No Man's Sky Beyond beeindruckt - wird aber wohl niemals das Spiel, das wir uns damals erträumten

Und warum das schon ok so ist.

Hey, ich will gar nicht kleinreden, was Hello Games hier auf die Beine gestellt hat. No Man's Sky hat sich in den drei Jahren seit Release entwickelt wie wenige andere Spiele. Und Beyond ist nun die endgültige Ausformulierung eines ebenso ehrlichen wie flammenden Bekenntnisses zu der beachtlichen Community, die dem Spiel nach dem schwachen und von Kontroversen geplagten Start trotzdem die Treue hielt.

Ich meine ... 3.000 Worte Patch-Notes, ein vollumfänglicher VR-Modus, den auch In-House-Teams bei Oculus oder Sonys dedizierter Virtual-Reality-Abteilung nicht besser hinbekommen hätten, und ungezählte große und kleine Neuerungen machen das hier zu einem der größten Spiele überhaupt. Kein Wunder, dass gestern allein auf Steam in der Spitze 32.000 Leute gleichzeitig online waren! Das hier ist die beste denkbare Version von No Man's Sky - allerdings des No Man's Sky, wie es 2016 erschien. Nicht dessen, auf das wir nach den ersten Trailern hoffen durften.

Was das Problem ist, jetzt wo das Spiel doch erwiesenermaßen gut ist? Nun, im Kern geht es darum, dass die ersten Trailer mehr oder weniger ausklammerten, was man einen Großteil des Spiels hindurch macht: Ressourcen suchen und abbauen, um neue Dinge zu basteln. Am Leben bleiben, Umweltbedingungen trotzen. Solche, sehr mondänen Videospieldinge eben. Die ersten Bewegtbilder auf der anderen Seite zogen fast alles ihrer Faszination aus dem Erlebnis, auf dem Weg zum Zentrum der Galaxie auf jedem Planeten in neue, unfassbar cool aussehende Kreaturen und immer unwahrscheinlichere Planeten zu rennen.

Und das ist jetzt sicher mein Fehler, aber jedes neue Update weckte im Vorfeld in mir die Hoffnung, irgendwann doch über die Space-Brachiosaurier aus dem alten Teaser zu stolpern. Denn so ist es eben: No Man's Sky ist ein Spiel, das wir schon in der Marketingphase ins Herz schlossen, weil es über unsere großen Augen einen denkbar kurzen Weg dorthin fand. Nichts, was man damals sah, definierte sich durch prall gefüllte Ressourceninventare. Seine fast buchstäblich unendliche Größe und das Versprechen irrsinniger, geheimnisvoller Entdeckungen waren der Stoff, aus dem die Träume waren, die einem dieses Spiel bescherte.

An sich liegt es mir fern, einem Spiel anzulasten, was es sein möchte, nur weil ich mir was anderes gewünscht hätte. Ich habe meinen Frieden mit No Man's Sky geschlossen und werde - dank des brillanten VR-Supports, der das Universum noch einmal sehr viel größer wirken lässt - mit Brille auf der Nase sicher immer mal wieder für ein wenig Planeten-Hopping zurückkehren. Aber die Schere zwischen der von vielen (in doppelter Hinsicht) erträumten Erkundung und dem, was man eigentlich macht, klafft für meine Spielgewohnheiten einfach zu weit auseinander. Immer wieder sehe ich die gleichen katzenköpfigen Stiere, die in ihren beliebig skalierten Gliedmaßen nicht existieren könnten, bin mir sicher, so etwas, oder was sehr ähnliches schon vor drei Planeten gesehen zu haben und sehe die oft tatsächlich sehr schönen Pulp-Roman-Panoramen vor lauter Ressourcen schon gar nicht mehr.

Es ist wie eine Space-Version des Assassin's-Creed-Effekts, als man Anfang der 2010er Jahre die eigentlich schönen Städte vor lauter Kistenstapeln, Hangelstangen, Taubengrüppchen und Heuwagen nicht mehr sah. Man liest die Umgebung nach Spielinformationen ab, anstatt sie als Welt in sich aufzusaugen - und das war es letzten Endes, weshalb ich eigentlich hier war. Wohl dem, der dazu besser in der Lage ist als ich.

Das ist schon in Ordnung. Diese Leute gibt es und der Rest, geht im Sammeln, Craften und Bauen trotzdem auf, als wäre es das Natürlichste von der Welt. Ich freue mich über die rundheraus sympathische Community, die in diesen Welten floriert und schöne Dinge erschafft, nichts anderes machen will und sich zu Recht über ein Update freut, das wirklich alles ein gutes Stückchen besser macht. Es ist nur einfach nicht für mich gemacht. Beyond hat mir das gezeigt. Und das ist auch etwas wert - bis zum nächsten Update, wenn ich mich wieder auf die Suche nach dem anderen No Man's Sky mache ...

Zu den Kommentaren springen (23)

Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

FIFA 20: Die besten Talente mit Potenzial, die in der Karriere helfen

Wie ihr junge Nachwuchsspieler findet und sie zu Stars ausbildet.

Sekiro: Shadows Die Twice: Komplettlösung, Tipps und Tricks

Alles, was ihr zum Überleben im neuen Spiel der Dark-Souls-Macher braucht

Assassin's Creed Odyssey: Komplettlösung mit Tipps und Tricks

Assassin's Creed Odyssey-Komplettlösung: Alles, was ihr über eure Reise durchs antike Griechenland wissen müsst.

Assassin's Creed Unity - Alle Nostradamus-Rätsel gelöst

Präzise Lösung für alle Nostradamus-Rätsel in Assassin's Creed Unity - mit Tipps und Ortsangaben.

God of War: Komplettlösung mit Tipps und Tricks

God of War Komplettlösung: Alles, was ihr über Kratos' neues Abenteuer wissen müsst.

Resident Evil 2 Remake: Komplettlösung, Tipps und Tricks

Resident Evil 2-Komplettlösung: So überlebt ihr euren Aufenthalt in Raccoon City.

Spider-Man: Komplettlösung mit Tipps und Tricks

Spider-Man-Komplettlösung: Alles, was ihr über Spideys Abenteuer wissen müsst.

Kommentare (23)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading