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Crysis

Von dreckigen Scheiben und einem Anzug, der es in sich hat

Lead Designer Jack Mamais kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Natürlich lässt sich die CES in Las Vegas nicht mit der E3 vergleichen. Weder die Größe, noch der Rummel, der sich dort abspielte. Aber die Reaktionen auf Crysis, Mamais' Baby, lässt auch hier keine Interpretation zu: Selbst in der Pre-Alpha-Version haut es einen aus den Socken!

„Das noch nicht einmal das Beste“, sagt er mit einem verschwörerischen Unterton. „Wir haben noch Sachen in der Hinterhand, die das hier grässlich aussehen lassen. Es wird unglaublich. Ich kann es selbst kaum glauben. Es sieht aus wie fotografiert. Man kann sich die entsprechenden Bilder schnappen und neben Screenshots legen – ein Unterschied lässt sich nicht feststellen.

Zum letzten Mal wurde Crysis auf der E3 im Mai gezeigt – wenn man über die kurze Präsentation auf der Games Convention hinweg sieht. Und was sich jetzt auf dem Bildschirm abspielt als „grässlich“ zu bezeichnen, reicht aus, um uns ins Schwitzen zu bringen. Mamais erzählt uns, was alles neu in dieser Version ist: „Wir lassen die Leute spielen, was wir auf der E3 nicht gemacht haben“, sagt er. „Wir konzentrieren uns in diesem Level auf die Verwendung des Anzugs. Die Künstliche Intelligenz funktioniert schon. Die der Fahrzeuge ebenfalls – und man kann sie auch schon fahren. Es passiert also eine ganze Menge Neues.“

Der Level, um den es geht, spielt in einem kleinen Dorf in Nordkorea (die Geschichte dreht sich irgendwie um Nordkorea und ein ausgeflipptes Asteroiden-Raumschiff) und es müssen alle Bösewichte umgelegt werden. Die spielbare Version wurde zur Präsentation des Alarmsystems und des mittlerweile berühmten Anzugs, den man das ganze Spiel über trägt, erstellt.

„Es liegt ganz an Dir, wie Du kämpfen möchtest“, sagt Mamais. „Willst Du mit dem Kopf durch die Wand, kannst Du Dir eine dicke Wumme holen. Wenn Du lieber im Verborgenen agierst, dann holst Du Dir besser eine Pistole, packst einen verrückten kleinen Schalldämpfer drauf und schleichst durch die Gegend.“

Auf der letzten E3 wurde viel über das Konzept des Power-Anzugs geredet, aber jetzt kann man ihn zum ersten Mal ausprobieren! Der Anzug hat drei Einstellungen: „Speed“, „Armour“ und „Strength“ – alle werden über das Mausrad ausgewählt. Mit „Speed“ kann man solange sprinten, bis der dazugehörige Balken auf dem Bildschirm verschwunden ist. Es wird aber auch das Nachladen der Waffen verkürzt. Das bedeutet, dass es mitten in Feuergefechten vorkommen kann und vermutlich sogar erforderlich ist, zwischen „Speed“ und „Armour“ hin- und herzuschalten.

Wir erfahren von einem netten Trick, der sich mit „Speed“ ausführen lässt. Wie in Far Cry kann man auch in Crysis schwimmen. Mit kann schnell genug werden, um wie ein Delfin aus dem Wasser zu schießen, mitten in der Luft eine Waffe auszuwählen und ein paar Salven abzufeuern, bevor man wieder eintaucht.

„Armour“ lässt den Charakter langsamer laufen. Dafür kann man aber nicht so leicht umgelegt werden und man regeneriert Lebenspunkte, wenn man sich nicht bewegt. Es gibt Stellen im Spiel, in denen man von sehr hohen Klippen springen muss. Und der einzige Weg, das zu überleben, ist den „Armour“-Modus kurz vor dem Aufprall zu aktivieren.

Mit „Strength“ kann man schwere Gegenstände aufheben und werfen. Und man kann deutlich höher springen. Jack Mamais weist darauf hin, dass dies das Spielgeschehen ein wenig vom Boden entfernt und sich Höhenvorteile erarbeiten lassen. Wir drücken das Mausrad, wählen „Strength“, springen auf das Dach – und krachen durch die Latten in das Gebäude. Aber er hat natürlich nicht unrecht. Ein weiterer Vorteil von „Strength“: Sniper Rifles lassen sich sicherer halten.

Generell scheint diese Fähigkeit wesentlich für das Spiel zu sein. Wir haben „Strength“ immer noch aktiviert und nähern uns unter Mamais' Anweisungen einem feindlichen Soldaten. Wir packen ihn mit einer Hand und tragen unsere Waffe in der anderen. Man kann Gegner werfen und sie gegen eine Wand pfeffern. Und „Strength“ funktioniert mit allem im Spiel. Granaten lassen sich zum Beispiel weiter werfen. Fässer lassen sich Feinden entgegen schleudern – nachdem man C40 an ihnen angebracht hat...

Wenn man einen neuen Modus des Anzugs auswählt, so ändert er seine Farbe und die feinen „Adern“ glühen in einem anderen Licht. „Strength“ ist rot, „Speed“ ist blau und „Armour“ silber. Die Änderung der Farben hat zwei Gründe: Erstens bekommt man ein optisches Feedback, in welchem Modus man sich gerade befindet. Zweitens, und sehr viel bedeutender, verändert sich die Farbe auch im Multiplayer. Man kann also sehen, welche Fähigkeiten die anderen gerade einsetzen. Immer auf die Blauen – sie sterben schneller.

Mit dem modularen Waffensystem konnten wir auch ein wenig herumspielen. Jeder Schalldämpfer und jedes Zielfernrohr lässt sich an jeder Waffe befestigen. Wir knöpfen einem Nordkoreaner eine Schrotflinte ab und befestigen daran ein Fernrohr. Nutzlos. Natürlich nutzlos, aber man kann es machen. Im fertigen Spiel sollen verschiedene Geschosse, Granatwerfer, Taschenlampen und mehr vorhanden sein.

Die Fahrzeuge, zweiter Aspekt dieser Demo, verdienen besondere Erwähnung. Sogar jeder Reifen wurde modelliert. Ein Plattfuß führt also dazu, dass Funken sprühen und sich das Fahrzeug kaum noch kontrollieren lässt. Das gilt natürlich auch für die vom Computer gesteuerten Vehikel. Wenn man also einen Jeep mit drei Soldaten sieht, sollte man auf die Pneus zielen. Die Chance ist groß, dass er danach in einen Baum kracht und explodiert. Fahrzeuge können aus der Ego-Perspektive oder aus der Draufsicht gefahren werden.

Crysis zeigt viel Liebe zum Detail. Als wir zum ersten Mal hinter das Steuer eines Jeeps klemmten, konnten wir kaum durch die Frontscheibe sehen, so verdreckt war sie. Wenn man sie zerstört, so bleiben Glassplitter mit Dreck-Texturen übrig, aber die Berge und Bäume sind durch die Löcher voll sichtbar.

Jack Mamais sieht glücklich aus als wir ihm sagen, dass sein Spiel vermutlich das beste aller Zeiten ist. Wir wissen, das wurde schon tausendmal gesagt. Aber Crysis sieht schlicht und ergreifend erschütternd gut aus.

„Wir sind total aufgeregt über die ganzen Artikel um Crysis“, sagt er. „Wir sind selbst Spieler, also lesen wir auch gerne über unseres in Magazinen. Wir hoffen, dass wir die Erwartungen noch übertreffen können.“

Das hoffen wir auch. Wann ist es denn fertig?

„So bald wie möglich“. Er lächelt immer noch. „Wir hoffen dieses Jahr, aber wir sagen nichts zu und machen zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch keine Versprechungen.“

Wir können warten. Und sei es nur, um diesen Delfin-Trick auszuprobieren.

Ein neues Gameplay-Video findet Ihr auf Eurogamer-TV. Noch mehr Infos, Bilder und Videos auf der dazugehörigen Game-Page.

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