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The Great War: Western Front angespielt - Die klassische RTS-Denkweise funktioniert hier nicht

Von Graben zu Graben.

Echtzeitstrategie im Zweiten Weltkrieg gab es schon des Öfteren. Im Ersten Weltkrieg? Nicht so häufig. Es fällt aber auch schwer, sich das anhand der Grabenkämpfe vorzustellen. Aber es funktioniert. Das beweisen die RTS-Experten von Petroglyph (Star Wars: Empire at War, Grey Goo, C&C Remastered Collection) mit ihrem kommenden Titel The Great War: Western Front. Ich konnte drei Stunden lang ins Spiel hineinschnuppern und mich dabei unter anderem mit dem Tutorial (das braucht ihr definitiv), der Kampagne und einer historischen Schlacht befassen.

Kurz zusammengefasst, geht es in The Great War um den Kampf entlang der Westfront in einem Zeitraum vom 1914 bis 1919. Auf der einen Seite stehen die Alliierten, auf der anderen die Mittelmächte. Ihr übernehmt sowohl auf der größeren Strategieebene die Rolle über eure gewählte Seite wie auch direkt auf den Schlachtfeldern.

Strategischer Grabenkrieg

Da der Grabenkrieg besonders an der Westfront charakteristisch für den Ersten Weltkrieg war, ist The Great War keine klassische Echtzeitstrategie à la Command & Conquer oder Age of Empires. Ihr braut hier nicht erst eure Basis auf und überrennt anschließend den Feind, so einfach macht es euch Petroglyph nun wirklich nicht. Wenn ihr eure Mannen unbedacht Richtung Feind schickt, solltet ihr euch darauf einstellen, dass sie bei einer guten Verteidigung innerhalb von Sekunden niedergemäht werden.

Die Kampfvorbereitung in The Great War.
Vor jedem Kampf bereitet ihr euch entsprechend vor.

Hier sind andere Ansätze gefragt als die schiere Übermacht. Und dabei kommt unter anderem die Artillerie ins Spiel. Zuerst einmal beginnt jeder Kampf damit, dass ihr Zeit habt, um Verteidigungsanlagen zu errichten und Einheiten zu platzieren. Jede Seite hat quasi ihr Hauptquartier, dazwischen befindet sich das Niemandsland. Die Platzierung ist nicht zu verachten, denn wenn eure Artillerie schlecht steht, erreicht ihr nicht jeden Winkel des Schlachtfeldes mit ihrem Beschuss. Das kann am Ende das Zünglein an der Waage sein, wenn es darum geht, auf eine Stellung vorzurücken.

Wie gesagt, die klassische RTS-Denkweise bringt hier nicht viel. Das musste ich Ende 2022 bei meinem ersten Anspielen realisieren, als ich noch nicht gut damit zurechtkam. Jetzt, beim zweiten Anspielen, hat das schon deutlich besser geklappt. Letztlich entscheidet eine Kombination aus überlegtem Vorgehen, klugen Entscheidungen und richtigem Ressourceneinsatz über Sieg oder Niederlage. Um neue Einheiten (innerhalb des Einheitenlimits) aufs Schlachtfeld zu bringen oder Artilleriebeschuss durchzuführen, verbraucht ihr Nachschub.

Sorgt für Deckung

Eine Salve auf eine gegnerische Stellung abzufeuern, um dortige Feinde daran zu hindern, auf euch zu feuern, ist vergleichsweise günstig. Ein Angriff mit Gas kostet schon 80 Nachschubpunkte, was je nach Situation sehr viel ist. Da überlegt ihr schon zweimal, ob ihr diese Option nutzt und wann. Ebenso ist es hilfreich, seine Einheiten nicht einfach zu verfeuern. Wenn sich abzeichnet, dass der Trupp verloren geht, lasst ihn lieber den Rückzug antreten. In dem Fall bekommt ihr wenigstens noch etwas Nachschubpunkte zurück.

Ein Angriff in The Great War.
Ein solcher Frontalangriff bringt ohne massiven, gezielten Feuerschutz wenig.

Es gibt viele Aspekte, auf die ihr achten und die ihr wohlüberlegt einsetzen solltet. Ballons erhöhen eure Sichtweite, können aber vom Gegner abgeschossen werden. Kommt ein feindlicher Bomber angeflogen, lässt er sich mit eigenen Jagdflugzeugen abfangen. Es geht hier um Aktionen und um Reaktionen. Hilfreich ist, dass ihr das Spiel jederzeit pausieren könnt, um das Schlachtfeld oder aktuelle Bewegungen zu analysieren und in Ruhe darauf zu reagieren. Erteilt ihr während der Pause Befehle, werden sie anschließend direkt ausgeführt.

Hat man erst einmal den Dreh raus – ich kann nur nochmal betonen: auf jeden Fall das Tutorial spielen! -, lernt man schnell, wie man sich auf dem Schlachtfeld bewegen sollte. Der frontale Weg ist hier definitiv nicht der beste, außer es geht nicht anders. Und wenn es nicht anders geht, müsst ihr dafür sorgen, dass eure Artillerie im richtigen Moment Unterstützung leistet, um gegnerisches Feuer zu unterdrücken. So eilen eure Männer letztlich in die gegnerischen Schützengräben und nehmen es dort von Angesicht zu Angesicht mit dem Feind auf.

Primär geht es stets darum, Kontrollpunkte zu erobern und den Feind zurückzudrängen. Dafür habt ihr pro Schlacht nur eine begrenzte Menge Zeit, bevor die Nacht hereinbricht und die Kampfhandlungen enden. Je nach Gefechtslage gibt es dann im Grunde ein Unentschieden, einen Sieg oder eine Niederlage, was wiederum für die Strategiekarte wichtig ist.

Die strategische Ebene

Diese ist in Hexfelder unterteilt, auf der ihr die Frontline klar erkennen könnt. Jedes Hexfeld repräsentiert eine Region, die über unterschiedlich viele Sterne verfügt. Erfolgreiche Attacken sorgen dafür, dass die Sternewertung nach unten geht. Erreicht sie null, geht die Region an den Angreifer verloren. Findet in einer Runde keine defensive Aktion statt, wird ein Stern wiederhergestellt. Um ein Feld zu erobern, ist also konstanter Druck erforderlich.

Mehr oder minder erinnert The Great War hier an ein Total War Lite. Ihr könnt einzelne neue Gebäude bauen, die euch etwa mehr Nachschubpunkte für die Region bescheren, was letztlich in einem Kampf hilft. Ihr erforscht neue Technologien, neue Soldaten werden hingegen lediglich automatisch nach einer gewissen Zahl an Runden als Nachschub geliefert. Spielt ihr die Alliierten, kommen diese in Paris (französische Soldaten) oder Calais (britische Soldaten) an und können von dort aus verteilt werden.

Die Strategiekarte in The Great War.
Zug um Zug geht es auf der Strategiekarte voran.

Einheiten dürfen sich pro Runde/Zug entweder bewegen oder angreifen, beides nacheinander ist nicht möglich. An einer Verteidigung nehmen sie jedoch unabhängig von ihrer vorher durchgeführten Aktion teil, da seid ihr also nicht im Nachteil. Einheiten spielen übrigens auch bei den Nachschubpunkten eine Rolle. Pro Einheit in einer Region erhaltet ihr eine bestimmte Menge an Nachschubpunkten. Zusätzlich gibt es Gold, von dem ihr zusammen mit Forschungspunkten in jeder Runde mehr bekommt. Gold lässt sich zudem gegen Nachschubpunkte eintauschen. Im Übermaß ist alles davon nicht vorhanden, setzt es clever ein.

Übrigens müsst ihr nicht jeden Kampf selbstständig austragen. Bevor es zum Gefecht kommt, seht ihr analog zu Total War eine kleine Übersicht, die euch die Ausgangslage präsentiert. Wenn eure Aufklärung erfolgreich aktiv war, seht ihr im Detail, was der Gegner auffährt. Anhand dieser Anzeige erfahrt ihr zugleich, wie eure Chancen auf Sieg oder Niederlage stehen, und ihr könnt entscheiden, ob ihr selbst aktiv werdet oder den Kampf simulieren lasst.

In den Gefechten gibt es immer wieder kleinere, optionale Nebenziele zu erfüllen und auf der Strategiekarte bekommt ihr ebenso regelmäßig Aufgaben gestellt, die ihr abschließen könnt. Die Belohnungen, die ihr dafür bekommt, etwa mehr Nachschubpunkte, sind in jedem Fall nützlich. Obendrein gibt es sogenannte "Hard Choice Events", bei denen ihr jeweils einen positiven und einen negativen Effekt habt. Die Qual der Wahl! Es ist nicht immer einfach, sich dabei zu entscheiden.

Die Forschungszweige in The Great War.
Forschung schaltet Boni, Einheiten und andere Dinge frei.

Abseits der Kampagne, bei der ihr den Verlauf selbst bestimmt, erwarten euch noch historische Schlachten unter realen Bedingungen. Eine davon ist die Schlacht an der Somme, die ich spielen konnte. Darin spielt ihr die Zentralmächte und müsst den Vorstoß der alliierten Streitkräfte abwehren. Angesichts mehrerer Frontlinien, anrückender Panzer und begrenzter Ressourcen kein einfaches Unterfangen!

Ich gebe zu, anfangs hat mir The Great War ein paar Probleme bereitet, zu sehr war die klassische RTS-Denkweise aus C&C und Co. in mir verinnerlicht. Wer sich aber erst einmal intensiv mit allen Aspekten von The Great War befasst, lernt schnell dessen Eigenheiten und dass sich die Schlachten im Ersten Weltkrieg nun einmal anders spielen. Letztlich klappt es dann aber ganz gut und man erzielt schnell erste Erfolge. Inwieweit die Kampagne langfristig motiviert, ist ein Aspekt, der sich jetzt noch nicht abschätzen lässt. Die Grundlagen von The Great War scheinen ausgehend von dem, was ich bisher spielen konnte, zu stimmen. Insofern lohnt es sich, den Titel im Auge zu behalten.

The Great War: Western Front erscheint am 30. März 2023 für den PC. Wenn ihr vorbestellt, könnt ihr bereits ab dem 27. März 2023 spielen. Eine Demo ist beim nächsten Steam Next Fest ab dem 6. Februar 2023 verfügbar.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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