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Fire Emblem Engage im Test - Ich kam für die Kämpfe. Gut so, denn für die Story wäre ich nicht geblieben

Manchmal reicht ein Drache.

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Der große Überbau ist ein Rückschritt zu Three Houses, aber auf dem Schlachtfeld glänzt dann Fire Emblem Engage umso mehr.

Könnten bitte Triangle Strategy und Fire Emblem Engage den Look tauschen? Kann doch kein Problem sein, denn das bessere Spiel sollte auch das schönere sein. Ja, wenn ich am neuen Fire Emblem etwas auszusetzen habe, dann ist es wohl der etwas austauschbare Cell-Shading-Look, der ihm einen leichten Budget-Genshin-Impact-Charme gibt. Sieht nicht schlecht aus, aber eben auch etwas befreit von Persönlichkeit und das hat das Spiel nicht verdient.

Zunächst einmal aber: Wer sich vor dem Namen allein schon fürchtet, weil Permadeath und endlose Spielzeit mit drei Durchgängen, den kann ich beruhigen. Nein, Nintendo hat seine altehrwürdige Strategie-Reihe nicht verwässert. Ihr könnt den ewigen Tod liebgewonnener Begleiter immer noch haben, wenn ihr das möchtet. Oder ihr wählt statt des Classic-Modus einfach Normal oder Schwer. Und nicht mal Classic ist ganz so unvergebend, wie es mal der Fall war. Ihr könnt bis zu zehnmal zurückspulen, im normalen Schwierigkeitsgrad sogar beliebig oft. Das Balancing geht damit klar in Richtung Zugänglichkeit, wobei ich dem harten Schwierigkeitsgrad nichts unterstellen möchte. Hier müsst ihr schon wissen, was ihr tut, und die Systeme nutzen, sonst reichen die Wiederholungen vorn und hinten nicht. Trotzdem, wer sich gern komplett verbeißt, wird Engage vielleicht als ein wenig zu nett empfinden.

Das Design der Hauptfigur, rot-blau in der Mitte einmal durch... Naja, hab mich dran gewöhnt.

Das gilt auch für Fans der verwobenen Dreier-Story des Vorgängers Three Houses. Basierte dort die Progression auf einem relativ komplexen Kalender voller Ereignisse, bei denen man auch viel verpassen kann, gibt sich Engage fast vollständig linear. Ihr geht von der Weltkarte auf die Schlachtfelder geht, davon habt ihr auch immer ein paar zu Auswahl. Aber alle diese Schlachten führen euch zu den gleichen Schlüsselpunkten, mit den gleichen Charakteren in der gleichen Reihenfolge. Sicher, es gibt mehr als nur ein paar optionale Quests und Charaktere, aber jenseits von mehr Figuren auf dem Feld verändern sie nicht die Handlung.

Offen gesagt, habe ich damit kein so großes Problem. Einer der Gründe, warum ich mich lange nicht an Three Houses wagte, war genau dieses Gefühl, dass ich die nächsten hundert Stunden nichts anderes tun und dann immer noch die Hälfte verpassen werde. Es war fantastisch umgesetzt, ohne Frage, aber mit Engages simpler Struktur kann ich mich sehr viel schneller anfreunden, zumal es ja immer noch mehr als genug zu tun gibt.

Mal ehrlich, wie ernst kann man am Ende einen Drachen nehmen, der eine Rose an der Pfote hat...

Mit dem einfacheren Aufbau scheint einherzugehen, dass man auch die Handlung simpel hielt, zumindest relativ. Gingen Triangle Strategy oder Three Houses fast schon den Game of Thrones Weg und verwoben Intrigen und Schlachten kunstvoll, ist Engage mehr das Proto-D&D-Abenteuer. Böser Drache und kaum weniger böse Schergen bedrohen die ganze Welt, ihr müsst sie stoppen. Darauf lässt es sich am Ende runterbrechen und da muss man gar nicht so viel abschleifen, um an diesen Punkt zu kommen. Die Twists und Wendungen sind da, aber wenn man sie nicht von Weitem sah, dann nur, weil man sie ohnehin nicht für eine große Sache hielt. Gut also, dass Nintendo eine Art Best-of der alten Charaktere nebenbei auffährt, um der Sache mehr Würze zu geben.

Die neuen Figuren verblassen da ein wenig und das hat am Ende, denke ich, zwei Gründe: Bekannte Akteure wurden bereits für die alten Spiele mehr ausgearbeitet und haben über teilweise Jahrzehnte an Lore viel Profil gewinnen können. Und zum Anderen ist die Bedrohung sofort da, ihr und die Helden wissen unmittelbar, warum sie kämpfen müssen und während ich als jemand, der lieber spielt, als liest, das zu schätzen weiß, lässt das wenig Zeit für komplexen Charakteraufbau. Mit anderen Worten, für den Moment sind die Neuen noch etwas zweidimensional. Ich will es mal so auf den Punkt bringen: Als jemand, der auch schon mal ein paar alte Folgen Record of Lodoss War mit nur geringer Scham schauen kann, ist die Story von Engage sympathisch. Ich war jenseits von ein paar zum Glück jederzeit wegdrückbaren Längen durchaus angetan und unterhalten. Aber es ist definitiv ein Schritt zurück von Three Houses.

Ja, ginbt schönere Spiele. Aber das ist bei dem Genre zum Glück egal und der Look gibt die Übersicht, die man braucht.

Das gilt auch für die 12 Emblem-Ringe, die Charakteren spezielle Fertigkeiten geben. Stellt es euch so vor, wie frühe Esper in Final Fantasy. Ihr müsst einen mystischen Helden – alte Helden aus den 12 vergangenen Fire-Emblem-Spielen – finden und bekommt dann ihr diesen Helden verpackt in praktischer Ring-Form zum Mitnehmen. Im Kampf zückt ihr dann den Ring und tolle Sachen passieren. Spezielle Attacken, Buffs, Bewegungsoptionen, es ist alles dabei.

Im Kampf sind die Emblem-Ringe mit das Beste, was dem eh schon routiniert exzellenten Kampfsystem passieren konnte. Ihr könnt diese fast nach Belieben verteilen, immer neue Charakterklassen- und Ring-Kombinationen testen und das bringt wirklich eine Menge neue taktische Optionen. Hier kommt aber auch ein wenig Grind ins Programm, denn jeder Held muss erst seine Bindung zu einem Ring aufbauen, um ihn maximal ausreizen zu können. Das dauert und insoweit ist es zwar richtig, dass jeder jederzeit jeden Ring tragen kann, aber bis das auch mit höchster Effizienz passiert, fließt viel Wasser die Spree runter. Egal, das Ring-System gibt dem Kampf einen guten Schub im Hinblick auf Tiefe, auch wenn man sich anfangs mal ein wenig „verskillt“, weil nicht gleich klar ist, wer am besten welchen Ring bekommen soll. Da das für jede Spielweise aber auch ein wenig anders aussieht, kann ich das Engage nun wirklich nicht vorwerfen. Vor allem, wenn es dann so richtig klickt und ihr eine unaufhaltsame 12-Helden-Walze ausgetüftelt habt, bei der jeder Zug sitzt.

Die Beschäftigungstherapien im Hub sind leider nicht optional, wenn ihr vor allem auf den hohen Schwierigkeitsgraden alles aus euren Helden holen müsst.

Der Rest ist einfach Fire Emblem, genau wie es sein sollte. Die Schlachtfelder sind ausgezeichnet entworfen, die Hürden werden über die gesamte Spielzeit immer wieder geschickt neu eingebracht, Gegnerplatzierungen sitzen auf den Punkt und die KI weiß die meiste Zeit über, was sie tut oder auch besser mal nicht tut. Ich denke, dass in diesem Punkt Engage das beste Spiel der Reihe ist und hier hilft vielleicht auch der lineare Aufbau. Die Designer wissen besser, wo ihr bei allem steht und was ihr an Optionen zur Verfügung habt, um euch genau das richtige Maß an intelligenter Herausforderung zu bieten. Ich habe das „neue“ Tactics Ogre noch nicht groß gespielt, laut Alex ist es das Beste, was im Genre aktuell passiert, aber bis dahin setzt Engage für mich den Maßstab. Es passt einfach alles perfekt zusammen.

Und es fällt komplett auseinander, wenn ihr in den asynchronen PvP, eigentlich ein PvE namens Outrealm Trials, geht. Die Idee ist so simpel wie super: Ein Spieler wählt eine Map, die Waffen und Hindernisse, setzt seine eigenen Helden als Gegner ein und ihr zieht mit eurer Truppe ins Duell. Leider hat man aktuell noch kein Balancing, wie es aussieht, denn zwei meiner Versuche fanden gegen eine zigmal höher gelevelte Truppe statt und das dritte dann gegen eine, die fast noch auf Level Eins rumkrebste. So oder so hielt der Spaß sich in Grenzen. Ich hoffe, das bessert sich jetzt mit mehr Spielern, denn eigentlich ist das eine ideale Idee für so einen Modus und auch generell gut umgesetzt.

Der asynchrone Multiplayer kann in Zukunft ein echter Gewinner und Langzweitmotivationsbringer sein. Aktuell muss aber erst mal am Balancing was gemacht werden.

Schließen wir mit ein wenig Technik und ausnahmsweise muss ich mal nicht nach einer Switch Pro schreien. Fire Emblem Engage ist eine dezente Optimierung des Looks von Three Houses, über das generische Charakterdesign mit blau-roten Haaren kann man denken, was man will, aber generell funktioniert der Look gut genug und Engage läuft flüssig. Was es aber wirklich im Design zusammenhält, das ist der Soundtrack. Er ist absolut herausragend, vielleicht der stärkste in einer eigentlich nie in diesem Punkt schwachen Serie. Orchestrale Wucht, wo sie gebraucht wird, subtile Noten in passenden Szenen, leichtherzige Passagen. Sucht euch die beste Art, die euch für Switch-Sound zur Verfügung steht und nutzt sie, um dieses Meisterwerk zu würdigen. Ich nehme selten Kopfhörer an der Switch, aber hier ging es einfach nicht anders.

Fire Emblem Engage mag sich nach dem Epos Three Houses schlichter anfühlen, aber in allen Kernpunkten überzeugt es.

Fire Emblem Engage wird sicher für manche, die sich richtig in Three Houses verbissen hatten, eine kleine Enttäuschung sein. Mit seiner gradlinigen Handlung und Struktur ist es deutlich zugänglicher, aber eben auch weniger verschachtelt und es hilft nicht, dass Engages Handlung praktisch nie sehr gut ausgetretene Standard-Fantasy-Pfade verlässt. Nichts davon ist grundlegend verkehrt oder schlecht gemacht, aber es fühlt sich nach einem Rückschritt an. Es ist aber einer, mit dem ich mich persönlich gut arrangieren kann, allein schon aus meinem Zeitmanagement heraus. Damit, plus die auf Wunsch sehr vergebenden Schwierigkeitsgrade machen das Spiel für mich erlebbar, ohne dass ich mich jetzt zwischen Fire Emblem und dem Rest meines Lebens entscheiden müsste.

Sobald es dann in die Schlacht geht, ist eh alles vergeben und vergessen. Die taktischen Systeme sitzen auf den Punkt, jeder Gegner ist exakt da, wo er hingehört, die Ringe geben einen guten Schuss Spieltiefe über die gesamte Laufzeit. Sollte Alex recht haben und Tactics Ogre ist noch besser als das hier, dann muss es wahrlich ein Jahrhundertspiel sein, denn Engage gibt sich hier keine Blöße. Und selbst wenn einige der Helden ein wenig blass bleiben, mit einem dermaßen epischen Soundtrack wirkt jeder wie der größte Held der Welt. Am Ende liebe ich Fire Emblem Engage für genau diese Dinge. Die Story ist okay, mehr brauche ich nicht, ich kam nicht für die Handlung. Ich kam für die Fantasy-Rundentaktik und in diesem Punkt zeigt Fire Emblem mit Engage einmal mehr, dass sie das nicht seit gestern, sondern seit Jahrzehnten machen und genau wissen, was sie tun.

Fire Emblem Engage – Wertung: 8/10

Pro und Contra

Pro:

  • Auf dem Schlachtfeld zeigen sich Jahrzehnte an Erfahrung: Exzellent ausgearbeitete Rundentaktik
  • Die Emblem Ringe bringen viel Abwechslung und Spieltiefe
  • Die lineare Handlung wirkt weniger erschlagend als Three Houses
  • Atemberaubend guter Soundtrack
  • An sich gute Idee für den asynchronen Multiplayer...

Contra:

  • ... die noch eine Menge Balancing vertragen kann
  • Linearer Aufbau ist in Sachen Komplexität ein Rückschritt zu Three Houses
  • Eher generische Fantasy-Handlung
  • Charakterdesign und Look wirkt hübsch genug, aber ein wenig austauschbar

Entwickler: Intelligent Systems - Publisher: Nintendo - Plattformen: Nintendo Switch - Release: 20. Januar 2023 - Genre: Rundenstrategie - Preis (UVP): ca. 60 Euro

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