Gran Turismo Sport - Her mit der FIA-Lizenz!

Die Schönheit und der Sound, alles für die neue Online-Welt.

An Entzugserscheinungen braucht man als Rennspiel-Fan in diesem Jahr wirklich nicht leiden, eher Überarbeitung, stehen doch mit Dirt 4, Assetto Corsa, F1 2017, Project Cars 2, demnächst Forza 7 und noch weiteren reichlich Anwärter auf die begehrte Pole-Position zur Auswahl. Und dann wäre da natürlich Gran Turismo Sport, mit dem Polyphony Digital Studios nach sieben langen Jahren endlich ihren PS4-Auftritt feiert. ^

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Rennen durch die Grüne Holle, der Nürburgring ist eine von 17 im Spiel enthaltenen Strecken.

Bei einem Anspieltermin in Frankfurt konnte ich den Arcade-Modus stilecht in einem Recaro Racing-Seat mit Thrustmaster-Lenkrad ausprobieren und mich mit hyperrealistisch gestalteten GT3-Boliden probeweise auf die Piste schwingen. Der erste Eindruck: Verdammt schick sieht die Rennsimulation mit ihrer kräftig auf Hochglanz polierten Grafik aus. Noch mal so gut, wenn das Spiel auf einer PS4 Pro gestartet wird und der passende Fernseher mit 4K-Funktionalität als Ausgabegerät zur Verfügung steht. Da protzt die Optik dann so richtig mit atmosphärischen Lichteffekten und schönen Details der Rennstrecken, dass ich mir schon insgeheim ausgerechnet habe, wie lange ich für einen neuen TV im Arbeitszimmer sparen muss. Auch am Sound hat sich einiges getan und der Motor meines Porsche 911 GT3 RS röhrt, wie es sich für einen Supersportwagen eben so gehört. Die Kritik an den generischen Klängen der Vorgängerspiele dürfte sich jetzt erledigt haben, denn aus den Lautsprechern dröhnt es ordentlich, wenn ich das Gaspedal durchtrete und die Gangschaltung ist deutlich zu hören.

Technisch auf den ersten Blick also alles im grünsten Bereich, aber wie schaut es mit der Spielbarkeit aus? Auch da kann ich nicht meckern, denn die Fahrzeuge lassen sich präzise steuern und vermitteln das gewohnt sehr gute und spezifische Fahrgefühl der Serie. Das gilt übrigens nicht nur, wenn man über eine Edelausstattung mit Sitz und Lenkrad verfügt, sondern auch für die Standard-Steuerung mittels Controller. Dank Unterstützung des Motion-Sensors, kann mittels Bewegungen gelenkt werden. Könnte ich mich dran gewöhnen, geht weit besser als man erst meinen sollte.

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Neben GT3-Boliden, kommen auch Rallye-Fahrzeuge zum Einsatz. Die Stärken von GT Sport liegen aber klar auf dem Asphalt.

GT Sport erhebt dabei nicht den Anspruch nur eine Hardcore-Simulation zu sein und liefert drei Voreinstellungen für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis, die sich maßgeblich in der Anzahl der zugeschalteten Fahr- und Lenkhilfen und der Leistung der KI-Gegner unterscheiden. So ist es auch für einen totalen Neuling problemlos und frustfrei möglich, die ersten Rennen erfolgreich zu bestreiten und nicht nur trostlos dem Feld hinterherzufahren. Ein Blick in das übersichtliche Menü erlaubt dann individuelles Feintuning, beispielsweise die Auswahl der Reifen, separat für Vorder- und Hinterachse oder Eingriffe in die Traktionskontrolle.

Was noch fehlt, ist ein Schadensmodell: Egal ob ich mit 180 Sachen in die Bande krache oder unfair einen Gegner von der Bahn ramme, an meinem Hochglanzlack entdecke ich nicht die kleinste Schramme. Auf Nachfrage wurde mit gesagt, dass ein entsprechendes Modell noch implementiert würde. Wie genau das aussieht, ob vielleicht werden Reifen-, Gangschaltungs-, und Motorschäden die Fahrleistungen beeinflussen, kann ich nicht sagen. Ich würde aber darauf wetten, dass auf sichtbare Schäden weiterhin verzichtet wird, die Autohersteller mögen das einfach nicht.

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Das Fahrgefühl ist gewohnt klasse und diesmal kommt auch ein ordentlicher Motorklang aus den Boxen.

Ebenfalls scheint es auch erneut kein dynamisches Wettermodell zu geben. Zwar kann ich vor dem Start eine von fünf vordefinierten Tageszeiten auswählen, eine Änderung der Witterungsverhältnisse während des Rennens war aber nicht zu erleben. Und wenn wir schon beim Mäkeln sind, soll auch die eingedampfte Kampagne nicht unerwähnt bleiben. Tuning-Fans, die ihre Freude daran haben, sich über hunderte Stunden in einem klassischen Karrieremodus ein Auto nach dem anderen für virtuelles Geld zu kaufe und fleißig am eigenen Wagen zu schrauben, müssen jetzt stark sein:

Die Einzelspielerüberbleibsel konzentrieren sich jetzt auf den Arcade-Modus, mit Einzelrennen, Zeitrennen oder Drift-Wettbewerben, bei denen man auch ohne eine dauerhafte Onlineverbindung seinen Spaß als Solospieler haben kann. Danbeben gibt es noch die ausführliche Fahrschule mit gut 50 Lektionen, Circuit Challenges, Mission Challenges und der neue Punkt Racing Etiquette. Spannend finde ich dabei die Circuit Challenges, bei denen ich nur einen Teilabschnitt einer Rennstrecke fahren kann, beispielsweise die fordernde Nordkurve am Nürburgring. Wenn ich in der Grünen Hölle einfach nicht auf eine Bestzeit komme, wiederhole ich den Teil eben immer wieder, bis ich auch die letzten Hundertstel herauskitzle und brauche dazu nicht immer wieder die kompletten 26 KM Gesamtstrecke zu fahren. Durch das Erfüllen von Missionen und dem Absolvieren der neu eingeführten Daily Workouts, bei denen man täglich möglichst viele Meilen auf den Strecken zurücklegen soll, fließen die Credits auf das Konto, die ich in neue Fahrzeuge für den Fuhrpark investieren kann. Seht ihr, es ist nicht alles verloren: Sparen für neue Autos gibt es noch.

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Die PSVR-Unterstützung einiger ausgewählter Rennstrecken kann sich sehen lassen und sorgt für ein gelungenes Mittendrin-Gefühl.

Das war es dann auch zum Thema Solospieler-Vergnügen und ganz ehrlich: Aktuell denke ich schon, dass ich die klassische Kampagne vermissen werde. Darüber trösten mich dann auch der Splitscreen-Modus für ein lokales Rennen gegen einen Kumpel und die PSVR-Unterstützung nur etwas hinweg. Obschon die VR-Strecken für eine gelungene Immersion sorgen und ich mich auf dem virtuellen Nürburgring fast wie in einem richtigen Rennwagen gefühlt habe. Allerdings beschränkt sich die Auswahl auf wenige Strecken und es befindet sich auch nur ein einziger Gegner auf der Piste. Da merkt man deutlich, dass die Technik noch hart an ihre Grenzen stößt. Spaß machen aber ein paar Runden in der virtuellen Realität aber allemal.

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Die ganz dicken Schlitten bekommt man nicht sofort, aber auch zu Beginn ist im Arcade-Modus die Auswahl durchaus üppig.

Das Kernstück von GT Sport sind aber die kompetitiven Online-Rennen des Sports Mode, die einen internationalen Wettkampf der Konsolen-Sportler in den Vordergrund stellen. Um den Turnieren so richtig Gewicht zu verleihen, arbeitet Polyphony Digital mit der FIA, dem Dachverband des Automobilsports, zusammen und will in Zukunft auch virtuelle Rennfahrer mit einer FIA-Lizenz ausstatten. Das bedeutet aber auch, dass sich an das offizielle FIA-Reglement gehalten wird, das Pisten-Rowdys für unsportliche Aktionen gnadenlos abstraft. Wie man sich denn bitteschön auf der Strecke zu Verhalten hat, bekomme ich im Abschnitt Racing Etiquette eingetrichtert. Benehme ich mich in den Online-Wettkämpfen dauerhaft daneben, dann werde ich beim Matchmaking aussortiert und der Traum von der eigenen Lizenz ist dahin. Für immer? Im Oktober wissen wir dann endlich mehr.

Entwickler/Publisher: Polyphony Digital/Sony - Erscheint für: PS4 - Geplante Veröffentlichung: 18. Oktober 2017 - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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