Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Hogwarts Legacy und warum ich trotz seines Zaubers die rosarote Brille abgenommen habe

Revelio!

Wenn mich ein Spiel für dieses Jahr hyped, dann ist es Hogwarts Legacy. Ich bin kein Potterhead mit Gryffindor-Schal im Schrank und Zauberstab in der Vitrine, aber es ist für mich nun mal ein Franchise, mit dem ich groß geworden bin. Ich bin quasi mit Harry zusammen aufgewachsen und war sogar ein wenig enttäuscht, als mit elf Jahren keine Briefeule an meinem Fenster auf mich gewartet hat. Jeden Film habe ich im Kino gesehen und natürlich alle Bücher gelesen - die ersten davon las mir meine Mutter sogar noch als Gutenachtgeschichte vor.

Nostalgie - Die gefährliche Kraft von Hogwarts Legacy

Die nostalgischen Gefühle setzen einem aber doch gelegentlich die rosarote Brille auf und man vergisst das Spiel, das in den Trailern doch so wahnsinnig toll aussieht, auch mal mit einem skeptischen Blick zu betrachten. Immerhin wäre es nicht das erste Mal, dass die Trailer die vor Vorfreude quiekenden Fans in die Irre führen und mühelos ein Fest voller Bugs oder eine erschrecken schlechte Performance hinter hübschen Bildern verstecken. Und gerade bei so einem beliebten Franchise wie Harry Potter wäre die Enttäuschung dann besonders groß.

Und das Material sieht bisher atemberaubend aus. Von Hippogreif-Flügen, die sich jeder spätestens nach dem dritten Film selbst gewünscht hat, bis hin zu albernem Zauberstabgefuchtel und kindischen Hexereien, mit denen wir Snape auf die Palme bringen könnten, wenn er denn in Hogwarts Legacy schon leben würde, gibt es in der Open-World viel zu entdecken. Das Schloss ist detailreich und mit Liebe gestaltet und es ist so ziemlich jeder Ort und jede Aktivität dabei, die jeder Potter-Fan sicher schon einmal sehen oder ausprobieren wollte. Ein Aspekt, der sicher für gute Verkaufszahlen sorgt, egal, wie gut das Spiel am Ende tatsächlich ist.

Einmal mit Seidenschnabel über den See fliegen, das macht Hogwarts Legacy möglich.

Nein, über den Hype wundere ich mich wirklich nicht, denn Hogwarts Legacy verspricht viel und spricht Fans dabei aus den Herzen. Die Entwickler scheinen also bestens mit der Materie vertraut und verstehen die Wünsche der Potter-Fans. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass im Studio selbst der ein oder andere Potterhead am Projekt arbeitet. Das ist definitiv ein Pluspunkt. Aber wer ist das Studio hinter Hogwarts Legacy überhaupt?

Ein Studio ohne AAA-Erfahrung - kann das gut gehen?

Avalanche Software - nicht zu verwechseln mit Avalanche Studios - ist für Spiele wie Mortal Kombat Trilogy, Toy Story 3, Disney Infinity und zuletzt auch Cars 3 bekannt. Oder eben weniger bekannt. Zwar gibt es das Studio bereits seit den 90er-Jahren, mit großen AAA-Titeln hat das Studio bisher keine nennenswerte Erfahrung. Fairerweise müssen wir aber auch berücksichtigen, dass sich Avalanche für das magische Projekt neue Mitarbeiter ins Team geholt hat, die eventuell genau diese Lücke füllen.

Kreativ sind die Köpfe bei Avalanche aber allemal. Gerade eben bin ich in der Recherche auf die Website des Studios gestoßen, die einen heftigen Hogwarts-Zauber versprüht. Mit Nebel verdeckt, seht ihr einen Lichtkegel, der immer nur den kleinen Teil des Bildes enthüllt, über den ihr gerade mit der Maus - pardon, eurem Zauberstab - fahrt. Ihr seht Türme, Buchstaben des Hogwarts-Legacy-Logos und kommt auf die Seite des Spiels, indem ihr auf das Feld mit dem Zauberspruch "Revelio" klickt. Einfach genial, wie viel Mühe allein in der Startseite steckt. Dieser Ehrgeiz spiegelt sich auch in den Gameplay-Videos wider, bei denen die Entwickler die vielen gezeigten Inhalte ausführlich und mit viel Enthusiasmus erklären.

Es scheint, als nehme sich Avalanche auch viel Zeit für die Entwicklung. Im Jahr 2020 wurde der Open-World-Titel rund um das frühere Hogwarts angekündigt, die ersten Gerüchte rund um das Spiel gab es aber schon 2017, nachdem erste Stellenanzeigen mit passenden Beschreibungen aufgetaucht waren. Ein paar Verschiebungen und zuletzt auch die Verspätung der Last-Gen-Konsolen und der Switch sind eher positiv zu deuten. Immerhin wird das Spiel nicht auf Teufel komm raus auf den Markt gejagt, obwohl es noch nicht fertig ist. Man geht lieber auf Nummer sicher, was auch verständlich ist, denn ich wäre nicht gern das Studio, dass Potter-Fans ihren Traum zerstört hat.

Positiv fallen mir auch die Systemanforderungen ins Auge. Nicht nur ist Hogwarts Legacy mit 85 GB größer als Elden Ring und Cyberpunk 2077, es besitzt auch gleiche oder höhere empfohlene PC-Anforderungen. Einen i7-8700-Prozessor und eine GeForce 1080 Ti solltet ihr schon mitbringen, wenn ihr die magische Luft in vollen Zügen genießen wollt. Diese recht hohen Hardware-Ansprüche können auf die Qualität und Inhaltsmasse hindeuten, im schlimmsten Fall könnte es ein erstes Anzeichen für eine schlechte Optimierung sein. Ich halte meine Finger gekreuzt. Bis Februar!

Mit diesen Systemanforderungen kann nicht jeder PC oder Laptop mithalten.

Wie sieht es mit der Monetarisierung aus, Warner?

Auch Publisher Warner Bros. kann man nach dem mit technischen Problemen behafteten Release von Gotham Knights einen kritischen Blick zuwerfen. Dazu kommt noch eine düstere Vergangenheit mit den allseits verhassten Mikrotransaktionen, bei der Middle-earth: Shadow of War zu seinem Release-Zeitpunkt als Negativbeispiel hervorsticht. Kein Jahr nach der Veröffentlichung hat Warner Bros. die unfairen In-Game-Käufe aber wieder aus dem Spiel entfernt. Wie es scheint, hat der Publisher aber aus seinen Fehlern gelernt, denn in Hogwarts Legacy soll es keine Mikrotransaktionen geben.

Hogwarts Legacy bietet dafür einen anderen faden Beigeschmack, den ich schon vor Release im Mund habe. Denn das Spiel schließt Hobby-Zauberer von Inhalten wie der Kampfarena aus, nur weil diese sich die Deluxe-Edition nicht leisten können. Wer nicht auf der PlayStation spielt, hat im ersten Jahr keinen Zugriff auf eine spezielle Mission in Hogsmeade und auch einige Zaubersprüche sind exklusiv. Und das sind immerhin richtige Spielinhalte und kein animierter Kelpie-Umhang, der nur schick aussieht.

Mit Avada Kedavra und anderen dunklen Sprüchen könnt ihr nur für Extra-Geld herumzaubern.

Ich glaube, es würde weniger unangenehm rüberkommen, wenn man in einem halben Jahr einfach ein Dunkle-Künste- oder Hogsmeade-DLC herausbringen würde und dafür einen Zehner verlangt. Zumindest die Kampfarena, die in der günstigsten, normalen Edition nicht mit dabei ist, hätte man nicht im Gameplay-Reveal zeigen müssen. Vor allem nicht knappe zehn Minuten lang. Immerhin können Spieler diese später auch separat kaufen. Einen Preis dafür wurde bisher aber nicht genannt.

Es gibt also viel, auf das man sich freuen kann, aber auch ein paar potenzielle Stolpersteine - und die sieht man mit der rosaroten Brille auf dem Gesicht eben nicht so gut. Ich lasse mir die Vorfreude aber nicht nehmen und hoffe, dass die Leidenschaft der Entwickler sich letztendlich im Gesamtpaket Hogwarts Legacy widerspiegelt. Dennoch kann es nicht schaden, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren, bevor einen der Hype-Train nicht ans Ziel bringt, sondern überrollt, weil die viel zu hohen Erwartungen am Ende doch nicht erfüllt wurden.

Über den Autor
Melanie Weißmann Avatar

Melanie Weißmann

News-Redakteurin

Melanie ist meist online am PC zu finden. Neben Multiplayern und Meer mag sie Alliterationen und dumme Wortspiele. Gelegentliches Lego-Bauen hilft ihr beim Abschalten.

Kommentare