Rückwärts gedacht

Free China, mehr Euros für Bobby und Vergabe des Ehrentitels "Die Krasse"

Ruhe in Frieden „Rückwärts durch die Woche“, willkommen „Rückwärts gedacht“. Warum der Wandel bei unserer Wochenkolumne, die immer noch im Wechsel von Alex und mir geschrieben werden wird? Es war uns einfach zu schwierig, jeden Tag etwas zu finden, was sich zu kommentieren lohnte. Stattdessen suchen wir uns jetzt zwei bis drei aktuelle Themen raus, über die es sich unserer Ansicht nach lohnt, noch einmal zu sprechen. Viel Spaß dabei!

Free China… from the Skeletons.

Andere Länder, andere Schnitte , wie Kollege Fränkel so treffend feststellte. Und „in China essen sie Hunde“ ist auch keine leere Phrase. Wenn man in Shanghai durch die Straßen geht, fragt man sich mitunter schon, ob man vor einem Tierladen oder einem Snackverkauf steht. Im Zweifelsfalle beides, Knochen und Blut fallen da auch jede Menge an. Das ist dort völlig legal und gehört dazu. Warum also haben sich die Autoritäten so zickig, wenn es um Skelette und Blut in Azeroth geht ?

1
Du darst rein, aber Dein knochiger Kumpel rechts bleibt draußen.

Die Begründung liest sich denkbar blumig und erinnert einen daran, dass es hier zwar auch gelegentliche Auswüchse seitens der Behörden geben mag, aber bisher hat noch niemand verkündet, das Internet zu „reinigen“. Jedenfalls nicht dermaßen gründlich. Chinas Präsident Jintao will aber genau das tun. Alles, was die „Sicherheit der nationalen kulturellen Information“ bedroht und seinem Versuch, eine „harmonische Gesellschaft“ durchzusetzen, gefährdet, wird angegangen. Dazu gehört natürlich auch das Blocken von Pornoseiten – während im Fernsehen die Hinrichtungen immer noch übertragen werden – und auch das Blut in Onlinegames – während Uiguren und Tibetaner immer noch zur nationalen Harmonie zwangsverpflichtet werden.

Nur für die Sache mit den Skeletten habe ich zumindest vages Verständnis. Skelette sind schließlich Untote, damit ehemals Lebende, die hier in denkbar ungünstigster Form zurückkommen. China hat einen uralten und tief verwurzelten Ahnenkult. Tote schlafen nur und können wieder erwachen. Orakel können mit ihnen in Kontakt treten und in fast jedem Haushalt gibt es einen kleinen Familienschrein, wo man den Vorfahren opfert und sich Rat holt. Die Vorstellung, dass Großpapa Wong dann plötzlich mit einem Säbel durch Azeroth stapft, scheint sich da irgendwo quergelegt zu haben und stößt sicher bei vielen Chinesen eher negativ auf.

Nur was das Tempo angeht, mit dem Blizzard sein Spiel umstrickte, da bleibt dann doch mal wieder ein sehr schaler Beigeschmack. Geld regiert die Welt und davon hat China jede Menge. Auch WoW-Spieler. Also einfach Augen zu und bei der nationalen Harmonie mitgemacht. Alle anderen machen es doch auch. Stimmt. Schade. Free Tibet? Machen wir später.

Spielen wir zu billig?

Bobby Kotick, Activisions CEO, ist mitunter schon ein wenig das, was man eine Rampensau nennen könnte. Um markige Worte ist er nie verlegen, und während er noch kürzlich bei Sony für die Margen-Schmälerung mittels Preissenkungen bei der PS3 warb, ist es diesmal direkt der Endkunde, der für bessere Quoten bei Activision sorgen soll .

2
Activisions CEO Bobby Kotick

Ich habe mal so in meinen verworrenen Erinnerungen geblättert. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass Video- und vor allem Computerspiele heute eigentlich spottenbillig sind. Zumindest wenn man es mit den Preisen der 90er vergleicht. Damals legte man für ein Civilization oder Wing Commander 3 noch freudestrahlend 130 bis 140 DM auf den Tisch, was inflationsbereinigt wohl gefühlten 4000 Euro und realen 70-80 Euro entsprechen dürfte. Und das waren PC-Spiele, auf der Konsole ging es mitunter sogar anfangs bis auf 150 hoch, 130 war ein Standardpreis.

Auch war der Preisverfall bei Weitem nicht so drastisch. Jetzt dauert es keine drei Monate – Modern Warfare ist eine der wenigen Ausnahmen – bis der Preis zumindest ein Drittel runtergeht. Vor ein bis zwei Dekaden waren die Preise eines Spiels teilweise über Jahre stabil. Klar, die Absatzzahlen sind heute weit größer, aber das sind auch die Produktionskosten. Und während erstere zwar auch weiter steigen, scheinen letztere mitunter geradezu zu explodieren. Dazu kommt noch ein Konkurrenzdruck, der weit höher als beispielsweise in der Filmbranche ist.

Der Preis für eine Kinokarte oder eine DVD ist gering, da greift der Kunde halt doch schneller zu, als bei einem 50 oder mehr Euro – Titel. Verständlich, dass Activision und sicher auch der Rest mit ihren sicheren Nummern – wozu Modern Warfare 2 wohl definitiv gezählt werden kann – die Gewinnspanne erhöhen möchten. Die Frage ist: Werden sie es bald vielleicht sogar müssen? Hardcore-Gamer schreien immer nach Innovation und Experimentierfreude. Dieses Geschäft ist aber kein sicheres Brot und es muss durch die „Basis“-Titel eingespielt werden. Wenn also das nächste FIFA, Tony Hawk oder eben CoD dann mehr kostet, dürft ihr es als Finanzstütze für ein Mirrors Edge oder Prototype sehen. Sachen halt, bei denen am Anfang keiner weiß, ob sie ihr Geld bringen. Nur, damit wir sie genießen können, muss die Kohle ja trotzdem erst mal irgendwo herkommen.

Um wirklich jetzt zu verstehen, wie die Firmen die Preise gestalten und wo die Gewinnmargen eines einzelnen Titels liegen, fehlen häufig ein paar öffentliche Kennzahlen, aber allzu prall geht es keinem der Großen seit dem Beginn der Finanzkrise. Richtet euch also schon mal darauf ein, dass es bald ein wenig teurer werden könnte, zuhause mal abzuschalten, indem man ein aktuelles Game einschaltet. Wundern würde es mich nicht.

„Die Krasse“

Eine kleine Bekanntmachung in eigener Sache zum Schluss: Tanja „Lea“ Menne wird hiermit offiziell der Ehrentitel „Die Krasse“ verliehen. Innerhalb von nicht einmal 48 Stunden standen die ersten Seiten der Komplettlösung zu Divinity 2 – Ego Draconis bereit. Keine weiteren zwei Tage später ist das Ganze auf eine schier unglaubliche Menge gelöster Quests und sonstiger Tipps angewachsen. Ein Interview mit ihr gibt es leider noch nicht, da sie immer noch erst wieder vorsichtig zurück in das normale Leben geführt werden muss. Auf Fragen, wie viele Anschläge in der Minute das waren, kamen eher verwirrende Aussagen: „Das Erz des roten Eisens! In der Höhle… Seht euch vor, da, Dreavan!!“

Man rechnet damit, dass es noch bis morgen früh dauern könnte, bis sie wieder ganz die Alte ist.

„Rückwärts gedacht“ erfreut/schockiert/nervt/lockt/reizt/belästigt euch ab sofort wöchentlich mit den großen Gedanken der kleinen Geiste von Alex und Martin.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (18)

Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

Weitere Inhalte

Ninja ist zurück auf Twitch

Ein Jahr, nachdem zu Mixer wechselte.

WRC 9 bringt euch zurück nach Japan

Seht mehr im neuen Trailer.

PUBG erweitert E-Sport-Kalender um die Continental Series 3

Und nennt Termine für die PCS2 Grand Finals.

Weitere Themen

Kommentare (18)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading