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Tunic – Test: Jetzt auch auf Switch und PlayStation – ein Abenteuer, das Nostalgie neu erfindet!

Das Abenteuer rund um einen kleinen, mutigen Fuchs im Link-Cosplay ist mehr als ein simples Relax-Spiel für zwischendurch, es ist das ultimative Erkundungs-Erlebnis.
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Tunic erschafft eine besonders magische Erkundungs-Erfahrung voller Geheimnisse und Nostalgie – ein Spielplatz für neugierige Rätselfüchse.

Update v. Alex, 27. September 2022: Sechs Monate nach seinem ursprünglichen Release erscheint Tunic heute nun auch für Nintendo Switch und PlayStation-Plattformen. Ich liebte das Spiel seinerzeit, weil es wie einst Braid oder Fez wahnsinnig in die Tiefe geht, wenn es darum geht, Geheimnisse und Seltsamkeiten in sein Spiel zu integrieren. Deshalb wollen wir euch einfach daran erinnern, dass dieser Spiel-des-Jahres-Anwärter existiert – endlich auch auf den beiden Plattformen, die sich der größten Verbreitung erfreuen. Und jetzt viel Spaß mit Judiths Test vom März.


Ein niedlicher 3D-Held, eine große Portion Retro-Zelda und einen Spritzer Souls und schon hat man ein ausgefuchstes Abenteuer? Das funktioniert bestens, wie Tunic beweist, ein Spiel von nur einem einzelnen Indie-Entwickler, das scheinbar mühelos das Konzept von freier Erkundung neu erfindet. In der fantasievollen Welt erlebt man nämlich eine Reise voller Geheimnisse, in der sich das Entdecken so nostalgisch anfühlt, wie spielen im Wald.

Leuchtende Farben und saftige 3D-Wiesen machen in Tunic Lust auf die virtuelle Reise - und auf viele Screenshots.

Die Anleitung wird schon zum Abenteuer

Ich hatte vor dem Review keine einzige Demo gespielt und wusste wenig über das eigentliche Gameplay und gerade deshalb hat Tunic mich unendlich überrascht. Im ersten Moment war ich etwas irritiert, weil ich etwas ganz anders erwartet hatte, denn Tunic setzt in vielen Punkten auf den Zauber des Ungewissen: keine große Rahmenhandlung, kein umfassendes Tutorial, keine Dialoge, keine Erklärungen. Unser Fuchs findet sich einfach inmitten einer fantastischen Welt wieder und die Erkundung beginnt.

Während bei anderen Spielen des digitalen Zeitalters der Gedanke einer Anleitung immer weiter marginalisiert wird, ist das Handbuch von Tunic eines der Herzstücke des Spiels und Teil des Abenteuers. Denn die Seiten müsst ihr erst einmal selbst finden, die sind überall verstreut. So setzt sich Papier für Papier etwas zusammen, das wirkt wie eine Retro-Spielebroschüre, die in einer fremden Sprache eingescannt wurde. Bis auf Schlagwörter kann man vieles nämlich absichtlich gar nicht lesen und nein: Ich habe mit 40 Spielstunden noch immer nicht alle Seiten gefunden.

Das größte Rätsel in Tunic ist die Spielanleitung selbst.

Herauszufinden, wie das Adventure funktioniert, was unser Fuchs alles kann, was bestimmte Items machen, wie man levelt und und und, all das ist ein Rätsel des Spiels und genau deshalb werde ich dazu nicht zu viel verraten: Die Besonderheit liegt darin, erst einmal gar nichts zu wissen.

Das hat auch dazu geführt, dass ich erst mit Tunic warm werden musste, denn im ersten Moment war ich verwirrt (was auch beabsichtigt ist): Warum sind Schilder in einer Fantasie-Sprache geschrieben? Warum ist die Anleitung unvollständig? Was muss ich eigentlich machen? Das Indie-Abenteuer ist also nur ein Spiel für Leute, die auf Rätsel stehen, auch solche, die über klassische Puzzle und Co. hinausgehen - man muss den Reiz des Mysteriums lieben lernen und das hat bei mir nach erster Verwirrung wunderbar geklappt.

Zwischen Fox Awakening und Light Souls

In Tunic hab ihr eine umfassende Landschaft im 3D-Stil zu erkunden, voller intensiver Farbkontraste und verguckt ins Spiel von Licht und Schatten. Macht euch schon einmal darauf gefasst, dass ihr von ALLEM Screenshots machen wollt, denn in ihrer Einfachheit hat die Grafik wahnsinnigen Charme. Dabei winkt in jeder Ecke ein neues Geheimnis, das nicht immer leicht zu entdecken ist - man muss mit offenen Augen herumlaufen. Dafür muss man auch mal in den Windschatten eines Baumes oder unter einen ausladenden Felsvorsprung gucken, um immer wieder neue Schätze zu entdecken.

In Tunic ist euer Weg nicht vorgeschrieben, auch Seitenpfade führen zum Ziel - oder in den Tod.

Die Erkundung der Welt ist auch das, was mich an Souls erinnert hat. Zum einen entdeckt der kleine Fuchs nach und nach Statuen, die zu Speicherpunkten werden. Wenn man stirbt, landet man wieder dort und die Monster respawnen - wie ein Leuchtfeuer eben. So kommt es auch, dass die Welt clever designt sein muss, damit das Backtracking im Rahmen bleibt. Immer wieder entdeckt man deshalb neue Geheimwege, öffnet Türen von innen oder schaltet Abkürzungen frei, um den Rückweg zu erleichtern.

Gut, das Rage-Potenzial ist deutlich geringer und der Held etwas knuffiger, aber einige Dark-Souls-Parallelen gibt es doch. Auf die eine oder andere mystische und angenehm schaurige Szene könnt ihr euch auch gefasst machen, mit wandelnden Skeletten, giftigen Gasen oder gefährlichen Ausflügen in die Geisterwelt.

Die Kombo aus Speicherpunkten und respawnenden Gegnern haben einen Soulslike-Touch.

Tatsächlich fand ich manche Kämpfe im Spiel auch extrem knackig, neben ein paar anspruchsvollen Bossen wird es aber vor allem immer dann happig, wenn man wie ich die völlig "falsche" Reihenfolge für die Gebiete wählt. Daraus ergibt sich in meinem Fall auch die sehr hohe Spielzeit. Die Entwickler geben (etwas optimistisch) an, dass man eher 12 bis 20 Stunden einplanen sollte. Das ist nach hinten heraus aber drastisch dehnbar, wenn ihr auf dem Schlauch steht, was einem in diesem Spiel nicht peinlich sein muss.

Tatsächlich ist die Rätselmenge in Tunic nämlich überwältigend und herrlich non-linear: Man kann das ganze Spiel durchspielen und dabei bestimmt dutzende von Geheimnissen übersehen, überall sind kleine Hinweise, Codes und Rätsel versteckt und ich wette (und hoffe), die Community wird wahnsinnig Spaß daran haben, diese gemeinsam zu entschlüsseln - ein Bisschen wie Lost. Nur als Spiel. Mit einem Fuchs. Also ganz anders.

Sind sie zu stark, bist du (noch) zu schwach

Das ist tatsächlich auch ein Teil des Tunic-Erlebnisses, wie man es noch aus Spielen wie Gothic kennt: Schlagt euch, wohin ihr wollt und guckt dann, ob ihr es überlebt. Wenn nicht, seid ihr wohl einfach noch nicht stark genug und müsst an anderer Stelle weitermachen. Vor Gegnern einfach die Beine in die Hand zu nehmen, klappt nämlich selten - die Monster haben Ausdauer.

Die Kämpfe sind leider trotzdem einer der wenigen Schwachpunkte von Tunic, denn die könnten etwas mehr Tiefe und Komplexität haben, mehr auf den Punkt sein. Klassisch könnt ihr in Tunic entweder im Nah- oder Fernkampf mit bestimmten Items angreifen, mit einem Schild blocken oder mit einer Ausweichrolle entkommen. Trotz Minimalismus wären das eigentlich genug Grundzutaten für ein Kampfsystem, Tunic kostet sie aber nicht ganz aus.

Das Tolle an herausfordernden Videospiel-Kämpfen ist schließlich doch die "Trainings-Montage", in der man nach und nach lernt, das Beste aus Waffe und Schild herauszuholen (und dabei Rocky-Musik im Hinterkopf spielt). Aber die Tricks und Bewegungen des kleinen Tunic-Fuchses sind bedauerlicherweise weniger ausgefeilt als in manch andere Action-Adventures. Nicht schlecht, aber nicht ganz so "tight" wie es die Besten Kampfsysteme nun mal sind.

Auch habt ihr im Kampf einen begrenzten Schnellzugriff, man muss die Items für die Schlacht also vorher wählen, denn pausieren, um Gegenstände neu zu sortieren, kann man im Kampf nicht. Das ist natürlich eine zusätzliche Schwierigkeit, die vielleicht gewollt ist, aber auch ein wenig schade - es nimmt einem einige interessante Taktik-Möglichkeiten und Experimente mit Item-Kombos.


Ihr braucht Hilfe bei einzelnen Rätseln und Fundsachen in Tunic? In unserer umfassenden Lösungshilfe zu Tunic findet ihr neben vielen wertvollen Tipps unter anderem die Fundorte aller Handbuchseiten, alle geheimen Feen und eine Anleitung, wie man das zweite Ende freischaltet.


Einige Kämpfe (vor allem einer, bei dem ich peinlicherweise fast so viele Versuche verbraten habe, wie in einen Dark-Souls-Boss) fand ich schon wirklich schwierig und nah an der Frustgrenze, aber das lag ehrlicherweise wohl auch an mir. Alex zum Beispiel ist im Vergleich zu mir durchmarschiert, wie ein Messer durch warme Butter. Trotzdem solltet ihr wissen, dass Tunic ein paar ordentliche Kampfherausforderungen bereithalten kann.


Alex zur Switch-Version: Ich konnte die Switch-Version mittlerweile ausprobieren und muss sagen, dass sie im Großen und Ganzen gelungen scheint. Die Auflösung ist ein wenig gröber, die Bildrate außer bei den seltenen Zooms aus der Standard-Perspektive heraus bei 30fps stabil. Allein die Ladezeiten sind beim Teleport und beim Schauplatz-Wechsel etwas zu lang. Falls ihr extra gewartet habt, um Tunic auf der Switch zu spielen, dann habt ihr mein okay, euch diese Version zu holen! Als ob ihr das noch brauchen würdet...


Tunic Test – Fazit:

Tunic wandelt auf dem schmalen Grat zwischen guter alter Zeit und ganz neuem Erlebnis. Es erinnert an Zelda-Klassiker oder Retro-Spiele aus der Kindheit, die kaum Handlung und Erklärung brauchten, um fesselnd zu sein und die man ohne die Anleitung vom Kumpel ausgeliehen hat. Also muss man alles selbst erschließen oder mit Freunden die Köpfe zusammenstecken, um weiterzukommen. Der "was hast du schon gefunden?"-Austausch mit "Zockerbuddy" Alex hat dabei zusätzlich Spaß gemacht (außer, wenn er wieder etwas in einer Stunde macht, wofür ich fünf brauche) und erinnert an andere Zeiten vor Internet-Guides.

Trotz all dieser Nostalgie ist Tunic aber auch angenehm ungewöhnlich. Es wirkt nicht wie ein krampfhafter "Wir machen auf Retro"-Abklatsch und hebt die freie Erkundung und das Aufdecken von Mysterien auf eine neue Stufe. Dabei wird sogar die Spielmechanik zum Puzzle und das belohnende Hochgefühl ist umso intensiver, wenn man sich durchgefuchst hat - ja, ich weiß, aber der Begriff passt wirklich perfekt zu Tunic. Nur die Monsterkämpfe haben in Sachen Komplexität noch Luft nach oben und können bei all der Niedlichkeit des Helden unerwartet knackig sein.

Ich habe insgesamt zwar etwas gebraucht, um mit dem kleinen Fuchshelden in Tunic warmzuwerden, dann aber doch gute 40 Spielstunden in einer Woche versenkt und das absolut verdient.

Tunic – Pro und Contra

Pro:

  • Massenhaft cleverer Geheimnisse
  • ... und deshalb irre originelle A-Ha-Erlebnisse
  • Erklärt den Bruch etablierter Regeln zur Kunstform
  • Wundervoller Stil
  • Klug strukturierte Oberwelt
  • Guter Umfang

Contra:

  • Nur zweckmäßiges Kampfsystem
  • Wenn man steckenbleibt, dann richtig

Entwickler: Andrew Shouldice - Publisher: Finji - Plattform: PC, Xbox, Switch, PlayStation - Release: 27.9.2022 - Genre: Action-Adventure - Preis: ca. 28 Euro

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor
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Judith Carl

News-Redakteurin

Judith Carl ist Volontärin für News und Social Media bei Eurogamer.de. Judith hat Medienwissenschaften studiert. Sie streamt begeistert am liebsten Rollenspiele und Adventure Games auf Twitch. Ihre weiteren Leidenschaften sind LARP, Pen and Paper, und Trash-Filme.

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