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Wartet nicht länger auf Die Siedler. Mit Manor Lords ist eine echte Aufbau-Sensation in der Mache!

Okay, auch darauf müsst ihr noch ein bisschen warten.

Manchmal rechnet man mit allem, aber nicht damit, dass einem unerwartet einer der heißesten Geheimtipps des Jahres vor die Füße fällt. So zuletzt geschehen beim Steam Fest, als mit Manor Lords ein nett ausschauendes Indie-Aufbauspiel für Leute wie mich als Demo bereitstand. Wer mit “Leute wie mich” gemeint ist? Siedler-Fans zum Beispiel. Und allgemein solche, die sich daran erfreuen, einer Siedlung kleiner Computerleute vom ersten Holzbalken an beim Wachsen und Gedeihen zuzusehen.

Ich habe viel zu spät mit der Demo angefangen, tatsächlich erst kurz, bevor sie wieder verschwand und jetzt bereue ich das. Was der Solo-Entwickler Slavic Magic auf die Beine gestellt hat, ist nicht nur beachtlich, es spottet jeder Beschreibung. Manor Lords ist auf Mikro- und Makro-Ebene so ambitioniert, dass ich keine Ahnung habe, wie der Entwickler das so genau umzusetzen gedenkt. Aber wenn ich mir so anschaue, wie gut das grundlegende Bauen und Städteplanen schon funktioniert, dann habe ich wenig Zweifel daran, dass ihm auch das gelingen wird.

Mund zu! Manor Lords sieht einfach fantastisch aus. Lebendig, organisch.

Das Erste, was auffällt, ist dass Manor Lords einfach fantastisch aussieht, ob nun bei eitel Sonnenschein, Regen oder Schnee. Genauer gesagt, dass es sowohl in der Nahansicht durch wundervolle Details zu bestechen weiß, und zugleich aus der Vogelperspektive organischer aussieht, als jedes andere Spiel dieser Art. Das liegt zum einen an einem revolutionär guten Straßenbau-Tool, das Wege erschafft, die sich wie gewachsene Adern durch die Siedlung schlängeln, und zum anderen daran, dass einige Gebäude sich mit flexiblen Außengrenzen in die Landschaft pflanzen lassen. Klickt einfach vier Eckpunkte auf die Map und das Spiel sagt euch, wie viele Wohnhäuser in dieses Stück Land passen. Ihr entscheidet dann nur noch über die Orientierung der Gebäude und schaut dann euren Arbeitern zu. Top!

Schon mit dem ersten Konstruktionsauftrag schallt ein markiges “An die Arbeit!” eurer Untertanen aus dem Kopfhörer, das einfach sympathisch ist und das Aufbau-Herz mächtig zum Pochen bringt. Wenn man dann sieht, wie ein Ochse die ersten Baumstämme zur Baustelle schleift und die resultierenden Anwesen dann sogar alle ein wenig unterschiedlich aussehen, denkt man schon, es sei endgültig um einen geschehen. Nur um dann herauszufinden, dass man auch selbst als Lord in Third Person in einer Grafik herumlaufen kann, die hiesigen Rollenspielen genügen würde. Man kann also aus maximaler Nähe dabei zuschauen, wie die eigene Siedlung Brett um Brett entsteht. Das ist schon wahnsinnig atmosphärisch.

Hier dürft ihr auch selbst als Herrscher umherlatschen und euren Untertanen auf die Finger schauen.

Und dann ist da die Tatsache, dass man auf eine Weltkarte herauszoomen kann, die viele andere benachbarte unds entfernte Regionen zeigt, in die man expandieren, mit denen man handeln und Krieg führen kann. Nicht so rudimentär, wie in vielen anderen Spielen dieser Art, sondern eher nach Art eines etwas kleiner angelegten Total War, samt Klicken-und-ziehen-Truppenformationen… na ja, man würde sich fast verschaukelt vorkommen, wenn das bereits gespielte nicht so überzeugend gewesen wäre.

Es ist ein wenig unheimlich, denn bisher hatte ich den Eindruck, die Sub-Genres Handelsimulation (Port Royale), Management-Sim (Tropico), Aufbau (Siedler) und Strategie (Total War) sind in erster Linie deshalb entstanden, weil fast unmöglich scheint, dass ein Spiel alles kann. Und doch schickt sich Solo-Dev Slavic Magic jetzt an, genau diese eierlegende Wollmilchsau von einem Aufbaustrategiespiel auf die Beine zu stellen. Eine Siedlungsbau-Simulation mit bildschöner Grafik, logischen Kreisläufen bei Landwirtschaft und Rohstoffzyklen, Koloniemanagementaspekten, überzeugender Schlachtentaktik und Diplomatie und Strategie auf Globalebene seiner Spielwelt.

Taktik soll es auch gehaltvoll werden. Sogar die Qualität der Ausrüstung sollt ihr festlegen können.

Der Haken? Nun ja, wie gesagt, ist die Demo wieder weg und bislang ist nicht abzusehen, wann der Early Access endlich startet. Während ich mich jedoch vor dem nächsten Auftritt der Siedler nach dem Debakel von Anfang des Jahres ein bisschen fürchte, harre ich Manor Lords' Ankunft wirklich gerne. Hier ist ein offensichtlich ein echtes Schmuckstück in der Mache.

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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