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Die Siedler: Neue Allianzen im Test - Kein schlechtes Spiel, aber...

Die klare Vision fehlt.

Serien-Fans wird der neue Teil aufgrund seines mangelnden Tiefgangs enttäuschen, grundsätzlich ist es aber gut spielbar.

Ich bin mir nicht sicher, ob Ubisoft Düsseldorf selbst so genau wusste, was sie mit Die Siedler: Neue Allianzen anstellen wollten. Einerseits hat man mit Die Siedler eine bekannte und langjährige IP in der Hinterhand, andererseits möchte man vielleicht mal Dinge anders machen. Beides harmoniert nicht immer gut miteinander, wie die stark kritisierte Beta vor mehr als einem Jahr zeigte. Jetzt ist Die Siedler: Neue Allianzen da und präsentiert sich als zweischneidiges Schwert. Wie gut euch das gefällt, hängt maßgeblich von euren Erwartungen und Ansprüchen ab.

Stellt euch folgende Frage: Möchtet ihr ein pures, unverfälschtes Siedler-Erlebnis wie früher haben? Dann solltet ihr vielleicht lieber einen der Klassiker einwerfen und mit diesem euren Spaß haben. Die Siedler: Neue Allianzen tut sich nämlich schwer mit seinem Erbe. Einerseits möchte es das aufgreifen und das tut es auch, andererseits bleibt dabei aber der Tiefgang auf der Strecke.

Schöne Siedler-Welt

Fangen wir aber erst einmal mit etwas Schönem an. Buchstäblich. Angetrieben wird Die Siedler: Neue Allianzen von Ubisofts Snowdrop Engine, die ihr etwa aus The Division kennt. Im neuen Siedler-Teil zaubert sie bildschöne, farbenfrohe und einladende Landschaften auf den Bildschirm. Auf diesen saftig grünen Wiesen und an den einladenden Sandstränden mit ihrem kristallklaren Wasser möchte man glatt selbst Urlaub machen und all seine Sorgen vergessen.

Hübsch anzuschauen ist es also allemal, ihr habt auch interaktive Elemente wie Wellengang, Fische und andere Tiere, die die Landschaft lebendig wirken lassen. Inmitten dieser tollen Szenerien zu bauen, gestaltet sich ebenso ansprechend. Die Gebäude sind detailliert gestaltet und laden ein, sich alles mit maximaler Zoomstufe einmal ein wenig genauer anzusehen. Stück für Stück entsteht so eure Siedlung mit Häusern, Produktionsstätten und Gebäuden zur Rohstoffverwertung, wie man es kennt.

Detaillierte Umgebungen in Die Siedler: Neue Allianzen.
Detailliert und hübsch anzuschauen ist das Spiel auf jeden Fall.

Inselhopping auf Siedler-Art

Einerseits erwartet euch in Die Siedler: Neue Allianzen eine 13 Missionen umfassende Kampagne. Diese dreht sich um euren Stamm, der von seiner eigenen Insel flüchten muss. Auf ihrer Flucht reisen sie zu anderen Inseln, wo sie wiederum auf neue Parteien treffen – freundlich wie feindlich. All das ist eingebettet in eine Erzählung mit einer Reihe von Zwischensequenzen, die die Story voranbringen.

Erwartet euch allerdings nicht zu viel Originalität von dieser Geschichte. Sie sticht nicht besonders heraus, aber es passt schon alles, um das Spiel und das, was ihr tut, zusammenzuhalten. Abseits der Kampagne könnt ihr Skirmish-Matches mit bis zu 16 Spielerinnen und Spielern bestreiten. Und das kooperativ sowie kompetitiv. Partien gegen die KI sind natürlich ebenfalls möglich.

Ein Aspekt, bei dem man sich fragt, was er in einem Siedler-Spiel zu suchen hat, ist der In-Game-Shop. Es gibt zwei Währungen, mit denen ihr kosmetische Objekte für eure gewünschte Fraktion kaufen könnt. Spielerische Auswirkungen hat das zum Glück nicht, aber ihr könnt tatsächlich Sachen mit Echtgeld kaufen. Kommt auf die Liste der unnützen Innovationen. Da alles nur kosmetisch ist, könnt ihr es getrost ignorieren.

Das Sammeln von Rohstoffen in Die Siedler: Neue Allianzen.
Wie ihr es kennt, sammelt ihr fleißig Rohstofe.

Das Gameplay als Knackpunkt

Wo sich bei Die Siedler: Neue Allianzen wahrscheinlich die Geister scheiden, ist das Gameplay. Betrachten wir das Ganze aus der Perspektive derer, die vielleicht schon mit der Siedler-Reihe aufgewachsen sind, ist das auch mehr als verständlich. Die Basics eines Wirtschaftssystems beziehungsweise -kreislaufs sind auch in diesem Spiel vorhanden. Ihr sammelt Holz, Steine, Kohle und andere Dinge, bastelt daraus Gebäude, Werkzeuge und Waffen.

Mit Letzteren erstellt ihr drei Arten von Kampfeinheiten, während sich eure Ingenieure um den Bau von Gebäuden und Straßen, um die Erweiterung eures Territoriums und die Suche nach Rohstoffen kümmern. Äußerst wichtige Einheiten also. Aber erst einmal zurück zu den Rohstoffen. Das Problem ist, dass Die Siedler: Neue Allianzen mehr an der Oberfläche agiert und nicht in die Tiefe geht. Die Produktionsketten sind simpel gehalten. Nahrung ist etwa kein essenzieller Rohstoff mehr, sondern dient eher dazu, den Output einer Produktionsstätte vorübergehend zu steigern.

Ihr braucht kein Wasser mehr für die Herstellung von Brot und eine Ranch produziert gleichermaßen Fleisch wie Esel. Alles wurde sozusagen gestrafft und vereinfacht. Da kann man auch verstehen, dass Serien-Fans nicht gerade begeistert vom neuen System und seinem fehlenden Tiefgang sind.

Ein Kampf in Die Siedler: Neue Allianzen.
Sowohl Wirtschaftssystem als auch Kämpfe (hier in ihrer Unübersichtlichkeit zu sehen) lassen an Tiefgang vermissen.

Auf der militärischen, strategischen Seite wird es nur leider nicht viel besser. Auch hier gilt: Alles, was vorhanden ist, funktioniert grundsätzlich. Insgesamt nimmt der RTS-Part aber eine größere Rolle ein, letztlich geht es also immer darum, ein starkes Militär aufzubauen und seinen Gegner zu besiegen. Sein langsames Tempo kommt dem Spiel dabei nicht immer zugute, wenn Einheiten erst einmal ihre Ausrüstung aus dem Lager abholen und dann zum Trainingsgelände marschieren, bevor sie vollständig rekrutiert sind. Nett anzuschauen ist das allemal, schnell sieht jedoch anders aus.

Was die Strategien und Vorgehensweisen angeht, ist Die Sieder: Neue Allianzen ebenfalls recht simpel gestrickt. Klar, Die Siedler war noch nie ein ausuferndes Echtzeitstrategiespiel, aber wenn der Fokus schon mehr auf Kämpfen liegt, hätte man vielleicht doch etwas mehr Optionen und Taktiken implementieren können. Wenn ihr eure Armee zusammengestellt habt, schickt ihr sie einfach (in gemächlichem Tempo) Richtung Gegner. Letzten Endes stürzen sich dann ohnehin alle aufeinander und ihr könnt im Grunde nicht viel mehr als zusehen und gelegentlich eine Fähigkeit auslösen, die euch einen kleinen Vorteil verschafft.

Wie gesagt: Aus der Sicht eines altgedienten Siedler-Fans mag das alles katastrophal klingen und damit kann man recht haben. Lässt man das aber außen vor und ignoriert vielleicht das Erbe, das hinter diesem Spielenamen steht, kann man auch mit Die Siedler: Neue Allianzen seinen Spaß haben. Auch, wenn mir das manchmal etwas zu langsam voranging, hatte ich beim Spielen doch ein durchaus entspannendes Gefühl. Die schönen Landschaften zu genießen, alles aufzubauen, das versprüht nach wie vor seinen Reiz. Aber just in dem Moment, in dem es euch eigentlich unter der Oberfläche noch mehr geben müsste, liefert das Spiel es nicht.

Die Siedler: Neue Allianzen - Fazit

Und das ist letztlich das größte Problem von Die Siedler: Neue Allianz für alle, die diese Serie lieben. Es bleibt zu oberflächlich in dem, was es tut. Dahingehend ist die Kritik der Fans absolut nachvollziehbar und man fragt sich, warum die Entwickler diesen Schritt gingen. Aus Gründen der Zugänglichkeit? Nicht, dass Die Siedler eine Reihe wäre, die Spielermassen anzieht. Für jeden Gelegenheitsspieler, den man mit dem einfacheren Spielprinzip vielleicht mehr anlockt, stößt man umgekehrt wahrscheinlich einen langjährigen Fan vor den Kopf. Am Ende gewinnt somit keiner.

Es fehlt an Tiefe und Produktionsketten, die unter das Oberflächliche gehen. Ein Age of Empires hat mehr zu bieten als das. Oder ein Anno 1800. Merkwürdig erscheint das alles schon, zumal es früh im vergangenen Jahr entsprechendes Beta-Feedback gab. Aber egal, es ist, wie es ist. Und trotzdem: Das, was Die Siedler: Neue Allianzen liefert – ohne Fanbrille betrachtet -, funktioniert. Es mag oberflächlich sein, aber es läuft reibungslos. Es sieht enorm hübsch aus. Und wirkt entspannend beim Spielen. Insofern möchte ich Die Siedler: Neue Allianzen nicht verteufeln, ich hatte daran meinen Spaß. Ihr solltet euch vor dem Kauf aber absolut im Klaren darüber sein, was ihr von einem Siedler-Spiel erwartet und haben wollt.

Die Siedler: Neue Allianzen Wertung: 7 / 10

Die Siedler: Neue Allianzen - Pro und Contra

Pro:

  • Hübsche, detaillierte Grafik
  • Die spielerischen Elemente, die vorhanden sind, funktionieren
  • 13 Missionen umfassende Kampagne
  • Kompetitiver und kooperativer Multiplayer für bis zu 16 Leute

Contra:

  • Fehlender Tiefgang beim Wirtschaftssystem und den RTS-Kämpfen
  • In-Game-Shop fühlt sich unnötig an
  • Kampagnen-Story ist nicht wirklich mitreißend

Entwickler: Ubisoft Düsseldorf - Publisher: Ubisoft - Plattformen: PC - Release: 17.02.2023 - Genre: Strategie, Echtzeitstrategie - Preis (UVP): 59,99€

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.
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