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Games Convention 2006

Rekord: Über 180.000 Besucher

Am 15. August 1961 begannen ostdeutsche Arbeiter damit, die Berliner Mauer zu errichten. Exakt am gleichen Tag, nur 40 Jahre später, erfuhr ich, dass eine Spiele-Messe in Leipzig geplant ist. Zufall? Jedenfalls dachte ich mir damals: „Games Convention? Das wird bestimmt toll! Ravensburger Interactive werden vor Ort sein und Phenomedia sicher das neue Moorhuhn-Abenteuer vorstellen! Können die Veranstalter vielleicht sogar Sachsen-Paule als Stargast gewinnen? Muahahahaha!“ Eine totale Fehleinschätzung, die nur noch von meinem Kommentar zu einem geplanten Online-Rollenspiel namens World of Warcraft überboten wurde. Bei dessen Ankündigung dachte ich: „Hoffentlich bringen Blizzard noch einen Starcraft-Nachfolger bevor sie pleite gehen.“

Ich gebe meine Fehler wenigstens zu, während andere nicht müde werden zu betonen, dass „sie ja von Anfang an wussten, was für ein ungeheures Potential in der Games Convention steckt“. Mittlerweile gehört die Messe zu den weltweit größten ihrer Art. Durch die angekündigte Kastrierung der in Los Angeles stattfindenden E3, gewinnt unsere GC noch mehr an Bedeutung und für September 2007 ist sogar ein Ableger in Asien geplant.

Nun gab die Messeleitung eine weitere Erfolgsmeldung bekannt. Rund 183.000 Besucher seien dieses Jahr auf das Messegelände geströmt. Damit habe man sogar die Leipziger Buchmesse überflügelt, heißt es. Bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis uns diverse Revolverblätter mit folgender Meldung alarmieren: „Killerspieler wollen Bücher abschaffen! Experten sind besorgt!“

Die Aussteller juckt das freilich nicht. Die befinden sich nämlich noch immer im kollektiven Freudentaumel. Martin Bachmayer von Microsoft: „Bisher können wir sagen, dass die GC für uns ein großer Erfolg ist.“ Glauben wir ihm gerne. Nicht nur wegen des auf der GC verkündeten FIFA/PES-Exklusiv-Deals. Ich frage mich, wie viele Fußball-Fans nach dieser Mitteilung panisch eine Xbox 360 orderten. Auch Herr Zeitner von Electronic Arts ist voll des Lobes: „Sogar unsere Kollegen aus Asien und Neuseeland kommen zur GC, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. Wir wünschen der GC weiterhin viel Erfolg." Wenn sogar EA Happy ist, kann ja eigentlich nix mehr schief gehen. Nintendos Wii war nur der Fachpresse zugänglich. Schlecht für den Ottonormalverbraucher, aber Big Ns Deutschland-Chef Bernd Fakesch ist gut drauf: „Das Interesse der Fachpresse an unserer neuen Konsole Wii ist enorm. Das freut uns sehr.“ Uns auch, Herr Fakesch!

Was ich wohl auf der GC von mir gäbe, wenn ich mal Chef einer riesigen Games-Company bin? „Wir sind sehr zufrieden und freuen uns, auch nächstes Jahr dabei sein zu dürfen. Allerdings sollten wir bei aller Zuversicht nicht den Blick für das Wesentliche verlieren. Ein paar Meter weiter gibt’s eine Imbissbude, die von einem Verbrecher geführt wird. Dort musste ich für eine schäbige Wurstsemmel plus Erfrischungsgetränk fast zehn Euro bezahlen. Woanders in Leipzig kriegt man dafür schon einen schicken Anzug! Das ist ein Skandal und wir sehen uns vor Gericht!“

Einer Umfrage des IM-Instituts zu Folge, wollen 90 Prozent der GC-Besucher nächstes Jahr wiederkommen. 42 Prozent der Gäste waren über 20 Jahre alt und der Frauenanteil betrug stolze 17 Prozent. Ob es sich dabei um gestresste Mütter handelte, die von ihrem Nachwuchs aufs Gelände gezerrt wurden? Weil ich Zahlenspielereien so liebe, wollen wir damit noch nicht aufhören. 91 Prozent der Aussteller haben ihre erneute Teilnahme bereits bestätigt und 89 Prozent sahen ihre Ziele am Ende der Messe erfüllt. Das bedeutet vielleicht, dass 2 Prozent der Aussteller unzufrieden waren, aber nächstes Mal trotzdem am Start sind. Leipzig ist eben immer eine Reise wert.

Die Games Convention schloss am Sonntag ihre Pforten und 368 Aussteller aus 25 Ländern reisten zum größten Teil glücklich nach Hause. Was will man mehr? „Die Welt zu Gast bei Freunden“, lautete Deutschlands WM-Slogan. Ein saumäßig kitschiger Spruch, der aber irgendwie auch zu unserer GC passt. *schnüff*

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