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LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4

Es ist nur eine Statue! Kein Golfspieler!

Es muss wundervoll sein, eine Idee zu haben, mit der man dann fünf Jahre und mehr die Miete bezahlen kann. Als Traveller's Tales sich überlegten, was wohl das ideale Spielkonzept für LEGO-Steine auf dem Bildschirm wäre, müssen sie wahrlich von der Muse geküsst worden sein, egal ob sie Indy, Star Wars, Batman oder jetzt Harry Potter als Lizenz im Briefkasten finden. Die Mischung aus Hüpfen, Aktionen und kleinen Rätseln lässt sich konsequent überall anwenden, passt sich stets perfekt ein und hat einen wundervollen Nebeneffekt:

Sie macht praktisch jedes Mal wieder Laune.

Ein Großteil dieses Erfolges rührt dann aber nicht nur von eleganter Faulheit nach dem Geistesblitz her, sondern dass sich die Entwickler tief in das Ausgangsmaterial eingraben und es mit viel Liebe zum Detail sowie einem gesunden Maß an Humor und Respektlosigkeit umsetzen. Harry Potter macht da keine Ausnahme. Jede Szene der Filme wurde eingefangen, in LEGO gebaut, mit den Quietsche-Grummelstimmen verziert und schließlich mit einem Augenzwinkern abgerundet. Solltet ihr die Bücher oder Filme nicht kennen, habt ihr natürlich ein kleines Problem, da das Game keine Veranlassung sieht, euch die Zusammenhänge, Charaktere oder überhaupt irgendwas großartig zu erklären. Wenn ihr es aus den kleinen Schnipseln nicht zusammengepuzzelt bekommt – und das werdet ihr nicht –, heißt es Pech gehabt. Also erst gucken oder lesen, dann zocken.

Die Lokalitäten der ersten vier Jahre – sprich Bücher/Filme – wurden geschlossen adaptiert und zwar angefangen von Diagon Alley bis zu Lord Voldis Friedhof. Das zentrale Element dabei ist natürlich Hogwarts mit all seinen touristisch wertvollen Orten und umliegenden Sehenswürdigkeiten. Hagrids Hütte, der Wald und der See, alles ist da und es wirkt auf seine eigene, seltsame LEGO-Weise deutlich erfrischender und unverbrauchter als das Recycling des letzten offiziellen Teils der Potter-Games.

Luminos? Lumos? Oder was es doch Flim, Flam, Flunkel? Als Nerd muss man sich so viel merken...

Natürlich ist die Gang auch hier und wiederum wurde keiner vergessen, von der Ratte bis zum Drachen und einer Horde von Zauberern dazwischen hat jeder seinen Moment. Mein einziger Kritikpunkt wäre wohl, dass LEGO-Sprech niedlich ist, aber Alan Rickmans Stimme jedes Match in dieser Kategorie gewinnt. Auch wenn man versuchte, die Tonlage zu treffen, es ist einfach nicht das Gleiche.

Indy hatte seine Peitsche, Star Wars seine Laser und die Macht, Batman sein patentiertes Shark-Repellent-Bat-Spray. Was unterscheidet die Zauber Potters von all diesem Zeug? Einiges. Mit einem Arsenal von zum Ende hin zehn Sprüchen, allesamt bekannt und beliebt und fast so peinlich betitelt wie die des schwarzen Auges, lassen sich erstaunlich viele kleine und große Rätsel konstruieren. Das Spiel führt euch im ersten Jahr behutsam heran, zeigt euch geduldig, auf wie viele Arten ihr die Umgebung und andere Steine manipulieren könnt und lässt euch nach und nach das Schloss erkunden und teilweise wirklich seltsames Zeugs bestaunen. Es ist Magie und mit Magie ist alles möglich.

Das heißt aber auch, dass nicht alle Rätsel immer vom Start weg durchdenkbar sind. Ihr verfolgt den Troll des ersten Jahres durch Hogwarts. Er wirft eine riesige Steinkugel in den Weg, an der man nicht vorbei kommt. Jetzt muss man über eine kleine Hüpfeinlage zu einem halbversteckten, sechs Meter langen Speer und diesen von der Balustrade per Schwebezauber einer Statue, die die ganze Zeit über keinen Hinweis gibt, dass sie etwas anders wäre als eine Statue, in die Hand drücken. Plötzlich erwacht sie zum Leben, spielt mir der Kugel Golf – anzunehmen, dass dabei große Teile des Daches von Hogwarts und einige Unbeteiligte dran glauben mussten – und der Weg ist frei.

Lego Kenneth Brannagh RULES!

Das! Macht! Keinen! Sinn! Nicht einmal im Potter-Universum ist automatisch jede Statue lebendig, vor allem nicht, wenn sie sonst nichts tut! Harry hat sicher keine Sprüche, die Riesenstatuen in Golfspieler verwandeln! Wie soll man darauf kommen?! Es läuft halt darauf hinaus, dass man an ein paar Stellen einfach herumwuselt. Man probiert Sprüche durch und mit der Zeit nähert man sich der dementen Logik der Entwickler, indem man solche Dinge für normal hinnimmt.

Und wiederum: Am Ende macht das nichts. Das LEGO-Grundkonzept aus unendlich viel Erkunden, Steinchensammeln und ein wenig Hüpfen plus Rätseln, dazu das Setting, das einen animiert, sofort den Spielzeugladen zu stürmen und echtes Potter-LEGO zu kaufen, all das ist einfach unverwüstlich. Ein paar Ungereimtheiten hin oder her, das ist ein so winziger Wermutstropfen, dass er mich nicht davon abhält, mich auf die endgültige Version Ende des Monats zu freuen. Manche werden sagen „Bah, wieder mehr vom selben Aufguss“, aber davon lassen sich LEGO- und insbesondere Potter-Fans sicher nicht aufhalten. Wer sich um Mitternacht in den Regen stellt, um als Erster ein Kinderbuch zu kaufen, lässt sich von nichts aufhalten.

LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4 erscheint am 25. Juni für... alles.

Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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