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Metal Gear Solid Delta: Kann ein neues, altes MGS ohne Kojima überhaupt funktionieren?

Ist das Delta zwischen Konami und den Fans überbrückbar?

Gut, zumindest die ersten Bilder sehen ganz danach aus, als hätten die Entwickler von Metal Gear Solid Delta, das bisher als Metal Gear Solid 3 Remake durch die Gerüchteküche blubberte, begriffen, wie man diesem Spiel einen modernen Anstrich verpasst. Die Identität scheint intakt, der Wiedererkennungswert vom Gebrauch der Farben bis zur Lichtstimmung perfekt. Sogar das akut vom Aussterben bedrohte Gangeskrokodil sieht nicht weniger appetitlich aus als im Original.

Aber Aussehen ist nun mal nicht alles. Und da haben Konami und Metal Gear eine … sagen wir mal “problematische Geschichte”. Kojima-Fans hassen Konami und sie stellen sich die berechtigte Frage, wie man eines seiner wichtigsten Spiele mit Respekt behandeln will, wenn man das schon mit der Person nicht hinbekommen hat. Konami wird sich hier Zynismus und Geldgeilheit vorwerfen lassen müssen.

Es gibt einfachere Spiele für eine Neuauflage. Ich würde zum Beispiel Silent Hill 2 im Vergleich dazu als geradezu trivial erachten. Das muss sich nämlich beinahe nur Stilfragen stellen und sich nicht noch um ungezählte Systeme Gedanken machen.

Es sei denn, das alles ist mittlerweile vergeben oder zumindest vergessen, denn ich muss leider sagen, dass nur wenige Leute schwächere Aktivisten und Boykotteure abgeben als Videospieler. Das hat die Vergangenheit mehrfach gezeigt und ich nehme mich da nicht aus. Sofern die Qualität stimmt, wird für viele die Nostalgie und die Lust, ein so prägendes Spiel wie dieses hier noch einmal zu erleben, gegen Loyalitätsgefühle zum ursprünglichen Schöpfer den Längeren ziehen.

Und da ist ein Remake nun mal der Weg des geringsten Widerstandes, denn ein komplett neues Metal Gear Solid, ohne Kojima am Steuer, ist wohl nicht nur für mich undenkbar. Konami aber hat so die Chance, mit einer bekannten Größe – dem geliebten dritten Teil – die Erinnerung an die Marke am Leben zu erhalten, ein bisschen Geld zu verdienen und sich vielleicht sogar ganz nebenbei einen neuen Steuermann heranzuziehen. Wenn schon nicht für eine Fortsetzung, dann vielleicht immerhin für ein Spin-off. Aber das ist ein Best-case-Szenario mit Regenbögen-kotzenden Einhörnern für das Tokioter Unternehmen.

Hier war ich schon mal. Oder?

Doch so gering wird der Widerstand nun auch wieder nicht, denn dieses Spiel steckt voller Systeme, die man nicht trivial in die Neuzeit holen kann. Den Entwicklern werden sich einige interessante Fragen stellen, wie das ursprüngliche Team gewisse Dinge angegangen ist. Eine KI, die nicht nur schießen muss, sondern die auch auf eine überfallartig vorgehaltene Waffe reagieren muss. Eine Steuerung, die heute überaltert rüberkommt. Eine fummelige Tarnmechanik und ein viel zu sehr auf Menüs fokussiertes Nacktschlangen-Babysitting, beides Dinge, auf dich ich heute gerne verzichten würde. Und nicht zuletzt ist da das Moveset, das mit Metal Gear Solid 5 in den Ring steigen muss, ein Game mit konkurrenzlos gutem Spielgefühl. Der Spagat zwischen Konservierung und Erneuerung ist kein kleiner in diesem Spiel, um ihn zu halten, braucht es eine klare Vision.

Und dann ist da noch der Style, eine ganze Menge davon, der sich beim Abpausen noch verlieren könnte, wenn es andere Leute den Stift in der Hand halten, als die, die sich dieses bis in die hintersten Ecken verschrobene und neben der Spur fahrende Spionageabenteuer einst ausgedacht haben. Die Gefahr, dass Dinge von einem Produkt zum nächsten einfach “lost in translation” gehen, ist hier höher als … nun, selbst mit der Pistole auf der Brust gibt es wenig, was mir einfiele, wo sich das Fehlen des Urhebers verheerender bemerkbar machen könnte als hier. Man denke nur an Twin Snakes, das zwar cool war, aber auch ein entschieden anderes Spiel als Metal Gear Solid, man könnte auch “verfälscht” sagen. Sobald hier The Ends Augen nur fünf Prozent weniger albern aus ihren Höhlen springen, ist der Effekt bereits ein anderer. Ich würde nicht mit diesen Leuten tauschen wollen.

Langt zu, bevor es keine mehr gibt!

Also – ja, das Wenige, was wir vom Remake gesehen haben, sieht vorerst ordentlich aus. Und wenn Konami ohne den einstigen Kopf hinter der Reihe ein “neues” Metal Gear auf den Weg bringen will, das es wert ist, gespielt zu werden, dann muss es wohl ein Remake sein. Am besten dieses hier. Ich bin gespannt, wie die Fan-Reaktion ausfällt, sobald Konami mehr von Metal Gear Solid Delta: Snake Eater zeigt.

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