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Die 9 besten Marvel-Serien zum Bingen über Weihnachten

Genug Superhelden für die Zeit vor, beim und nach dem Fest.

Da ich in letzter Zeit dank Shang-Chi und Hawkeye doch wieder ordentlich im Marvel-Fieber bin und ohnehin regelmäßig über die Disney-Plus-Serien und Filme zum Thema schreibe, dachte ich mir, es ist mal Zeit für eine Liste. Auch als vorläufiges Fazit des TV-Arms des aktuell vielleicht größten Entertainment-Franchises. Hier also das Ergebnis.

Wer sich wundert, dass es bereits neun Marvel-Serien gibt, darf sich gleich noch ein wenig fester wundern, den technisch gesehen gibt es deutlich mehr. Aber ein paar habe ich nicht gesehen und ein paar andere fand ich so schlecht, dass ich besser keine Worte darüber verliere. Von Helstrom hatte ich noch nicht einmal gehört - und das ist offensichtlich besser so. Iron Fist ist in Staffel zwei angeblich doch noch ein wenig besser geworden, aber der erste Durchgang hat mir das Thema (und die Visage der Hauptfigur) so versauert, dass ich mir die Mühe nicht gemacht habe. Und je weniger man über Inhumans spricht, desto besser.

Die gute Nachricht ist, dass die neun hier gelisteten mindestens sehenswert sind, wenn man sich für das MCU oder dessen erweiterten Kanon interessiert. Das schlimmste, was ich über die meisten hiervon sagen kann: Sie wirken bisweilen etwas unrund, schwanken von Folge zu Folge stark in der Qualität oder tragen interessante Gedanken nicht zur vollen Blüte. Ansonsten ist das hier schon auf Platz neun mehr als anständiges Fernsehen.

Wollen wir?


9. Luke Cage

Netflix' Marvel-Parallelwelt war verhältnismäßig kurzlebig und litt immer darunter, dass die Film- und Fernsehwelten sich offenbar niemals wirklich treffen durften. Die Produktionswerte sahen entschieden nach TV aus und so ganz nahm man diesen Produktionen nie ab, dass sie im selben Universum spielten, wie die Abenteuer von Cap, Iron-Man, Thor, Hulk und Black Widow. Dennoch hatten auch diese Shows schon wahnsinnig gute Ansätze. Die sah man selten so deutlich wie in etwas mehr als der Hälfte der ersten Staffel von Luke Cage, die wie auch Jessica Jones bestens darauf geeicht war, das Leben von Helden mit weniger weltenretterischen Ambitionen zu zeigen.

Der Rest der ersten Season ist ab einem entscheidenden Punkt allerdings beinahe gruselig schlecht und zerstört viel, was Staffel zwei dann wieder aufbauen darf. Das macht sie zwar gut, aber Luke Cage fühlt sich nach hinten raus unvollendet und unrund an. Ich hoffe dennoch, dass wir Mike Colters Helden mit unzerstörbarer Haut noch einmal wiedersehen. Abgesehen von Captain Marvel kommt es viel zu selten vor, dass die MCU-Helden mal Spaß an ihren Mächten demonstrieren - und Luke Cage suhlt sich beinahe in seiner körperlichen Überlegenheit.


8. Jessica Jones

Wie so viele der Netflix-Serien hat auch Jessica Jones ein wenig darunter zu leiden, dass die Produzenten die Superkräfte der heruntergekommenen Schnüfflerin nicht besonders gut auf den Bildschirm übersetzen. Da fehlte es eindeutig an Effekt- und Stunt-Budget. Dennoch dürfte die erste Staffel Jessica Jones zum Besten gehören, was zum Thema Marvel an Fernsehserien existiert. Das liegt insbesondere an Jessica Jones' Gegenspieler Kilgrave/Purple Man, brillant gespielt von Doctor Whos David Tennant, dessen Superkraft wohl eine der schaurigsten im MCU sein dürfte: Er kann andere kontrollieren, auch Superhelden.

Im Gegensatz zur körperlichen Action setzt die Serie Kilgraves Kräfte mehrfach eindrücklich zur Schau und setzt sich klug damit auseinander, was eine solche Gedankenkontrolle mit den Opfern macht. Vor allem, weil die Protagonistin Jessica Jones jahrelang unter dem Einfluss des Purple Man stand. Die übrigen Staffeln sind weit weniger interessant als der sackstarke Auftakt und verlieren sich irgendwann im dezent seifigen Serien-Kleinklein. Schade, aber da sowohl Jon Bernthal als Punisher als auch Krysten Ritter als Jessica Jones Gerüchten zufolge verdiente neue Auftritte im MCU haben werden, halte ich eine Rückkehr nicht für ausgeschlossen.


7. Falcon and the Winter Soldier

Falcon and the Winter Soldier hat so vieles richtig gemacht, es grenzt an eine Tragödie, wie Marvel ein paar entscheidende Punkte in den Sand setzte. Der Look und die Action waren fantastisch, die Chemie zwischen Bucky und Sam stimmte und die Storyline um die Nachfolge von Captain America war für #TeamCap eine Herzensangelegenheit, die mit viel Fingerspitzengefühl angegangen wurde. Aber über den Baron-Zemo-Retcon bin ich bis zum Schluss nicht hinweggekommen, die gegnerische Fraktion der Flag Smasher war zu keiner Sekunde überzeugend. Und wie lahm die Predigt war, die Sam Wilson am Schluss der letzten Episode den realitätsfernen Politikern gibt, daran erinnere ich mich nur ungern.

Unterm Strich ist die Serie immer noch mehr als ok, und vor allem sehr unterhaltsam und ich mag, wie sie auch das Rassenthema aufgreift. Aber das Erbe des vielleicht wichtigsten Avengers hatte ein besseres Skript verdient. Stattdessen verstolperte man es, weil man aus Lust an Twists und Überraschungen ein paar doofe Entscheidungen zu viel traf.

6. Daredevil

Ich bin in der schwierigen Lage, dass ich nur schwer beschreiben kann, warum ich Netflix' Daredevil so gerne mag, obwohl ich einige Probleme mit der Umsetzung habe. Das Kostüm funktioniert für mich nicht, Elektra und was sie mit Matt Murdoch macht, ist doof, die weithin gelobte Leistung von Kingpin-Darsteller D'onofrio schien mir zu überspielt, fast wie die Karikatur eines Filmbösewichts. Und auch hier nimmt man trotz ausgezeichneter Kampfchoreografie Matt Murdoc als nicht ganz so außergewöhnlich beziehungsweise "super" wahr. Und doch habe ich eine große Schwäche für Daredevil, was sicher nicht zuletzt an dem zentralen Cast und ihrem Umgang miteinander liegt. Das Dialogbuch ist spritzig, die Figurendynamik schön lebendig und tonal überzeugt die Serie auf ganzer Linie. Ich freue mich auf eine mögliche Rückkehr für Cox im nächsten Spider-Man-Film.


5. oder höher: Hawkeye

Von Hawkeye habe ich erst vier der sechs Folgen gesehen. Ein abschließendes Urteil kann ich mir deshalb noch nicht erlauben. Was ich aber sagen kann ist, ich rechne nicht damit rechne, dass diese Serie vom fünften Platz noch abrutschen wird. Eher geht es noch ein wenig nach oben. Folge vier war die bisher beste und zog die Serie auf Kurs für ein ebenso spannendes wie interessantes Finale, da nun mehr oder weniger alle Karten auf dem Tisch liegen. Hawkeye beweist auch einmal mehr, warum sich Marvels Poker, hochdekorierte Schauspieler zu engagieren, weiterhin auszahlt: Renner und Steinfeld sind so gut in ihren Rollen, dass man auch die unwahrscheinlichsten unter den unfassbaren Bogen-Kunstschüssen noch glaubt und gleichzeitig gut über das widerwillig-liebevolle Hin-und-her der Figuren lachen kann.

Der 'grumpy old man' unter den Avengers trifft auf ein jüngeres Gegenstück - und das macht eine Menge Spaß.

Hawkeye ist ebenso auf die Charaktere zentriert wie Wandavision, nur dass Clint Bartons Probleme im Anschluss an die Geschehnisse von Infinity War und Endgame noch ein wenig besser nachfühlen kann. Gut möglich, dass die Serie noch unter den ersten dreien landet.


4. Wandavision

Wandavisions Kreativität begeistert, wenngleich die vielen falschen Fährten, der überdrehte Endkampf in der letzten Folge und die nonchalante Art, Nebenfiguren einfach zu vergessen, nicht hätten sein müssen. Allerdings ist es eines der wenigen Male, dass ich bei Marvel wie ein Schlosshund geheult habe - auch wenn ich zugeben muss, dass es auf Story-Ebene eigentlich nicht funktioniert, wie das hier aufgelöst wird. Kurz: Ich weine, weil - Geschwärzt! Zu viel Spoiler!

Muss mich zusammenreißen...

- Geschwärzt! Alex, zu viel gespoilert! - Dennoch bleibt hier kein Auge trocken - und als Gleichnis auf die Macht der Akzeptanz und des Lebwohl-sagens, landet Wandavision das Kunststück am Ende eben doch. Zu einem nicht gerade kleinen Teil ist das natürlich den exzellenten Darstellern zu verdanken. Ich bin gespannt, wie es für diese Figuren weitergeht.


3. Agent Carter

Agent Carter legt im Nachhinein ein schönes Fundament unter alles, was nach dem First Avenger kommt. Die Zeitreise in die Nachkriegsjahre ist damit fast schon Pflicht für Freunde des MCU und wirkt wie Kitt zwischen den Phasen eins bis drei. Außerdem ist das Arbeitsplatz-Drama um eine Frau in einer Männerdomäne fast immer ausgezeichnet anzuschauen. Sicher auch, weil neben der charismatischen Hayley Atwell als Peggy Carter Könner wie Shea Wigham als Abteilungsleiter Dooley und James D'Arcy als Jarvis eine Menge Herzblut in ihre Figuren stecken. Auf beide Staffeln gerechnet vermutlich die Serie mit dem stabilsten Qualitätslevel, die das MCU hervorgebracht hat.

Haley Atwell hatte mehr verdient, als den Love-interest-Job - und eine der besten Serien des MCU bekommen.

2. What if... ?

Eine kontroverse Wahl, sicherlich. Besonders, weil alles, was in What if...? passiert, wenige bis gar keine Auswirkungen auf den Rest des MCU haben dürfte. Aber die Show überzeugt mit clever ins tatsächliche Kinouniversum eingebundenen Alternativszenarien und einigen der besten Actionszenen, die man von Marvel je sah. What if...? mag seine Spuren nicht auf den anderen Filmen und Serien hinterlassen, aber es zieht maximales Kapital aus der Verwandtschaft zu ihnen. Wenn man wie ich die Filme fast ausnahmslos schon mehrmals sah, ist es eine helle Freude, wie kompromisslos viele der Charakterschicksale umgekrempelt werden und wie wenig Marvel heilig ist. Allein dafür eine rundherum empfehlenswerte und irrsinnig unterhaltsame Serie. Unkomplizierte und doch wahnsinnig involvierende Einzelgeschichten, auf hohem technischen und künstlerischen Level umgesetzt.


1. Loki

In Konzept und Vision noch vor Wandavision die mutigste der MCU-Serien - und stilistisch ohne Frage die ansprechendste MCU-Erweiterung ist Loki. Die Heldwerdung des adoptierten Frostriesen im schnellen Vorlauf kultiviert den Charakter auf spannende Weise weiter und hat im Grunde nur die eine Schwäche, dass es gefühlt mittendrin aufhört, mit dem gemeinsten Cliffhanger seit einer ganzen Weile. Sicher, man muss ein Finale schlucken, in dem hauptsächlich geredet wird und darf der kosmisch-magischen Seite dieses Universums respektive dieser Universen nicht abgeneigt sein. Aber die Ereignisse in Loki machen doch ein spannendes Fass für die nächste Phase des MCU auf.

Zahlreiche Touches habe ich (trotz des einen oder anderen empfundenen Zeitparadoxons) sehr genossen. Dass Loki sich gewissermaßen in sich selbst verliebt, ist ein gottgleicher Kniff, der tief in seinen Charakter blicken lässt. Und darin, dass Thors problematischer Bruder am Ende schon wieder der Auslöser für kommende Avengers-bezogene Streiche sein dürfte, das hat nicht weniger Poesie als die unmögliche Selbstliebe. Eine Show, die man nicht verpassen sollte - auch weil ihre Ereignisse das MCU nachhaltig prägen dürften.

Loki und Loki - (k)ein Herz und eine Seele.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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