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Advance Wars 1+2 Re-Boot Camp: Unterhaltsam ist es ja, aber die Grafik enttäuscht

Der Charme geht etwas verloren.

Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp für die Nintendo Switch aktualisiert eines der besten rundenbasierten Strategiespiele aller Zeiten mit 3D-Grafik und Online-Multiplayer. Während der überarbeitete Look nicht jedermanns Geschmack sein wird, hat Entwickler WayForward die originalen Mechaniken perfekt reproduziert und zahlreiche Quality-of-Life-Verbesserungen vorgenommen. Es ist ein süchtig machendes und herausforderndes Spiel, aber ist das hier auch das Beste, was ein Advance-Wars-Spiel auf der Switch bieten kann? Und wie schlägt sich das Remake in Bezug auf Grafik und Performance im Vergleich mit dem Original auf dem Game Boy Advance? Wir haben das Spiel getestet, um es herauszufinden.

Wenn ihr in den frühen 2000er Jahren einen Game Boy Advance hattet, habt ihr wahrscheinlich Advance Wars und Advance Wars 2 gespielt, zwei nahezu perfekte Titel, die hervorragend von der verfügbaren Hardware profitierten. Jede Taste hatte eine Funktion, jeder Pixel auf dem Bildschirm wurde für wunderschöne 2D-Sprites verwendet und sogar lokale Multiplayer-Spiele waren über das Link-Kabel möglich. Es ist ein pures, fast zeitloses Top-Down-Strategiespiel, bei dem jede Einheit eine Gegenmaßnahme hat, von Infanterie und Fahrzeugen bis hin zu Flugzeugen und Schiffen. Ebenso sind Geländetypen, Wetter und Sichtbarkeit sind alle entscheidend für den Sieg. Und obwohl Advance Wars den Höhepunkt der Serie markiert, begann alles mit Famicon Wars im Jahr 1988, was die Qualität und den Feinschliff der GBA-Titel erklärt, die als erste der Reihe im Westen veröffentlicht wurden.

22 Jahre nach der Erstveröffentlichung auf dem GBA erhalten wir mit Advance Wars 1+2 Re-Boot Camp ein komplettes Remake für die Nintendo Switch. Das neue Spiel enthält die Kampagnen beider Originale, einen vollständigen Karten-Editor, eine Vielzahl von Multiplayer-Modi und einen In-Game-Shop, um Karten, Musik und mehr zu kaufen. Vielleicht am auffälligsten ist jedoch eine wunderschöne Eröffnungsanimation, die das Sprite-basierte Intro der Originale durch flüssige 24-fps-Animationen ersetzt. Es fühlt sich an, als würde man das Cover-Design des Spiels zum Leben erwecken. Ebenso erscheinen im teilweise vertonten Dialogen Cel-Shading-Avatare und vollständig animierte Spezialangriffe werden in der Schlacht abgespielt. Diese Ergänzungen sind ein echtes Highlight, eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Artworks der Serie, aber womöglich sorgen sie auch für eine Erwartungshaltung an die visuellen Effekte im Spiel, die nicht ganz erfüllt wird.

Bevor wir zu den Kritikpunkten kommen, wollen wir über die technischen Grundlagen sprechen. Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp ist ein Spiel, das auf der Unity-Engine basiert, und leider führt das zu einer unvollkommenen Performance auf der Switch, wie bei anderen kürzlich auf der Plattform veröffentlichten Unity-Titeln. In der Standard-Vogelperspektive habt ihr 30 fps mit inkorrektem Frame-Pacing, in den Kampfsequenzen schwankt die Framerate zwischen 30 und 50 fps. Immerhin bekommt man dafür scharfe Bilder, mit einer nativen Auflösung von bis zu 1080p im Dock und einer nativen Auflösung von 720p im portablen Modus.

Technisch gesehen ist es also keine großartige Leistung, aber zum Glück wird der Charme des Spiels - und seine rundenbasierte Natur - dadurch nicht beeinträchtigt. Es gibt zwar leichte Ruckler, aber nichts Gravierendes, was die Spielbarkeit beeinträchtigt.

Angesichts der Grafik ist es vielleicht überraschend, ein inkorrektes Frame-Pacing zu in der strategischen Ansicht und weniger als 60 fps in den Kampfsequenzen zu sehen.

Abgesehen von Bildraten und Auflösungen gibt es hier vielleicht ein größeres Problem, nämlich dass die originalen 2D-Sprites modernen 3D-Grafiken weichen. Das GBA-Original lief in einer Auflösung von 240x160, aber Entwickler Intelligent Systems hatte eine wirtschaftliche Sichtweise auf das, was möglich war, und die Pixelgrafik sieht immer noch anständig auf modernen 4K-Fernsehern aus. Die neuen 3D-Grafiken versprühen im Gegensatz dazu wenig Charme und sind eher funktionale Nachbildungen, die der animierten Eröffnungsszene und den Cel-Shading-Avataren des Reboots nicht gerecht werden. Die Einheiten und die Karte werden beide mit konventionellen 3D-Beleuchtungs- und Schattierungstechniken gerendert. Es gibt einfaches Specular Mapping für die auf an den Panzern, statt auf Cel-Shading-Materialien zu sehen, die mit den Artworks der Charaktere übereinstimmen. Kreise stehen für Schatten unter jeder Einheit und Infanteriemodelle werfen keine Schatten in die Umgebung, was zu einem flachen Aussehen führt. Es ist keine Katastrophe, aber es ist sicherlich enttäuschend im Vergleich zu diesen Cel.-Shading-Modellen.

Grundsätzlich ist das hier das einzige echte Problem, das ich habe. Zur Verteidigung des Reboots sind die neuen Grafiken zumindest klar, farbenfroh und aus der Ferne leicht lesbar, logische Entscheidungen, die dem Gameplay dienen. Der Wechsel zu einer vollständig in 3D modellierten Karte gibt Spielern auch mehr Optionen, mit vier Zoomstufen im Vergleich zur statischen Ansicht der GBA-Originale. Auf der Nintendo Switch reicht die visuelle Skalierung von Nahansichten mit Bokeh-Tiefenschärfe am Rand des Cursors bis hin zu einer entfernten Ansicht, die die Holzkanten eines Tisches zeigt. Das sind schöne visuelle Details und sie tragen dazu bei, dass es wirklich einfacher ist, im Spiel zu navigieren.

Die charmanten Pixel-Artworks der GBA-Originale wurden gegen 3D-Grafik ausgetauscht, die ironischerweise etwas flacher wirkt.

Das größte Lob, das ich dem Remake geben kann, ist vielleicht, dass das Gameplay immer noch erstklassig ist. Trotz des Wechsels zu Unity und der visuellen Veränderungen geht an dem, was wirklich zählt, nichts verloren. Die Einführung mit ihren Tutorials ist immer noch gut gemacht. Schritt für Schritt werdet ihr in eine Welt rivalisierender Fraktionen eingeführt, wo sich jeder Wissensschnipsel später auszahlt. Jede neue Mechanik hat Auswirkungen, sei es die Fähigkeit, durch das Stehen auf Bergkacheln über den Nebel des Krieges hinauszusehen, oder das Wissen, wie Wetterzustände wie Regen und Schneestürme deine Mobilität verändern. Das Regelwerk ist streng, aber immer fair. Es ist eine echte Herausforderung und manchmal fühlt es sich an, als würde man beim Finden eines Weges zum Sieg ein Rätsel lösen, besonders wenn man versucht, die höchsten Ränge in jedem Level zu erreichen. Am besten ist, dass der Karten-Editor aus den Originalen erhalten bleibt, was theoretisch eine unendliche Wiederspielbarkeit mit drei Freundinnen und Freunden im lokalen Spiel oder online ermöglicht.

Trotz aller Widrigkeiten ist Advance Wars 1+2: Re-Boot Camp immer noch ein Spiel, das ich trotz seiner ungleichmäßigen Performance und Vorbehalten gegenüber seinem visuellen Stil leicht empfehlen kann. Der Gameplay-Loop des Originals bleibt erhalten und die Qualitätsverbesserungen, wie die Möglichkeit zum Rein- und Rauszoomen oder zum Vorspulen in Aktionsphasen mit dem rechten Trigger, sind praktisch. Die Benutzeroberfläche ist ebenfalls klarer und zeigt praktischerweise an, welche Ziele im Angriffsbereich vor der Bewegungsphase liegen.

Aus den meisten Blickwinkeln heraus betrachtet hat WayForward eine sehr gut spielbare Version des Advance-Wars-Grundgerüsts für die Nintendo Switch zusammengestellt. Ein letzter Gedanke noch: Es ist schade, dass bisher keine neue, nur für die Nintendo Switch angekündigte Fortsetzung der Serie in Arbeit ist. Ein Switch Wars, wenn man so will. Wie auch immer, obwohl die Wiederbelebung von Advance Wars auf der Nintendo Switch den visuellen Charme der Game-Boy-Advance-Originale vermissen lässt, spielt sich das Spiel immer noch genauso gut, wenn nicht besser als je zuvor. Vielleicht ist das am Ende das Wichtigste.


Im englischen Original von Thomas Morgan, Senior Staff Writer, Digital Foundry

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