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Warhammer 40.000: Darktide – Huch, das ist mehr Vermintide als ich gehofft hatte!

Und leider einsam statt gemeinsam.

Stören euch plattformexklusive Veröffentlichungen? Mich tangieren sie zum Glück selten. Ob ein Spiel für Microsoft- oder Sony-Systeme erscheint, ist mir meist egal, auch weil sich hier natürlich berufsbedingt beide Konsolen das Wohnzimmer teilen. Nur gibt es dabei eine Ausnahme und das sind ausschließlich auf PC oder Xbox spielbare Multiplayer-Titel, auf die ich mich vor allem mit Freunden gefreut habe, die vorwiegend im PSN unterwegs sind. Und dazu gehört eben Warhammer 40.000: Darktide. Denn spätestens seit die aktuelle Beta läuft, weiß ich: Das könnte richtig gut werden.

Eine Beta – jetzt noch? In ein paar Tagen, am 30. November, erscheint Darktide doch schon. Stimmt. Und genau deshalb dürfen Vorbesteller (sowie Presse und Influencer) quasi als Bonus bereits eine stark abgespeckte Version spielen. Eine Art Demo als Vorgeschmack. Und nicht zuletzt auch der letzte Testballon, um kurz vor Release noch einmal grobe Fehler auszumerzen. Denn von denen steckten und stecken noch ein paar besonders üble im Programm.

Tatsächlich war ich in den ersten Stunden nicht gerade begeistert. Abstürze im Zwei-Minuten-Takt ließen die Koop-Action nicht gerade im besten Licht dastehen. Doch das wurde zumindest bei mir mit dem letzten Update komplett behoben, weshalb die Sonne über Darktide jetzt schon eine ganze Ecke heller strahlt.

Science-Fiction statt Fantasy: Nach Vermintide 2 wechselt das schwedische Studio Fatshark ins Warhammer-40K-Universum.

Gut, von buchstäblicher Sonne kann in der gigantischen Turmstadt Tertium freilich keine Rede sein. Aber meine Güte, sieht dieses aus schwarzem Stein und Metall erschaffene Monster von einer Stadt famos aus! Technisch ist es kein Meisterwerk. Aber rein stilistisch sind die bulligen Verschläge und riesigen Tore der Makropole beeindruckend. Besonders das Hub, in dem man zwischen den Missionen neue Ausrüstung kauft, den nächsten Einsatz wählt und anders als im geistigen Vorgänger Vermintide 2 mit anderen Spielern herumläuft, bietet ein paar prachtvolle Ansichten.

Schon den Charaktereditor mit seinen markanten Portraits fand ich ja stark, denn immerhin gestaltet man sein Alter Ego einschließlich Aussehen, Klasse (vier gibt es zum Start) Herkunftsplanet, Vergangenheit und anderen Details in acht Schritten selbst. Sogar das Verbrechen, wegen dem man nach Tertium gebracht wird, um für das Imperium gegen eine Bedrohung aus Chaos und Xenos zu kämpfen, sucht man sich aus. Überhaupt scheint die Erzählung eine größere Rolle zu spielen als in Vermintide 2. Unter anderem wird die Handlung nicht nur gesprochen, sondern auch in Filmszenen erzählt.

Waffen halten bestimmte Gegner und oft den ersten Ansturm auf. Alles weitere erledigt man aber meist im Nahkampf. Nähert man sich Feinden mit Schießeisen, legen sie diese ohnehin zur Seite, wenn man sich ihnen zu nahe kommt.

Aber auch hier die Einschränkung, dass ich anfangs durchaus ernüchtert war und das bis jetzt noch bin. Ich hatte nämlich erwartet, dass Darktide viel mehr Shooter ist als es seine Fantasy-Ahnen waren. Doch tatsächlich „wischt“ man hier mit derselben Leichtigkeit riesige Gegnerwellen aus dem Weg wie das in den Vorläufern der Fall war. Es gibt zwar Waffen und einige Klassen machen davon mehr Gebrauch als andere. Aber dass die Entwickler den Shooter nicht zum Kern gemacht haben und stattdessen weiter hauptsächlich auf Nahkampf setzen, finde ich schade.

Seit ich dank der Absturzfreiheit ein bisschen weiter spielen konnte, merke ich aber auch, dass das Schießen diesmal bei allen Klassen eine wichtige Rolle spielt. Dicke Gegner aus der Entfernung zu beharken, kann zum Beispiel ein entscheidender Vorteil sein. Und es ist schon cool, wenn mein Ogryn seine Schnellfeuerkanone bereitmacht, eine komplette Salve im heranstürmendem Fußvolk versenkt und so den ersten Ansturm aufhält. Wenn dann noch jemand aus dem Team bitte die verdammten Sniper von den Beinen ballern würde… Danke!

Und so sieht es eben meistens aus. Wer Vermintide gespielt hat, kennt den Anblick.

Leider scheint es momentan noch schwer Mitspieler zu finden, die nicht ständig nur zur nächsten Wegmarkierung sprinten, sondern sich auch mal in Ruhe umsehen und überlegt Munitionsnachschub teilen, anstatt vor allem an sich selbst zu denken. Dabei ist es wichtig zusammenzubleiben, weil sich Schilde unter anderem dadurch aufladen, dass man nah beieinander steht. Ich habe meinen Ogryn zwar inzwischen so entwickelt, dass er auch durch schwere Angriffe Stärke zurückgewinnt, trotzdem ist überlegtes Teamwork schon auf dem zweiten von fünf Schwierigkeitsgraden wichtig.

Und deshalb ärgere ich mich eben darüber, dass ich Darktide mindestens eine Zeitlang (die Details der Exklusiv-Vereinbarung sind nicht öffentlich bekannt) nicht mit der Gruppe spielen kann, mit der ich schon den Vorgänger gespielt habe. Denn so ernüchternd es auch ist, dass die Entwickler dem Science-Fiction-Warhammer nicht stärker als Shooter konzipiert haben und stattdessen das Konzept des Fantasy-Schnetzelns nur mit einer Science-Fiction-Verkleidung versehen, so sehr merke ich doch, wie es mich schon in der inhaltlich stark limitierten Beta immer wieder in die dunklen Dungeons des stilvoll eingefangenen Tertiums zieht. Von daher bin ich trotz einiger Skepsis durchaus gespannt, was mich am letzten Novembertag dort alles erwartet.

Über den Autor
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Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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