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Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredders Revenge Test - Ich hol jetzt nur noch schnell Pizza, Bier und Freunde.

Das beste Turtles Spiel, seit ihr das Super Nintendo ausgemacht habt.
Eurogamer.de - Herausragend Badge
Schildkröten verprügeln Roboter, so gut wie nie zuvor. Perfekter Look, großartige Spielbarkeit, holt Pizza, Bier und Freunde. Besser wird der Retro-Abend kaum.

Soll ich jetzt wieder über den Retro-Wahn herziehen, ihn analytisch zerlegen…? Soll ich meiner hemmungslosen Liebe zu Retro nachkommen…? Wie spielt sich meine schizophrene Hass-Liebe zur Obsession der Gegenwart in Richtung Vergangenheit heute aus… Mal nachdenken, wie habe ich die letzten Tage mit den Turtles so empfunden…? Okay, hab es. Auf geht’s.

Das neue Turtles Game ist so dermaßen Mega-Cowabunga, dass es einem das Skateboard unter den Chucks wegreißt! Oder so, keine Ahnung, will nur sagen, dass dies hier besser ist als das, was Konami 1989 und 1991 auf Arcade und Super Nintendo ablieferten. Und das zählt immerhin noch mit zum Besten, wenn es um scrollendes Prügeln geht. Besser als früh-90s-Konami? Geht das überhaupt? Scheinbar schon. Natürlich nicht durch die rosa Retro-Brille, aber ja, Tribute Games und Dotemu haben hier mit Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder's Revenge das bessere Game abgeliefert.

Dann bin ich halt simpel gestrickt. Aber dieses Bild macht mich glücklich.

Nun, im Grunde haben sie das gleiche Game abgeliefert. Dann haben sie die kleinen Ecken und Kanten der alten Steuerung herausgenommen. Dann fügten sie eine etwas sinnlose Oberwelt-Karte dazu, die mehr an das NES-Game erinnert. Als Nächstes sorgten sie in den Stages dafür, dass auch mal in andere Richtungen gescrollt wird. Weiterhin brachten sie ein simples, aber sehr effektives Special-Move-System in das Spiel, das das Repertoire sinnvoll erweitert. Dann kam ein klein wenig Progression mit freischaltbaren Boni dazu. Schließlich noch sorgten sie dafür, dass bis zu sechs Spieler gleichzeitig in praktisch jeder off- und online-Konstellation mitmischen können. Aber im Herzen ist es das gleiche Spiel wie 1989.

Und genau deshalb funktioniert es perfekt. Mehr noch als zuletzt bei Streets of Rage 4 zündet der Retro-Funke sofort, weil es das richtige Maß an kleinen Innovationen gab, dieses aber noch einmal mehr optimiert und gleichzeitig so nah an allem, was das Original fast zeitlos machte. Ob die Turtles heute noch so wie damals funktionieren würden, keine Ahnung. Die Filme und Serie muss man mit einem maximalen Maß an Nostalgie schauen. Aber die simple Prämisse an sich – ewig pizzahungrige Ninja, die halt Schildkröten sind und von einer Ratte in New York trainiert werden – plus einfacher, visueller Humor, das zündet ohne Verzögerung.

Selten zuvor klappte in einem Prügler die 'Crowd Control' so gut wie hier.

Visuell sind die zahlreichen Stages eh ein Highlight nach dem anderen, alle in satte Farben getränkt, versehen mit einer Unzahl kleiner und großer Animationen. Ihr findet kaum einen Gegner, der nicht vorher irgendwelchen Blödsinn macht. Sei es eine Pizza mampfen, Gameboy spielen oder was auch immer Foot-Clan-Roboter so tun. Ihre KI muss ein beachtliches Level an Langeweile beinhalten. Egal, mit entweder schnellen Basis-Moves, einer Handvoll Grapplings oder Special-Attacken zerlegt ihr sie zügig und könnt dabei auch Gruppen gut managen. Besser noch als ihre Genre-Verwandten aus Streets of Rage beherrschen die Schildkröten, Splinter und April ihren Tritt und Schlag nach hinten, um sich schnell aus der Misere zu bringen. Auch die Sprunghöhe ist so hoch, dass ihr auf dem Screen sehr mobil seid, wenn es euch in einer Ecke mal zu viel wird oder ein Boss zu sehr auf die Pelle rückt. Es spielt sich einfach perfekt für das, was es ist.

Die Vielseitigkeit der Foot-Clan-KI fasziniert mich auch nach Stunden noch. Hier wird mal nebenbei was angerührt, bevor sie euch mit Kochlöffeln traktieren.

Da hilft es sicher, dass man die Stages kurz hielt. Maximal fünf bis sechs Minuten seid ihr unterwegs, das ist eine gute Zeit, in der ein Übermaß an Routine wenig Chancen hat. Das ist normalerweise früher schon der Untergang vieler Spiele dieser Art gewesen und selbst das Original-Turtles war davor nicht ganz gefeit. Selbst das Problem, dass unterschiedliche Foot-Clan-Gegner eigentlich immer nur Farbwechsel sind, ist eigentlich keins, da sie sich in praktisch jedem Screen immer wieder mit neuen Animationen vorstellen und neue Kampftaktiken auf Lager haben. Und es kann auch nicht schaden, dass es hier und das den Hoverboard-Level gibt, der sich etwas schneller spielt und mehr auf Reflexe setzt, ohne dabei unfair zu sein. Nein, die Langweile, die sich sonst im Genre gern spätestens ab Level 5 zeigt, bleibt hier mal draußen.

Was soll ich sonst noch sagen. Es sind die Original-Sprecher, die hier ihre Zeilen noch mal ausbuddeln durften. Der Soundtrack ist ein mehr als nur gelungener Mix aus alten Themen und neuen Ideen, die Soundeffekte sind knackig wie auch die Animationsphasen, die zum guten Spielgefühl beitragen. Habe ich die Farben, die vielen knackigen Farben in den wundervollen Stages schon erwähnt und dass man mit sechs Leuten spielen kann? Ja? Okay, Zeit, zum Ende zu kommen.

Der Move ist halt ein Klassiker, egal, was ihr sonst an Specials freischaltet.

Vielleicht war ich bei Streets of Rage 4 zu harsch, dann mache ich das hier eben bei Turtles: Shredder’s Revenge wieder wett. Wen interessierts. Wer das spielen will, der tut es eh und der Rest der Welt wird nie verstehen, warum es so cool ist eintausendsiebenhundertzweiunddreißig Mal den fast gleichen Gegner niederzuprügeln, mit gerade mal 20 oder so Moves (was für das Genre ja schon zahlreich ist). Turtles: Shredder’s Revenge ist, wenn es nicht das Beste ist, dann doch mit unter den Besten, die das Genre zu bieten hat. Mit Freunden auf der Couch ist es eine absolute Freude, dreht die Anlage auf, kühlt das Bier, brüllt Cowabunga und prügelt drauflos. Es ist das Turtles-Game, das wir uns nach den ganzen bestenfalls mäßigen Turtles Jahrzehnten verdient haben.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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