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GRID setzt im Serien-Reboot auf Action ...

... aber nur, wenn ihr wollt.

Ich habe vor ein paar Wochen bereits GRID anspielen können und jetzt, knapp vier Wochen vor dem Erscheinungstermin, durfte ich mich wieder auf die Piste begeben und eine fast finale Version zocken. Dabei konnte ich unter anderem den Karriere- und Mehrspielermodus ausgiebig ausprobieren, mich mit dem Nemesis-System auseinandersetzen und auch einen Ausblick auf die regelmäßig geplanten Inhaltserweiterungen bekommen.

So schnell macht man sich also in GRID Feinde auf der Rennbahn: In der ersten scharfen Linkskurve des Gardner GP Circuit setze ich zu einem gewagten Überholmanöver an. Dabei schneide ich dreist den direkt vor mir fahrenden Konkurrenten, der zu einer Vollbremsung gezwungen wird um einen fatalen Crash zu vermeiden. Die KI reagiert prompt und ein rotes Symbol über dem Fahrzeug symbolisiert, dass aus dem Kontrahenten jetzt ein persönlicher Pistenfeind geworden ist, der fortan alles daransetzt, mir das weitere Rennen so schwer wie möglich zu machen.

Ihr könnt 70 unterschiedliche Rennwagen steuern, vom Mini bis zum Cadillac DPi-V.R-Prototyp mit 600 PS unter der Haube. Die Auswahl soll sich mit der Zeit noch erheblich erweitern.

"Nemesis-System" nennen die Entwickler von Codemasters die neuen Rennstrecken-Rivalitäten im Reboot der GRID-Serie. Ihr könnt euch mit allzu aggressivem Fahrverhalten bis zu fünf Erzgegner in einem Durchgang verschaffen, die alles daransetzen, euch einen Platz auf dem Siegertreppchen unmöglich zu machen. Allerdings hat die KI, ganz im Gegensatz zu den Orks in Mordor: Schatten des Krieges, nur ein kurzes Gedächtnis. Schon beim nächsten Rennen ist alles wieder vergeben und vergessen und ihr könnt euch aufs Neue Feinde machen.

Ordentlich was zu tun: Im Karriere-Modus habt ihr die Auswahl aus über 100 Events, unterteilt in sechs Rennklassen.

Es gibt aber nicht nur Erzfeinde bei den actionlastigen Rennen, ihr wählt auch einen Team-Kameraden, der euch tatkräftig bei der Karriere unterstützt. Zumindest dann, wenn ihr die Auswahl taktisch clever vornehmt. Die tatkräftigen Helfer verfügen über individuelle Stärken und Schwächen und ihr habt die Möglichkeit, ein Team-Mitglied beispielsweise als Blocker einzusetzen, der besonders hartnäckige Konkurrenten im Zaum hält. Oder ihr wählt einen erfahrenen Fahrer, der sich schnell an die Spitze setzt und so für euch zusätzliche Punkte in der Gesamtwertung einfährt.

Tunen könnt ihr eure Boliden leider nicht, lediglich individuelle Lackierungen und Aufkleber lassen sich auswählen.

Wobei es euch an Punkten zum Aufleveln eures Fahrers und In-Game-Währung für den Kauf neuer Fahrzeuge wirklich nicht mangeln wird. GRID belohnt einfach alles großzügig, was ihr auf dem Asphalt auch anstellt. Einen Gegner überholt, ein schicker Drift, ein Slingshot-Manöver aus dem Windschatten heraus ausgeführt und schon prasseln die Punkte auf eurer Konto. Unterschieden wird dabei in den Kategorien Geschwindigkeit, Technik und Mut, ihr bekommt zum Beispiel auch noch ordentlich Erfahrung, auch wenn ihr im Schneckentempo unterwegs seid, aber dafür sauber der angezeigten Ideallinie folgt.

Nach den Rennen werden nicht nur großzügig Erfahrungspunkte verteilt, ihr bekommt auch Spielgeld, mit dem ihr neue Fahrzeuge kaufen könnt. Dabei werden die Kosten für notwendige Reparaturen gleich abgezogen.

Für den Game Director Christopher Smith, der zuvor bei Playground Games an Forza Horizon 4 gearbeitet hat, steht die Zugänglichkeit für jeden Spielertyp klar im Vordergrund. Gelegenheitsfahrer sollen auf keinen Fall an Aufgaben scheitern und frühzeitig frustriert werden. Aus diesem Grund gibt es zu Beginn keine nervigen Fahrprüfungen oder bockschwere Qualifikationen, nahezu alle Events der GRID World Series stehen sofort zur Verfügung. Ob ihr jetzt mit einem alten Mini über die Straßen von Havanna heizen oder mit einem Audi RS3 den Lugiazui Eight Ring in Shanghai bezwingen möchtet, ihr könnt direkt loslegen. Schafft ihr alle Herausforderungen einer Rennklasse, wartet dann noch ein knackiges Abschlussrennen gegen starke Kontrahenten auf euch. Ihr werdet definitiv eine ganze Weile Spaß mit dem Karrieremodus haben.

Strahlender Sonnenschein oder Dauerregen, ihr könnt in den Einzelrennen Tageszeit und Wetterbedingungen selber festlegen.

Für einige der über 100 Herausforderungen braucht es allerdings schon bestimmte Voraussetzungen, so bedarf es meist einer Top-3-Qualifizierung im vorherigen Rennen oder das Unterschreiten einer vorgegebenen Rundenzeit, um in der World Series weiter zu kommen. Aber dank umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten stellen die Anforderungen keine unüberwindlichen Hürden dar. Stellt einfach die Intelligenz der Computergegner auf "Dumm wie Brot", aktiviert alle verfügbaren Fahrhilfen und nutzt eine unbeschränkte Anzahl an Rückspulmöglichkeiten, die einen Fahrfehler ungeschehen machen. Ein einsteigerfreundlicheres Rennspiel werdet ihr kaum finden, wenn ihr es denn wollt.

Das Schadensmodell könnt ihr nach Wunsch schön arcadig konfigurieren und auch nach einem wilden Crash noch unbeeindruckt weiter rasen.

Zu einfach? Kein Problem, GRID wäre kein Codemasters-Produkt, wenn nicht auch Hardcore-Fans auf ihre Kosten kämen. Ohne Fahrhilfen und Rückspul-Option, mit cleverer KI und einem aktivierten Schadensmodell spielt sich GRID nicht mehr wie ein Arcade-Racer, sondern wie eine durchaus fordernde Rennsimulation. Aus einem Crash, der im einfachen Schwierigkeitsgrad lediglich ein paar Kratzer im Lack verursacht und euch ein paar Sekunden kostet, wird auf den höheren Stufen schnell ein fataler Unfall, bei dem sich die Karosserie in Zeitlupe in ihre Einzelteile auflöst oder gar der Motor in Flammen aufgeht. Ihr könnt bei den Einstellungen übrigens wählen: zwischen rein optischen Karambolage-Ergebnissen und solchen, die dann auch tatsächlich eine Auswirkung auf das Fahrverhalten haben.

Fahrt ihr allzu aggressiv, macht ihr euch schnell einen Pistenfeind. Für den Zeitraum des Rennens ist dieser dann als Nemesis markiert und setzt alles daran, euch an einem Sieg zu hindern.

Neben dem umfangreichen Karrieremodus und Einzelrennen, bei denen ihr Fahrzeugklasse, Austragungsort, Tageszeit und Wetterbedingungen individuell auswählt, könnt ihr euer fahrerisches Können auch online unter Beweis stellen. Zum Erscheinen gibt es einen 16-Spieler-Modus für private oder öffentliche Mehrspieler-Sessions. Ich konnte mit ein paar Kollegen eine private Session spielen und als echter Pisten-Rowdy die unliebsame Konkurrenz vom Asphalt rammen und mir kurz vor dem Ziel noch ein heißes Duell um den ersten Platz liefern. Das macht schon richtig Laune.

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Zum Erscheinen wird es nur den einen Mehrspielermodus geben, ein lokaler Modus für gemeinsame Couch-Rennen gegen einen Kumpel steht laut Aussage von Christopher Smith weit oben auf der Agenda. Was definitiv kommen wird sind regelmäßige Erweiterungen im Schnitt alle drei Monate, die den Umfang von GRID kostenpflichtig, zum Teil aber auch kostenfrei, erweitern. So werden neue Strecken jedem GRID-Besitzer kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die meisten zusätzlichen Fahrzeuge und Kosmetik, wie Lackierungen oder Beklebungen, müsst ihr Echtgeld opfern. Das gilt ebenfalls für eine geplante Erweiterung des Karrieremodus, bei dem ihr neue Herausforderungen und Rennklassen geboten bekommt.

Mein Ersteindruck hat sich nach ein paar Stunden ausgiebigem Zocken bestätigt: Das GRID-Reboot, das sich an dem erstklassigen ersten Teil GRID: Race Driver orientiert, erweist sich als echter Spaßbringer. Ich bevorzuge eine eher Action-lastige Einstellung, bei der ich mich, ohne große Konsequenzen zu befürchten, mit der Konkurrenz anlege. "Minimum drei Nemesis-Gegner pro Runde" ist da meine Devise. Aber auch Simulationsfreunde kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Mit den richtigen Einstellungen ist GRID dann kein reiner Arcade-Racer mehr, sondern verlangt einiges fahrerisches Können.


Entwickler/Publisher: Codemasters Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 11. Oktober 2019 - Angespielt auf Plattform: PS4

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