World of WarCraft: Wrath of the Lich King • Seite 2

Heute ein König

Klingt nach einem simplen Feature, verleiht aber der eigentlichen Geschichte eine neue Tiefe. Das erste Mal entsteht das Gefühl, die Story mit seinem Charakter ernsthaft voran zu treiben und das wird auch noch visuell gezeigt anstatt nur in Textfenstern behauptet. Im Moment wird dieses Feature vor allem im Solo-Bereich genutzt, aber der Einsatz für Gruppenquest und sogar Schlachtzüge ist in Zukunft durchaus möglich.

Im Vergleich zu The Burning Crusade überzeugt Blizzard bei den neuen Quests diesmal nicht nur mit Masse. Die kaum noch zu tolerierenden „Bring Gegenstand von A nach B“ oder „töte X Gegner“-Aufgaben tauchen zwar noch auf, aber das Repertoire wurde spürbar erweitert, um den Weg zum magischen Level 80 abwechslungsreich und episch zu gestalten.

Sei es, dass Ihr auf dem Rücken eines fliegenden Skelettdrachens die Gegner mit Feuerbällen abschießt, Euch am Steuer eines goblischen Steampanzers per Kettensäge durch Gegnermassen schnetzelt oder mit zwei Brandeisen bewaffnet Information aus Gegnern heraus foltert - eine bisher ungeahnte Vielfalt an Ideen überzeugt hier auch den professionellsten Quest-Hasser.

Zwar erfindet Wrath of the Lich King das Questrad nicht komplett neu, aber im Vergleich zum bisherigen Repertoire ist es ein dankbarer Quantensprung. Die Atmosphäre ist trotz teilweise bekannter Muster ein Vielfaches dichter als zuvor. Da laufen die Bewohner eines Dorfes schon mal kreischend vorm eigenen Charakter davon, nur weil man gewaltsam in das feindliche Dorf einmarschiert ist.

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Wer würde sich in dieser Festung nicht willkommen fühlen?

Auch die Einbindung dieser Quests in die Hauptgeschichte ist fast immer voll geglückt. Die Questgeber tummeln sich nicht wie bisher an einem Ort und werden schnell nacheinander abgeklickt, vielmehr sind sie in kleinen Gruppen über die Karte verteilt. Und so reist Ihr zwangsläufig in alle entlegenen Winkel der wunderschön gestalteten Areale. Dabei hat jeder der Questinseln eine eigene Geschichte und enthüllt so nach und nach, quasi beiläufig, die Hintergründe der Geschehnisse des eisigen Kontinents.

Und wo wir schon bei Persönlichkeiten in Quests sind: auch die hohe WarCraft-Prominenz glänzt mit deutlich mehr Anwesenheit als früher. Etliche Male begegnet Euch der Lichkönig und zeigt, wie er die dunklen Fäden im Hintergrund zieht. Dabei ist Euer Charakter nicht nur schweigender Statist, sondern wird direkt von Arthas angesprochen und herumkommandiert.

Was für das Questdesign gilt, gilt ebenfalls für den Look der neuen Landschaften. Schon bei Ankunft im Kontinent Nordend steigern die großräumigen Areale den Ruhepuls. Und der Zustand der Begeisterung dürfte eine Weile anhalten. Mystische keltische Dörfer, riesige Berge, unendliche Schluchten und romantisch verschneite Dörfer zeigen, wie viel Details und Arbeit in diese Erweiterung geflossen sind. Bei der ganzen Vielfalt und Stilsicherheit vergisst man fast sogar das Alter der Grafikengine, die trotzdem ein kleines technisches Upgrade mit Wrath of the Lichking erhält. So werfen der Todesritter und alle anderen Einwohner ihre Schatten jetzt in Echtzeit.

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Wo ein einfacher Handkantenschlag nichts mehr nützt: der Todesritter attackiert mit einem Todesgriff.

Die fast schon inflationäre Abwechslung der Außenareale setzt sich in den neuen Dungeons nahtlos fort. Die Instanzen reichen diesmal von düsteren Burgen bis hin zu eisigen Höhlen. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad und die Größe leicht zurück geschraubt worden. Alle Dungeons sollten so auch von normal ausgerüsteten 5er-Gruppen innerhalb einer Stunde oder maximal zwei Stunden zu bewältigen sein. Echte Frustmomente werden sich mit einigermaßen erfahrenen Gefährten daher wohl kaum ergeben.

Hut der Bewunderung+5 ab: Wrath of the Lichking ist eine prall gefüllte MMO-Wundertüte und gleichzeitig die konsequente Weiterentwicklung eines Ausnahmetitels. Die Unmengen an liebevollen Details verdeutlichen, wie viel Begeisterung und Liebe die Entwickler, Designer und Grafiker in die zweite Erweiterung gesteckt haben, obwohl sie eigentlich unantastbar auf dem Genre-Thron sitzen. So ist die alte Nummer eins auch die neue Nummer eins und es gibt keine Anzeichen dafür, dass Blizzard sich auf seinen verdienten Lorbeeren ausruhen will.

World of Warcraft: Wrath of the Lichking ist nötige Verjüngungskur, sehnsüchtig erwarteter Content und eine einfach vorbildliche und überdurchschnittliche Erweiterung. Falls Ihr bis hier hin gelesen habt und wirklich noch nie durch Azeroth gelevelt seid: Jetzt ist ein perfekter Zeitpunkt einzusteigen. Vielleicht der beste in den letzten vier Jahren.

9 /10

World of WarCraft: Wrath of the Lich King ist im Handel für den PC erhältlich.

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Daniel Federl/ Thomas Sieben

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