Die letzte Dekade hindurch konnte man meinen, Microsoft hatte den Bezug zum PC-Spieler verloren. Seit man in Redmond, Washington Computerspiele durch den Grünschimmer seiner Xbox-Brille sieht, konnte man sich als PC'ler vom Windows-Konzern nicht mehr ganz für voll genommen fühlen.

Wer daran zweifelt, hat nie Games for Windows Live oder später die sperrige Integration von Xbox Live (die sich jetzt erst langsam bessert) probiert. Oder versucht, im Microsoft Store ein Spiel zu finden. Oder - schlimmer noch - es zu schaffen, um sich dann zu ärgern, wie sehr das UWP-Format doch die Möglichkeiten der darin verpackten Applikationen nach außen abriegelt. Aber etwas ist im Wandel und die E3-Pressekonferenz von Microsoft ist das beste Beispiel.

Im Grunde ging es sogar schon etwas früher los, genau genommen vor gut zwei Wochen, als Phil Spencer kundtat, Microsoft werde seine Spiele zum Start künftig auch wieder auf Steam und anderen Plattformen anbieten, um den Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten zu bieten, wo sie ihre Spiele kaufen. Gleichzeitig öffnet man seinen eigenen Store wieder für Win32-Apps und sagte der UWP-Pflicht ade. Es ist der Gegenentwurf zu Epics Ansatz mit zeitexklusiven Titeln und hat nicht annähernd genügend gute Presse bekommen.

Auch den Game Pass für PC kündigte man schon neulich an, verwirrenderweise nachdem man bereits im letzten Jahr Spiele Sea of Thieves und State of Decay 2 über den Xbox Game Pass am PC spielen konnte (wobei das vermutlich eher eine Kombination aus dem Abo-Dienst für die MS-Konsole und dem "Play Anywhere"-Feature war).

Aber auf der E3 wurde es eben doch ein gutes Stück konkreter. Bis zum Herbst soll der Game Pass zum schmalen Preis von 9,99 Euro monatlich auf über 100 Spiele aufgestockt werden und welche Titel schon jetzt drin sind, macht ihn nicht nur zu einem der aktuell attraktivsten Abos. Er signalisiert auch, dass MS sich wieder erinnert, was PC-Spieler wollen: Klar, die bestmögliche Version ihrer Blockbuster gehören auch dazu. Aber Imperator: Rome, Rise of Nations, Surviving Mars und Football Manager 2019 haben für viele von ihnen noch einen ganz anderen Klang. Es sind Spiele, die nicht mehr "PC" sein könnten ... und dann kam er.

In spektakulären Bildern wurde ein echter neuer Microsoft Flight Simulator angekündigt, nachdem man die Serie bezeichnenderweise mit dem Start der Xbox-360-Generation zu Grabe getragen hatte. Was für ein Aufwand hier offenkundig betrieben wurde, mit Satellitenbildern und Azure-KI, ist schwer in Worte zu fassen - und all das, für einen Titel, der vor ein paar Jahren noch (nicht zu Unrecht) als Nische abgewunken worden wäre, in den Achtzigern und Neunzigern aber einer der wenigen Titel war, für die sich einige ganz allein einen Rechner zulegten. Es ist vollkommen egal, ob man selbst auch nur einen Funken Lust spürt, in diese virtuellen Flugzeuge zu steigen. Es geht um die Symbolwirkung. Und die sagt: "Wir haben nicht vergessen, wo wir herkommen. Wir sehen euch, PC-Spieler! Und ja, die letzten Jahre tun uns leid!"

Sicher, gesagt, im buchstäblichen Sinne, hat das niemand. Ich sage trotzdem: "Danke, schon ok."

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.