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Tenchu Z

Kopf hoch!

Nach welchen Kriterien kaufen Spieler von heute eigentlich ihre Spiele? Nach den knallharten Wertungen diverser Fachmagazine oder dem Hörensagen? Oder doch nach dem Cover, das mit seinen stylischen und coolen Artworks oftmals Action und Spannnung satt verspricht. Ihr werdet lachen, aber so abwegig ist die letzte Annahme nicht – habe ich selbst erlebt und ist noch gar nicht lange her, als in einem großen Elektromarkt mit dem roten Design ein junger Spross seine kommende Konsolen-Unterhaltung nach dem actionreichsten Cover aussuchte.

Im Fall von Tenchu hat man sich beim japanischen Entwickler From Software, die traditionell seit Jahren für die Serie verantwortlich sind, richtig ins Zeug gelegt. Das wirklich coole Cover, das einen maskierten japanischen Kämpfer ziert, der im Vollmond auf einem Häuserdach seinen Feinden auflauert, vermittelt einen Hauch fernöstliches Flair und geheimnisvolle japanische Kampfkunst – bleibt nur die Frage, ob das stimmungsvolle Cover eine Mogelpackung ist oder Tenchu Z mit seinem ersten Next Generation-Auftritt, erstmals exklusiv auf der Xbox 360, auch Stealth-Freunde begeistert, denen die Tenchu-Serie bislang unbekannt war.

Und das wäre nicht verwunderlich, schließlich spielt man in den hiesigen Gefilden lieber mit Solid Snake oder Sam Fisher eine Runde Verstecken. Wer allerdings auf Verschwörungstheorien und hypermoderne Gadgets gerne verzichtet und seine Feinde lieber als maskierter Ninja dahinmeuchelt, findet in Tenchu Z eine gelungene Alternative zur Einheitschleicherei.

Kontrastprogramm zum Schattenboxen - Schattenmorden!

Wie alle Teile der berühmten Ninja-Serie spielt der Stealth-Slasher im feudalen Japan zu Beginn des 18. Jahrhunderts und steckt 360-Besitzer in die Tarnklamotten eines japanischen Kämpfers, der möglichst lautlos und im Verborgenen agiert. Vom Setting her unterscheidet sich der japanische Schmittchen-Schleicher von seinen Kollegen, die Perspektive ist allerdings identisch. Aus der Verfolgersicht geht es als einsamer Schattenkämpfer - oder per Link oder Online-Anbindung sogar im Team mit bis zu vier Kriegern - in den Kampf. In über 50 Missionen gilt es, im feudalen Japan Anfang des 18. Jahrhunderts für Gerechtigkeit zu sorgen.

Als mittelalterlicher Kampftrupp startet Ihr im Ninja-Camp und kämpft Euch durch Missionen mit solch aufregenden Namen wie „Erledige den sündigen Priester“, „Meuchele die Gesetzlosen“ oder „Bestrafe die gierigen Hände“ - wir spielen also Moralpolizei und bringen Gerechtigkeit. Was allerdings höchst abwechslungsreich klingt, entpuppt sich als simples „Schleiche von A nach B“ oder „Töte alles, was im Dorfe kreucht und fleucht“ bis hin zum konkreten „Und jetzt killen wir den Obermotz“.

Gelegentlich werden Verfolgungsjagden zur reinsten Kletterpartie.

Ich persönlich halte Abwechslungsreichtum bei der Missionsauswahl zwar für überbewertet, wenn das Gameplay stimmig und spannend ist, schließlich hat sich bei Sam Fisher auch noch keiner über monotones Gameplay beschwert, doch Tenchu Z langweilt schnell durch variantenarmes Gegnermeucheln.

Dabei sind die Ansätze gar nicht schlecht: Das Flair ist absolut mystisch und die Atmosphäre stimmig. Euer wahlweise weiblicher oder männlicher Ninja-Assassine schleicht im Mondschein durch dunkle Gassen, klettert über die spitzen Dächer der fernöstlichen Behausungen oder versteckt sich hinter Häuserecken – eine gewisse Spannung kommt auf, denn wer will schon die Aufmerksamkeit mehrerer Dutzend Samurai-Krieger auf sich ziehen, wenn er anfangs nur mit einem einfachen Katana-Schwert bewaffnet ist.

Um plötzliche Begegnungen mit Feinden zu vermeiden, hilft die äußerst differenzierte KI-Anzeige. Diese verrät nicht nur sofort, ob Euer Krieger eine Gefahr wittert, sondern zeigt an, ob Eure Feinde Euch riechen, sehen oder hören können. Klare Sache, wer vorher durch einen japanischen Schmoddertümpel getappt ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Feinde die Nase rümpfen und sich mit Gebrüll Euch entgegen werfen.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Tobias Lampe

Contributor

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