dem digitalen Kreuz nach links drücken löst die Wendung und nach rechts das Vorschießen aus. Ganz gezielt und ohne den Moment der Ungewissheit, was wohl passieren wird, der zuvor immer die größte Rolle spielt.

Das jetzt vorhandene Fadenkreuz ist an sich auch keine schlechte Sache, nur leider viel zu ungenau im Tumult der Schlacht. Wenn es darum geht, auf der Brücke die Rhinos herauspicken, wird immer noch gerne was anderes bis gar nichts angepeilt, aber zumindest schieße ich nicht mehr ganz so häufig meine eigenen Mantas, statt der feindlichen Drachen vor ihrem Kopf ab. Wenigsten etwas, denn die als zu kurz bemängelte Reichweite der Aufschaltung blieb gering wie eh und je.

Die Steuerung mit dem Analogstick bringt nicht die erhoffte Wandlung vom Mittelmaß zum damals erhofften Hit. Alte Macken werden gegen neue getauscht und am Ende gefiel mir dann sogar die verhasste Sixaxis-Steuerung besser und präziser als das übersensible Gewackel am Analogstick. Andere Achillesversen, wie das ungeschickte Missionsdesign oder die klischeeüberladene Story, bleiben natürlich 1:1 erhalten.

Solltet Ihr das Spiel vorher gemocht haben, könnt Ihr es ja mal versuchen. Neue Käufer werden aber so wohl kaum zu finden sein. Und reihenweise zum Lair-Glauben geläuterte Redakteure auch nicht. Die Wertung meines werten Kollegens bleibt somit bestehen!

Spiel einlegen, 150 MB runterladen und neue Optionen finden. Ach ja, zwei neue Drachen sind da auch noch.

5 / 10

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Martin Woger Avatar
Martin Woger: Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

Informationen zu unserer Test-Philosophie findest du unter "So testen wir".

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