Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Leute, Deathloop erscheint heute im Game Pass – Zeit, dem Multiplayer eine Chance zu geben!

Hauptsache, die Server halten.

Ich gebe zu, so ganz war Deathloop wohl nicht, was sich einige erhofft hatten. Zumindest wenn man nach Dishonoroed und Prey ein weiteres Ausnahmespiel von Arkane erwartete, über das wir uns in ein paar Jahren noch unterhalten werden. Deathloop war für das, was es sein wollte, trotzdem toll. Wenn ich mal einen Band-Vergleich bemühen darf, war dieses Spiel eher Art Best-of dieses fantastischen Studios. Ein Sampler, der aus einer fixen Idee geboren schien, anstelle eines neuen Albums. Tonal wie auch in Aufbau und Struktur war es dennoch ein lohnendes Experiment, das im Grunde nur dadurch etwas hinter seinen Möglichkeiten blieb, dass Arkane auf die Fragen, die diese Welt und Prämisse aufwarfen, nicht die befriedigendsten Antworten gab.

Details dazu entnehmt ihr natürlich unserem Deathloop-Test vom letzten Jahr. Für den Moment interessiert uns aber etwas anderes, nämlich, dass heute die Konsolenexklusivität der PS5 ausläuft, mit einem Knall, der viel fürs Spiel tun dürfte. Denn nun kommt auch die Xbox-Version hinzu und das Spiel erscheint parallel dazu im Game Pass. Einem Spiel wie diesem, in dem derart viel Kreativität und konzeptionelle Finesse steckt, ist jedes einzelne Augenpaar zu wünschen, das es auf sich ziehen kann. Und dank Game Passes dürften das jetzt einige sein.

Passend zum Xbox-Release kommt auch das Golden-Loop-Update heraus, das unter anderem eine neue Waffenart mitbringt: Der Halps Prototype ist ein Laser mit komplett anderem Munitionsmanagement als das restliche Arsenal, denn der frisst Batterien statt Blei. Ein neuer Slab lässt Gegner ihre Kollegen angreifen und für Nebenquests erhaltet ihr nun doppelte Trinkets als Belohnung. Neue Feindestypen und eine versteckter frischer Bosskampf sowie ein erweitertes Ende runden diese definitive Version des Spieles ab. Und wer das Spiel mehr oder weniger notgedrungen aussetzte, freut sich zudem über all die Barrierefreiheitsoptionen, die im vergangenen Jahr hinzukamen, denn da ist einiges nützliches Zeug für alle möglichen Arten von Spielern dabei.

Maskerade ist ein cooler Skill. Wenn ihr denn die Nerven habt, ihn entsprechend zu spielen.

Francesco Venco, Senior Gameplay Programmer bei Arkane Lyon, hat vor allem letztere als bereichernden Lernprozess empfunden, wie er mir im Gespräch verriet. “Die Barrierefreiheit haben wir uns sehr zu Herzen genommen. Es sind jetzt sehr viel mehr Barrierefreiheitsoptionen und dieser Vorgang hat, die Wahrehmung unseres gesamten Studios verändert”, erinnert er sich an die Arbeiten, die seit dem Launch an Deathloop vorgenommen wurden. “Unser UI-Lead hat sich dafür sehr stark gemacht und ich glaube, das ist ein Beispiel, wie sich nicht nur das Spiel weiterentwickelte, sondern auch wir als Studio. Wenn man erst einmal an dieser Art von Optionen zu arbeiten beginnt, fallen einem viele Sachen auf, an die man zuvor nie gedacht hat. Viele der Optionen sind sogar gut für alle Spieler, einige der Umschalt-Funktionen zum Beispiel.”

Vor allem freut mich der erneute Release auf Xbox und Game Pass für den Multiplayer-Modus, dessen Katz-und-Maus-Spiel ich sehr spannend finde und den ich euch hiermit wärmstens ans Herz lege. Deathloop läuft nämlich fortan auch mit der Xbox im Drei-Plattform-Crossplay, was eine Menge potenzieller neuer Mitspieler bedeuten dürfte. Im Grunde handelt es sich dabei um einen Invasionsmodus, bei dem man ins Solo-Spiel eines anderen Deathloop-Spielenden eindringt und ihm dann durch Sabotage, Täuschung und direkte Angriffe den Tag versaut. Fliegt die Tarnung des Colt-Spielers auf, wird man über seinen Aufenthaltsort informiert und kann sich in den Kampf einschalten – oder man stellt selbst Fallen mit Minen und dergleichen.

Das Basteln am eigenen Build macht einen guten Teil des Reizes aus. Solo wie auch im Multiplayer.

Selbst, wer ansonsten nicht so Multiplayer-affin ist, dürfte es spannend finden, wie man sich hier auf die Jagd nach einer sehr gefährlichen Beute begibt. Und überhaupt macht es Spaß, wie man Fähigkeiten von Karnesie – Gegner per Telekinese schleudern – über Nexus – Gegner verbinden, auf dass sie ein Schicksal teilen – bis hin zu Shift – kurzer Teleport – zu einem anderen Ziel neu kombiniert: Einem menschlichen Gegenspieler einen Strich durch die Rechnung zu machen. Und auch, wenn man selbst den Colt gibt und nur versucht, eine Mission zu schaffen, treibt einem der Hinweis, dass eine menschliche Julianna in das Spiel eindringt, jedes Mal den Puls nach oben. Der Vorteil des Colt-Spielers: Er hat nicht nur ein Leben wie Julianna, sondern drei. Euer Vorteil: Ihr wisst, welche Ziele er erfüllen muss und könnt euch als normaler KI-Gegner tarnen.

Mit Juliannas Tarn-Fähigkeit hatte Arkane übrigens noch ein Problem ausgemacht, wie Francesco Venco erzählt. “Juliannas Fähigkeit Maskerade war die einzige Kraft, die keine Upgrades hatte”. Einige Spieler hätten es daher vorgezogen, diesen Skill gegen andere austauschen zu können. Arkane ging aber lieber einen anderen Weg: “Wir wollten Julianna Maskerade nicht nehmen, denn dieser Skill ist eine sehr spezifische Design-Entscheidung für ihren Cahrakter.” Stattdessen gibt es nun noch einige Upgrade-Möglichkeiten für Maskerade, die das Repertoire der Beschützerin des Loops erweitern.

Ein Spiel wie eine Twilight-Zone-Episode, die sich die Entwickler einfach mal vom Herzen schreiben mussten. Deathloop ist vielleicht kein Franchise-Material, aber eine schöne Kreativübung, über deren Existenz ich froh bin.

Erstaunlicherweise fand ich die Balance für ein derart asymmetrisches Spiel erstaunlich gelungen. Und wenn ich verlor, bekam ich immer noch reichlich Unlocks, die mich wieder ein wenig mit meinem persönlichen Build spielen ließen, was einen großen Teil des Reizes von Deathloop im Mehrspielermodus ausmacht. Das einzige, was man dem Modus vorwerfen kann, sind die Lags, die häufig zustande kamen und mir einige Partien verleideten. Ich hoffe, das wird mit dem neuerlichen Release im Game Pass besser.

Man muss schon ein wenig Geduld und vor allem Schadenfreude mitbringen. Ich liebe es, als KI-Gegner irgendwo reglos postiert zu sein und einen Colt dabei zu beobachten, wie er vorsichtig meinen vermeintlichen Sichtkegel meidet, um sich für einen Angriff hinterrücks in Position zu bringen, nur damit ich mich plötzlich umdrehe und ihm meine automatische Schrotflinte ins Gesicht drücke. Ja, diese Matches erzählen wie von selbst schöne Geschichten. Und auch, wenn mal eine Partie eher ereignislos an euch vorbeiläuft, weil Colt diesmal einfach zu gut für euch war, lag zu jeder Zeit Gefahr in der Luft. Ich mag den Modus sehr und hoffe, ihr gebt ihm eine Chance.

Über den Autor

Alexander Bohn-Elias Avatar

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Kommentare