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Zombie-Geheimtipp Dysmantle feiert Survival ohne Gängelung - auf Switch in 60 fps

Bekannte Formel, bestens umgesetzt, jetzt auf Konsole und PC.

Als ich nach den ersten ausgedehnten Sessions mit Elden Ring – endlich – gestern erst einmal meine Freude über die eher ungewöhnliche Art der Open World-Erkundung in die Welt hinausschrieb, sprach ich von “Open World” und “Roguelike” als Reizwörtern. Dysmantle rief mir dann aber doch noch mal vor Augen, dass “Survival” als Begriff lange ähnlich schwierig behaftet war und vielleicht immer noch ist.

Vielleicht liegt es daran, dass sowohl Open-World- als auch Roguelike- und Survival-Ansätze im Grunde Kinder einer Designströmung sind, der in erster Linie an Spielzeitmaximierung gelegen war. In Zeiten, in denen immer mehr Service-Games auf Kundenbindung aus sind, haben acht bis zwölf Stunden kurze Abenteuer schon lange einen schweren Stand am Markt. Roguelike und Survival sind an der Stelle Mechanismen, die auch kleineren Entwicklern ermöglichten, ihre Kunden Tage und Wochen an Nettospielzeit zu liefern. Und manche vergessen dann, die bisweilen knappe Freizeit des Spielers zu respektieren.

Macht nicht viel her. Aber das vergesst ihr schnell.

Gerade im Survival ist das ein schwieriger Drahtseilakt. Roguelikes haben den Dreh gefühlt schon etwas länger raus, dem Spieler auch bei Fehlversuchen immer etwas Progression für den nächsten Run mit auf den Weg zu geben. Im Genre der Überlebensspiele artet der zentrale Spielzyklus immer noch regelmäßig zu einem Babysitter-Simulator aus, was nicht nur mir schon lange keinen Spaß mehr macht. Ich sag’ ja: Reizwort. Der Anfangsverdacht der Spielzeitverschwendung ist zumindest immer direkt präsent.

Dysmantle ist für mich nun insofern das Beinahe-Best-case-Szenario eines Survival-Spiels, als dass es komplett auf Gängelungen dieser Art verzichtet und fast ausschließlich positive statt negative Anreize setzt: Hier kämpft ihr nicht gegen Hunger und Schlafmangel an, werdet für die optionale Nachtruhe aber mit einem temporären Bonus belohnt, während Rezepte, die ihr kocht, sogar permanente Statusverbesserungen mit sich bringen. Klar, auch hier bleibt eure Leiche mitsamt eurer Crafting-Gegenstände liegen, wenn euch ein Zombie erwischt hat. Aber mehr als die paar Ressourcen stehen nie auf dem Spiel.

Man weiß gar nicht, was man zuerst freischalten soll.

Die wiederum investiert ihr an den vielen, vielen gleichmäßig verteilten Lagerfeuern in Upgrades für Brecheisen, Wurfmesser und Co. oder steckt sie in den gut aufgebauten und mit substanziellen Verbesserungen randvollen Skilltree. Fast jeder neue Gegenstand führt neue Mechanismen ein und erweitert, was ihr tun könnt - und Upgrades eurer so überlebenswichtigen Brechstange sorgen dafür, dass ihr in bereits durchforsteten Gegenden wieder neue, stabilere Gegenstände zerlegen könnt, die mehr und wertvollere Zutaten beinhalten. Sie ist beneidenswert elegant designt, diese Loot-und-Upgrade-Spirale. Das wickelt schon direkt zu Beginn stramm um den Finger.

Auch der Komfort ist beachtlich: Zutaten für neue Erfindungen oder Upgrades könnt ihr jederzeit sichtbar am rechten Bildrand einblenden lassen, die Map ist vorbildlich und es gibt sogar auf der Switch-Grafikeinstellungen, mit denen man das Spiel selbst zwischen 30 fps mit Effekten und 60 fps, dafür etwas flach im Look feinjustieren könnt. Für mich ist die 60fps-Option auf Nintendos Handheld-Hybriden ohne Alternative, denn ein Hingucker wird Dysmantle so oder so nicht - dafür aber fühlt es sich mit der höheren Bildrate spielerisch umso besser an.

Kehrt ihr später, mit besserem Brecheisen in alte Bereiche zurück, könnt ihr hier wieder mehr zerlegen. Clever!

Womit wir wohl auch bei meinen einzigen beiden Kritikpunkten wären: So sehr ich Dysmantle auch mag und ich beim Anblick der Karte sicher bin, dass diese ersten vier Stunden bestenfalls einen kleinen Bruchteil des Abenteuers darstellen, so sehr muss ich auch gestehen, dass es gestalterisch schwächelt. Es hat kein wirkliches “Gesicht”, das ihm eine Identität verliehe. Und das Kampfsystem ist arg simpel gehalten. Zuschlagen, Ausweichrolle, wiederholen - mehr braucht es in den allermeisten Fällen nicht und das ist nicht gerade die hohe Kunst des Zombie-Krieges.

Und doch: Mich grämt das nicht weiter, das Spiel ist gut genug, um sich meine Zeit zu verdienen, weil alle paar Meter ein neues Werkzeug oder eine neue Facette winkt, das meinen Einflussbereich in dieser Postapokalypse erweitert. Ich bin gespannt wie lange das so bleibt und würde bis hierhin sagen, dass es die nicht ganz 20 Euro, die es auf Steam und im Switch eShop kostet, auf jeden Fall wert ist.

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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