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Patapon

Fühle den Rhythmus

Sprechen wird doch mal über Marschmusik. Immer wieder sonntags kratzte die zugestaubte Diamantnadel die letzten Reste Tschinderassa-Bumm aus dem ausgelutschten Vinyl mit dem grandiosen Titel "Unter'm Schellenbaum" und füllte das heimische Wohnzimmer mit Gepauke und Getröte. So etwas prägt. Meine Begründung zur Wehrdienstverweigerung war somit bereits im zarten Alter von zehn Jahren komplett abgefasst im Schreibtisch verstaut. Was also tun, um diese präpubertäre Psychose zu überwinden? Eine Trommeltherapie könnte helfen. Konfrontationstherapie sozusagen, ich muss mich meiner Neurose stellen.

Patapon bietet da eine gute Möglichkeit. Direkt aus dem Hause Sony, aus dem auch schon der hysterisch-fröhliche Loco Roco in die Welt rollte (allerdings nicht von demselben Entwickler-Team), kommen nun auch die Patapons. Mit einem recht merkwürdigen Aussehen – Augäpfel mit Beinchen dran – und folgerichtig mächtigen Defiziten im Bereich der Kommunikation.

Die runden Kreaturen mit Stummelbeinen verstehen nur rhythmisches Getrommel. Grundsätzliche Ideen wie "vorwärts Marsch" oder "Angriff" lassen sich damit bestens vermitteln. Die Position als Heerführer und Pauker muss natürlich der Spieler besetzen, fortan als "Allmächtiger" bezeichnet. Eine helfende Hand haben die Patapons allerdings dringend nötig, denn sie wurden von den Zigotons aus ihrem Land vertrieben. Ein Gegenschlag muss her, um die alte Ordnung wiederherzustellen. Als Allmächtiger stellt man natürlich keine Fragen, sondern haut in die Tasten, um seinen neu gefundenen Schützlingen aus der Patsche zu helfen.

Selbst die Flora rockt mit.

Den Marsch bläst man seinen zyklopischen Kriegern über die rechten PSP-Tasten. Jede Taste repräsentiert eine Trommel: Kreis ist Pon, Vierecke Pata, Dreieck ist Chaka und X ist Don. Um dem kriegslüsternen Haufen nun also Beine zu machen, müsst Ihr ein gut getimtes Pata-Pata-Pata-Pon erklingen lassen. Die munteren Gesellen auf dem Screen antworten darauf mit einem ähnlichen Singsang und setzen sich in Bewegung. Erst dann kann erneut getrommelt werden.

Ein geräuschvolles Metronom gibt den Takt vor, damit Ihr den richtigen Rhythmus einhaltet. Es ist essentiell wichtig, immer im Rhythmus zu bleiben, ohne geht gar nichts. Wahlweise solltet Ihr mit dem Fuß mitgehen, wippen, nicken oder die PSP wie ein Orff-Instrument schwenken – Hauptsache, der Beat sitzt. Gelingt es euch, zehnmal hintereinander im Takt zu bleiben, werden die Patapons aufgeputscht und wechseln in den Fever-Modus. Die Truppe steigert sich immer mehr in den Rausch, die Gesänge werden intensiver und es erfordert viel Konzentration, hier noch den richtigen Rhythmus zu finden, sich nicht ablenken zu lassen.

Fast schon asiatisches Flair.

Überhaupt ist Patapon nichts für unmusikalische Menschen mit Timing-Problemen. Das Halten des Takts ist auf die Dauer anstrengend und schweißtreibend. Um es zu verdeutlichen: Nach einer halben Stunde Patapon fühle ich mich wie nach drei Stunden Wii-Tennis. Durch die ständige Konzentration auf den Rhythmus verpasst man jedoch zuweilen, was auf dem Bildschirm läuft, da man wie in Trance in die Tasten schlägt und sich nur auf den Beat konzentriert. Und plötzlich steht der Gegner vor der Truppe und der Angriffsbefehl muss schnell der marschierenden Scharr übermittelt werden.

Dies geschieht mit etwas Verzögerung, denn nach jeder Trommelansage muss erst die Reaktion der Befehlsempfänger abgewartet werden, Vorplanung und überlegenes Handeln ist also durchaus sinnvoll. Doch nicht nun innerhalb der Missionen ist taktisches Vorgehen gefragt: Patapon offeriert neben einem ausgeklügelten und ungewöhnlichen Rhythmusspiel auch eine strategische Komponente mit Managementfunktionen.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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