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Sperrfeuer gegen Konamis Falludscha-Spiel

"Geschmacklose, schlechte Entscheidung"

Letzten Montag kündigte Konami mit Six Days in Fallujah ein Spiel zur Schlacht um die Irakische Stadt Falludscha an. Man musste nicht besonders wetterfühlig sein, um zu merken, wie sich bereits am Montag die Gewitterwolken über dem Projekt zusammenzogen.

Seit gestern hagelt es vor allem auf der Insel Proteste aus allen möglichen Richtungen: Englische Veteranen, Familienmitglieder verletzter oder getöteter Soldaten und einschlägige Antikriegs-Vereinigungen machten ihrem Unmut laut. Der Vater eines Soldaten, der sein Leben ließ äußerte gegenüber der DailyMail: "Angesichts des enormen Verlustes an Leben in Irak-Krieg, zeugt es von schlechtem Geschmack und sehr schlechtem Urteilsvermögen, den Konflikt in einem Spiel zu glorifizieren ... Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Spiel verboten wird, wenn nicht weltweit, dann zumindest in Großbritannien."

Der ehemalige Oberst Tim Collins ist ebenfalls dieser Meinung. "Es ist viel zu früh, schon jetzt ein Spiel aus einem Krieg zu machen, der immer noch kein Ende gefunden hat. Das ist eine ziemlich gedankenlose Reaktion auf eines der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Geschichte. Das ist besondes intensiv, wenn man sich vor Augen hält, was in Falludscha passiert ist."

Was in Falludscha passiert ist, ist Folgendes: Nach mehreren Monaten der Belagerung der Stadt forderte die US-Armee im November 2004 die Zivilisten auf, diese zu verlassen, weil man beschlossen hatte, den stetig wachsenden Widerstand durch Aufständische mit einem Einmarsch zu stoppen. Nach den blutigen Auseinandersetzungen waren, je nach Quelle, zwischen 38 und über 70 tote US-Soldaten, ungefähr 700 zivile Opfer und mehrere hunderte Verletzte zu beklagen. Auf der Gegenseite sollen ca. 1200 Aufständische ums Leben gekommen sein. Weite Teile der Stadt lagen in Trümmern und ein großer Teil der Bevölkerung kehrte bis heute nicht in ihre Heimatstadt zurück.

Während SAS Veteran und Autor Any McNab TechRadar verriet, dass er den Unterschied zum "Töten von Nazis oder Drogendealern" in anderen Spielen nicht sehe und dem Spiel seinen Segen gibt, weil "Krieg von Medium schon seit Jahren als Entertainment verkauft wird", versicherte Konamis Anthony Crouts dem Wall Street Journal, dass man nicht darauf bedacht sei einen "sozialen Kommentar" abzugeben. Letzten Endes handele es sich doch nur um ein Spiel.

Six Days in Fallujah soll im nächsten Jahr in den USA erscheinen. Über die geplanten Plattformen und einen internationalen Release ist bislang nichts bekannt. Vielen Dank, gamesindustry.biz.

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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