The Witcher • Seite 2

Wilde Feiern und blutige Schlachten

Auch das Kampfsystem wirkt noch etwas ungenau. Im Unterschied zu anderen Rollenspielen reicht nämlich nicht der simple Klick auf ein Monster, um es effektiv aus den Socken zu hauen. Bei The Witcher muss man Schlag-Kombos aneinander reihen, die mit einem Finishing Move besonders viel Schaden verursachen. Das System funktionierte zwar schon deutlich besser als im Frühjahr, trotzdem verlangten die Schlagabfolgen einige Übung, um sie wirklich ins Ziel zu bringen.

Mittlerweile wurde auch das 'Stein-Schere-Papier'-Prinzip für die unterschiedlichen Schlagarten vollständig integriert. So kann man träge Axt-Kämpfer nur mit schnellen Schlägen des Fast-Style verwunden und Gegner mit schnellen Waffen nur mit dem Strong-Style.

Ähnlich sieht es bei den Monstern aus. Werwölfe und Co. lassen sich nur mit Eurem Silber-Schwert verletzen, während man bei Menschen zum guten, alten Stahl greifen muss. In Kombination mit diversen Zaubersprüchen, wie Feuerbällen, Telekinese oder Schilden, ergeben sich so anspruchsvolle Kombination, die die Scharmützel zu einer echten Herausforderung machen. Ähnlich komplex wird übrigens auch die Trankerstellung ausfallen. Geralt ist, wie schon erwähnt, ein Meister der Drogenproduktion und kann so ziemlich aus jeder Zutat ein nützliches Gesöff herstellen.

Die Magie beschränkt sich dabei auf fünf verschiedene „Zeichen“ – Telekinese, Feuer, Schild, Falle, Überredung –, diese bieten jedoch wiederum diverse Aufbaustufen und Sonderfunktionen. Auch das normale Skill-System ist ausufernd. Insgesamt gibt es 250 Fähigkeiten von denen man bis zum Abspann aber nur ca. 60 Prozent frei geschaltet hat. Ein zweiter Durchgang macht also nicht nur wegen der verzweigten Story Sinn, sondern auch, um das Spiel mit einem anderen Skill-Set zu bestehen.

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Ob die Flammen dem Dämon was ausmachen?

Neben Kombo-Varianten gibt es zudem Kräfte, wie „Steinhaut“, die über eine bestimmte Zeit die Verteidigung stark erhöht, „Vernichtender Schlag“, um den Schaden des Silber-Schwertes im Strong-Style zu erhöhen oder „Alchemie“, um die Tränke stärker und die negativen Auswirkungen abzuschwächen.

Die Grafik wurde noch mal überarbeitet und sieht besser denn je aus. Es ist unglaublich, dass diese Grafik-Engine eigentlich aus Neverwinter Nights 1 stammt. Doch Madej betont, dass fast jede Code-Zeile der Aurora-Engine nachträglich verändert und angepasst wurde – genauer gesagt ca. 80 Prozent. Als Ergebnis sieht The Witcher fantastisch aus und geht locker als eines der hübschesten Rollenspiele der letzten Jahre durch. Dank der genialen Ausarbeitung wirkt die gesamte mittelalterliche Welt sehr stimmig und glaubhaft. Sogar Größenverhältnisse, Architektur und Kleidung passen in diese Welt voller Magie, Monster und schöner junger Frauen. Hier kann man nur wieder den Hut vor Art Director Adam Badowski ziehen, der mit seinem Design wirklich erstklassige Arbeit geleistet hat.

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Ob Burg oder Rüstungen, trotz Fantasy-Welt alles sehr exakt.

Nicht nur die Lebenslust der Polen ist ansteckend, auch ihr Rollenspiel ist auf dem besten Weg, die Genre-Spitze zu erobern. Die Anregungen und Ideen der Journalisten wurden fast komplett umgesetzt und es spielt sich erstaunlich bugfrei. Mit der Steuerung bin ich zwar noch immer nicht ganz zufrieden, doch das Gameplay und die Atmosphäre sind jetzt schon fantastisch. Endlich mal kein simples Gut-Böse-Konzept, das es in der Realität ja selten gibt. Jede Entscheidung birgt die unterschiedlichsten Gefahren und Chancen. So wird die Geschichte zu einer moralischen Tour-de-Force.

Für ein abschließendes Urteil war die Zeit mit dem Spiel natürlich zu kurz. Das enge Korsett der ersten Mission konnte keinen Eindruck von der Weitläufigkeit der Spielwelt vermitteln. Und auch das Verhalten der NPCs lässt sich nur schwer aus den wenigen Sprachfetzen beurteilen. Dafür kann das Kampf- und Skill-System schon jetzt voll überzeugen und macht The Witcher zu der großen Rollenspiel-Hoffnung des Weihnachtsgeschäfts.

Wetzt die Schwerter, schnappt Euch die Frauen und kämmt Euch das Haar. Bald ist es soweit, The Witcher erscheint schon am 26. Oktober für Euren PC.

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Über den Autor:

Kristian Metzger

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