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LEGO Jurassic World - Knochen für den T-Rex

Die Legolisierung des Jurassic Park ohne große Experimente.

Ich suche in einem Haufen kackbrauner LEGO-Steine nach einem Eis am Stil, um dem kranken Triceratops wieder auf die Beine zu helfen. Das Wühlen in Dinosaurier-Klötzchenkot klingt erstmal schräg, ist aber gewohnt putzig in Szene gesetzt und ringt mir ein breites Grinsen ab. Nicht der letzte stille Freudenausbruch an diesem Nachmittag in London, an dem ich Abschnitte aus der kommenden Legolisierung der Jurassic Park-Filme anspielen konnte. Anlässlich der im Juni in den Kinos startenden Fortsetzung mit dem Titel Jurassic World, haben sich die LEGO-Fließbandproduzenten von TT Games daran gemacht, gleich alle vier Filme ins erfolgreiche Klötzchenformat zu gießen.

Wie schaffe ich mir den LEGO-Rex vom Hals? Natürlich mit einem Hundeknochen.

Zwanzig Level, fünf für jeden Film der Tetralogie, wird das Spiel umfassen. Zusätzlich eine große offene Spielwelt, in der auch nach Abschluss der Story noch genügend Geheimnisse zu entdecken und Steine zu zerkloppen sind, damit der Spielspaß noch eine ganze Weile am Leben bleibt. Und schon bei der ersten kleinen Mission, der bereits erwähnten Suche nach Gegenständen in Dino-Kacke, wird klar, dass die Entwickler nicht im Traum an eine Revolution der Spielmechanik dachten. Warum auch? Der Erfolg liegt in dem leicht zugängigen Spielprinzip, das perfekt auf die eher jüngere Zielgruppe zugeschnitten ist, sowie dem unverwechselbaren Charme und Humor, den die LEGO-Figuren bieten. Also laufe ich mit den Klötzchen-Versionen von Sam Neill als Dr. Alan Grant und Laura Dern als Dr. Ellie Sattler durch die Gegend, zerschlage Spielsteine, baue aus den Überbleibseln Geräte und Brücken oder lasse Pflanzen wachsen, um daran hochzuklettern.

Welches Urzeitvieh wartet wohl in diesem Käfig? Die Zwischensequenzen locken mit schicker Optik.

Habe ich die Dino-Medizin in Form von einem Eis, einem Apfel und einer Möhre gefunden, ist die Teilaufgabe erledigt, und der nun wieder muntere Triceratops macht mit einem Rammangriff den Weg in das nächste Areal frei. Die Aufgaben kann ich alleine, oder mittels Split-Screen gemeinsam mit einem Mitspieler erledigen. Einen Online-Modus wird es auch im Jahr 2015 nicht geben. Die Prämisse, dass die Spielerfahrung nur gemeinsam mit einem Freund oder Elternteil in einem kontrollierten Umfeld vor dem Bildschirm erlebt werden soll, hat weiterhin ihre Gültigkeit bei den Entwicklern.

Jetzt aber von einem reinen Kinderspiel zu sprechen, wird den cleveren LEGO-Produktionen nicht gerecht. Zwar kann man nicht sterben, man zerfällt lediglich in seine LEGO-Bestandteile und ist kurz danach wieder im Spiel. Und es gibt weder einen Zeitdruck zur Erfüllung von Aufgaben, noch sonderlich fordernde Bosskämpfe. Aber die schiere Anzahl an Minispielen, Rätseln und Sammelgegenständen hält dauerhaft bei Laune. Schick auch die Präsentation: Die Grafik der angespielten PlayStation-4-Version ist angenehm detailliert, humorvolle Zwischensequenzen erzählen die Geschichte der Filme und für die Sprachausgabe wurden wieder die Originalstimmen der Schauspieler verwendet.

Um dem kranken Triceratops zu helfen, sollen erst mal einige Gegenstände gesammelt werden. Und dazu muss LEGO Dr. Sattler auch in Klötzchen-Kot wühlen.

Düstere Szenen der Filme werden mit charmanten Slapstick-Einlagen und viel Humor entschärft. So stehe ich in einer weiteren Mission vor der Aufgabe einen wütenden Tyrannosaurus Rex, der einen Jeep umgeworfen hat und die eingeklemmten Insassen bedroht, wegzulocken. Regen peitscht, Blitze erhellen die Nacht, der T-Rex brüllt furchteinflößend. Um dem bedrohlichen Szenario die Schärfe zu nehmen, ist es jetzt meine Aufgabe, einen Hundeknochen aus anderen Gegenständen zu basteln, damit sich der Dino mit dem Schwanz wedelnd verzieht. Das ich überhaupt auf die Idee komme, ist nicht meiner infantilen Fantasie zu verdanken, sondern den an wichtigen Stellen erscheinenden DNA-Strängen, die jederzeit Tipps und Hilfestellungen bieten. An einer Stelle festzusitzen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Geht es mal partout nicht weiter, hat man einfach irgendeinen LEGO-Gegenstand übersehen, den es noch zu zerschlagen gilt.

Aus jedem Film der Quadrologie werden fünf Szenen spielbar sein. Darunter natürlich auch die bekannte Verfolgungsjagd T-Rex gegen Jeep aus der ersten Teil.

Über 100 Charaktere sollen in der Verkaufsfassung, die zeitgleich mit dem Kinostart von Jurassic World erscheint, spielbar sein. Jede mit einer eigenen Fähigkeit und dem hohen Wiedererkennungswert der Klötzchenbauweise. So hat die Figur der Dr. Sattler, die in dem Film Jurassic Park die Rolle der kreischenden Frau übernahm, die Fähigkeit, mit ihrem Schrei Glas zerbrechen zu lassen. Eine hübsche Anspielung und sehr humorvoll in Szene gesetzt. Aber die wirklichen Stars sind die Dinosaurier. Denn LEGO-Serien wie Harry Potter oder Star Wars können aus einem riesigen Charakterpool schöpfen, aber wer kennt schon noch ein Dutzend Namen aus den Jurassic Park-Filmen? Jetzt besteht die Möglichkeit in jedem Level einen Dinosaurier erspielen zu können und diese in eigenen Bereichen der Spielwelt gegeneinander antreten zu lassen. Und es gibt noch mehr für Dino-Fans: Die Gliedmassen von Tyrannosaurus, Raptor und anderen Urzeitviechern lassen sich im Baukastensystem untereinander austauschen, um so individuelle Fantasie-Dinos mit kombinierten Kräften zu kreieren. Dazu gibt es viele Informationen über die Geschichte der Erde und ihrer Lebewesen. Der Bildungsauftrag wäre damit dann auch erfüllt.

Die Entwickler versprechen eine riesige offene Spielwelt und zwanzig Arten von Dinosauriern.

Die familientaugliche Mischung aus Laufen, Springen, Puzzeln und LEGO-Objekte zerschlagen kommt gewohnt glattpoliert und wenig experimentierfreudig rüber. Das Spielprinzip bleibt weitgehend unangetastet, lediglich das Dinosaurier-Bastelset und die angekündigte Möglichkeit, die Schlüsselszenen der Filme auch aus Sicht der Dinos spielen zu können, sorgen für frischen Wind in LEGO-Land. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht absehbar, denn mit LEGO Marvel's Avengers und den Gerüchten um einen Einstieg von LEGO und Warner in den Toys-to-life-Markt stehen die nächsten Klötzchen-Abenteuer bereits in den Startlöchern.

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Ulrich Wimmeroth Avatar

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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