Zelda für eine bessere Welt: Wie ein Fan 2 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke sammelte

Im Gespräch mit Zeldathon-Organisator Matthew "MC" Moffit.

Was bringt einen auf die Idee, einen Marathon hinzulegen, bei dem man alle Zelda-Spiele auf 100 Prozent durchspielt? Bei Matthew "MC" Moffit war es die Vorfreude darauf, das im letzten Jahr veröffentlichte The Legend of Zelda: Breath of the Wild zu 100 Prozent durchzuspielen. In diesem Jahr schloss er sein Vorhaben erfolgreich ab.

"2017 war ich euphorisch, nachdem Breath of the Wild kurz zuvor erschien", erzählt Moffit im Gespräch mit Eurogamer.de. "Mein Ziel war, das Spiel zu 100 Prozent durchzuspielen. Alle Inhalte aufzuspüren, klang für mich nach aufregendem Streaming-Content. Da noch DLCs erscheinen sollten, überlegte ich mir einen Plan, um all die anderen Zelda-Spiele als Vorbereitung auf Breath of the Wild schnell auf 100 Prozent zu bringen. Schnell und einfach, nicht wahr? Ich wünschte, das wäre es gewesen."

In den Jahren 2015 und 2016 hatte er jedes Zelda-Spiel in insgesamt knapp 150 Stunden durchgespielt. Um sie auf 100 Prozent zu bringen, rechnete er mit der doppelten Zahl an Stunden. Am Ende waren es dreimal so viele. "Die Motivation war gemischt", erzählt er. "An manchen Punkten war das Gameplay langweilig, das Grinding zermürbend. Ich bin kein großer Fan von sich wiederholenden Spielabläufen. Bei manchen Herausforderungen zog mich das echt runter und ich investierte an einigen Tagen weniger Zeit darin, als ich geplant hatte. Umgekehrt gab es Momente, in denen ich Dungeons demolierte, witzige Mini-Spiele absolvierte und mein Live-Chat dazu brachte das alles auf den Punkt. Ich lachte, scherzte und hatte Spaß daran. Das Meiste davon war prima, einige wenige, langweilige Augenblicke machten es zu einem Kampf."

Am schwierigsten seien dabei die Herausforderungen in den Oracle-Spielen gewesen. "Es gibt ein paar Sammelobjekte, die du erst in einer vernünftigen Zeitspanne erreichst, indem du Zufallszahlen zu manipulieren lernst", sagt er. "Daneben gab es hier das schwierigste Minispiel, den Perfect-Hard-Mode-Run von Goron Dancing." Für Breath of the Wild benötigte er die meiste Zeit, dreimal so viel wie beim zweitlängsten Titel. Dabei habe er aber die ganze Zeit Spaß gehabt, da die Erkundung im Spiel so einnehmend sei und er immer das Gefühl hatte, Fortschritte zu erzielen.

"Wenn es um die frustrierendste Erfahrung geht, habe ich mir bei Tri Force Heroes die Haare gerauft", fügt er hinzu. "Es ist ein gutes Spiel, großartig sogar. Einige der Herausforderungen in dem Spiel sind unter Umständen so schnell vorbei. Es fühlt sich dann nicht so an, als läge es an deinen Skills, vielmehr an deinem Wissen über diese spezielle Herausforderung. Es fühlte sich endlos an, jeden Level dreimal oder öfter zu wiederholen."

Anderen empfiehlt er nicht, seinem Vorhaben zu folgen: "Es ist ein enormer Zeitfresser", erläutert Moffit. "Ich denke, du hast eine tolle Zeit, wenn du dich darauf konzentrierst, die Zelda-Spiele mit 100 Prozent abzuschließen, mit denen du am meisten Spaß hast. Ändere zumindest gegebenenfalls deine Definition von 100 Prozent, um einige der lästigeren Dinge zu umgehen."

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The Legend of Zelda: A Link Between Worlds

Seine Passion für die Zelda-Reihe brachte ihn im Jahr 2009 dazu, gemeinsam mit Zak Ondish den Zeldathon ins Leben zu rufen. Einen Zelda-Marathon, der im Sommer und im Winter stattfindet. Währenddessen sammeln die Organisatoren Geld für wohltätige Zwecke. "Es ist unsere Mission, nicht allein exzellentes Gameplay zu bieten, sondern ebenso einen unterhaltsamen Stream für die ganze Familie", heißt es dazu auf der Webseite des Zeldathon.

Die Idee zum Zeldathon kam ihm, als er sich 2009 einen Pokémon-Marathon von The Speed Gamers anschaute. "Ich war sofort begeistert davon, dass ein paar junge Leute wie ich Videospiele spielten und damit Geld für wohltätige Zwecke sammelten", gibt er an. "Einer der Teilnehmer, Phil, saß vor der Kamera, machte Witze und sprach mit den Leuten im Live-Chat. Für mich war er brillant. Nachdem ich ihnen ein, zwei Tage zugeschaut hatte, ging ich zu meinem Freund Zak und sagte ihm, dass wir Videospiele für wohltätige Zwecke spielen sollten. Er fragte mich, welche Spiele und welcher Zeitraum mir vorschweben und dann begann die Planung."

Bis heute kamen bei allen Events insgesamt mehr als zwei Millionen Dollar zusammen. Eine Summe, von der die beiden anfangs nicht zu träumen wagten. Ermutigung fanden sie in anderen Charity-Events wie Games Done Quick, bei denen in einem einzelnen Event über eine Million Dollar gesammelt wurde. "Wir wussten, dass es in unserer Macht lag, Gutes zu tun", führt er aus. "Wir machten uns weiter, setzten uns niedrigere Ziele und verbesserten den Stream, wo wir konnten. Im Moment ist es für mich schwer vorstellbar, mit dem Zeldathon auf magische Art und Weise eine Million Dollar in einem einzigen Event zu sammeln. Wir bewegen uns mehr in einer Nische als GDQ, weil wir uns auf eine Serie konzentrieren. Und unsere Events sind viel alberner und unbeschwerter. Aber das ist okay, weil wir außergewöhnlich hohe Summen sammeln und einige der besten Fans haben."

Die Spenden reichen dabei von 25.000 bis 300.000 Dollar pro Event. Die kleineren Summen kommen bei Mini-Marathons zustande, die beide nicht auf die übliche Art und Weise bewerben und eher zwischendurch stattfinden. "Jeder unserer Marathons ist anders, wir experimentieren immer damit, wie wir am besten Spenden sammeln", sagt Moffit. "Wir sind mit jeder Summe zufrieden, solange es mehr ist als das Budget, das wir darin investieren. Je mehr wir sammeln, desto besser. Wir möchten so viel Geld zusammenbekommen, wie es geht. Gleichzeitig setzen wir unsere Leute nicht unter Druck, indem wir ihnen sagen, dass wir mehr Geld als beim letzten Marathon brauchen. Das vermiest bisweilen die Stimmung, wenn du dann hinter diesem Ziel liegst. Und das ist nicht gut für die Moral. Wir geben unser Bestes. Mehr versprechen wir nicht!"

Bei der Auswahl der Organisationen, die von den gesammelten Geldern profitieren, ist den Organisatoren unter anderem wichtig, dass sie international bekannt sind. "Wir haben Zuschauer aus aller Welt", erklärt er. "Es ist wichtig, dass unser Anliegen den Menschen weltweit von Bedeutung ist." Ein weiterer entscheidender Faktor sei, wie effizient die Spenden Anwendung finden. Das Team möchte nicht die Taschen irgendwelcher CEOs füllen, sondern gute Dinge bewirken und Veränderungen herbeiführen. Es gebe nicht immer Daten dazu, wie gut eine wohltätige Organisation arbeitet, einer genauen Prüfung unterzieht das Team sie schon.

"Zuletzt ist wichtig, dass die Organisation uns ebenso haben möchten", ergänzt er. "Wir legen Wert darauf, dass Non-Profit-Organisationen stolz darauf sind, dass Spieler Geld für sie sammeln. Wir möchten ihre Unterstützung, Hilfe und dass sie verstehen, was wir tun. Wir suchen nach Gründen, damit sie sich aktiv am Event beteiligen, so wie unsere Leute."

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The Legend of Zelda: Skyward Sword

Auf jeden Fall hat Moffit in seinem Leben bis jetzt viel Zelda gespielt. Hat sich eine Beziehung zur Reihe verändert? "Ich habe The Legend of Zelda immer geliebt", erzählt er. "Es für mich immer enorm wichtig. Meine Wertschätzung der Reihe ist mit der Zeit gewachsen. Sie hat mein Leben verändert, ebenso das von Freunden und die Leben von allen, denen wir durch unsere Events helfen konnten. Ich war ein Zelda-Fan und bin heute ein absoluter Zelda-Mega-Nerd. Früher freute ich mich alleine auf das nächste Spiel, heute habe ich eine Fanbasis, die regelmäßige Analysen zur Zeitlinie der Serie und zu ihrer möglichen Weiterentwicklung von mir erwartet. Es ist zu einem Teil von mir geworden. Und darüber bin ich so froh."

An seinen Lieblingsspielen der Reihe veränderten die ganzen Marathons nichts. Vielmehr waren es die letzten beiden Veröffentlichungen, die das taten. Tri Force Heroes und Breath of the Wild haben seine Meinung dahingehend beeinflusst, was er als das schwächste Spiel und als sein Lieblingsspiel betrachtet. "Im Großen und Ganzen ist meine Wertschätzung für jedes Spiel mit jedem einzelnen Durchgang gestiegen", merkt er an.

Die Zufriedenheit macht für ihn am Ende einen guten Zeldathon aus. Für die Organisation, indem das Team so viel Geld wie möglich sammelt. Für die Zuschauer, indem sie für ein unterhaltsames Erlebnis sorgen. Und für das Team, indem sie sicherstellen, dass sie Spaß haben und ihre unbeschwerte Art während der Planung und Produktion beibehalten. Die Planungen dafür bezeichnet Moffit als "Monsteraufgabe". Mehr als sechs Monate im Voraus machen sich die Organisatoren Gedanken über den Zeitraum des Events, den Veranstaltungsort und die Organisation, die davon profitiert.

"Während die Monate ins Land ziehen, denken wir über den Plan für die Spiele nach. Grübeln über Neben-Events, Ziele und Werbevideos", erläutert er. "Wir arbeiten mit Sponsoren zusammen, um das Event zu finanzieren. Bereiten Merchandise für den Verkauf vor, skizzieren die technische Produktionsumgebung und kaufen Equipment. So geht es weiter und weiter. Jeder Marathon erfordert es, dass wir zwischen den Events konzentriert sind, weil es so viel zu tun gibt. Das Zeldathon-Team ist enorm hilfreich und möchte immer über das nächste große Ding reden."

Die Unterstützung durch Legend-of-Zelda-Publisher Nintendo hielt sich bis jetzt in Grenzen. Wie Moffit angibt, veröffentlichte Nintendo UK vor einigen Jahren einen Tweet zum Event und Nintendo of Americas Bill Trinen wies einmal darauf hin. "Abgesehen davon gibt es keine echte Zusammenarbeit", sagt er. "Wir würden gerne mit Nintendo kooperieren. Wir sind das größte Charity-Event, das sich allein auf eine Nintendo-Reihe konzentriert. Es ist immer ein wenig traurig, dass wir nicht enger zusammenarbeiten. Wir geben weiter unser Bestes und sind darauf bedacht, dass wir The Legend of Zelda im besten Licht zeigen, weil es all das Lob verdient, das es bekommt. Wenn Nintendo je formell mit uns darüber reden möchte, heiße ich sie mit offenen Armen willkommen."

Der nächste Zeldathon steht mehr oder minder vor der Tür. Am 27. Dezember um 22 Uhr deutscher Zeit beginnt das nächste Event. Diesmal gehen die gesammelten Gelder an die Organisation Direct Relief. Weitere Infos dazu und zum Zeldathon findet ihr auf der Webseite des Charity-Events.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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