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Metro 2033 Redux und Metro: Last Light Redux - Test (Switch): Die im Dunkeln tappen

Wo bin ich und wo ist mein Gamma-Regler?

Atmosphäre und Stimmung haben nicht gelitten, auch die Technik passt, aber wenn man nichts sehen kann, wird es schwierig.

Update Switch-Version Februar 2020: Die Metros auf der Switch … Nun, Doom und Witcher gibt es auch, sie laufen gut, insoweit dürfte es keine Überraschung sein, dass diese beiden mitteljungen Klassiker das auch zustande bringen. Was sie tun. Und der Remaster-Look steht ihnen immer noch. Sicher, die Charaktermodelle aus Metro 2033 und Last Light Redux sind nicht mehr gerade State of the Art, immer wieder wirkt mal hier und da eine Textur wie aus der Zeit gefallen, aber das tut dem generell immer noch mehr als nur stimmigen und hochwertigen Look der beiden keinen Abbruch.

Spielerisch hatten sie, zumindest wenn es um lineare Story-Shooter geht, auch immer schon viel zu bieten. Die dichte Atmosphäre von Klaustrophobie und dem Verlorensein in einer feindlichen Umwelt, mit dem gelegentlichen Aufatmen in den Resten von Zivilisation hat nichts von seiner Faszination eingebüßt und steht bis heute auf Augenhöhe mit dem aktuellen, in seiner Stimmung anders ausgerichteten Exodus. Dessen offene Welten auf die kleine Nintendo-Konsole zu bringen, dürfte etwas schwieriger sein, mit den U-Bahn-Tunneln und gelegentlichen Ausflügen in die übersichtlichen Oberwelten hier gelang das jedoch tadellos.

Der Look der Redux-Versionen wirkt bis heute in keiner Weise veraltet, selbst wenn sogar das Remaster schon sechs Jahre alt ist.

Und trotzdem werde ich beide Spiele - im Gegensatz zu anderen Ausflügen zurück zu Klassikern - nicht noch einmal lange auf Switch spielen. Gedockt macht es wenig Sinn, sofern man die Spiele schon kennt, es ist nicht groß anders als es auf der Xbox oder PS4 zu erleben. Und doch ist es die Art, wie man es spielen sollte, denn mal von den für Shooter nur bedingt geeigneten Joy-Cons abgesehen, liebt der Switch-Screen helle, fröhliche Farben und damit geizen beide Metros wie kaum ein anders Spiel. Sofern ich nicht manuell die Helligkeit auf das absolute, batteriefressende Maximum stellte, war es praktisch unmöglich, in den dunklen Gängen irgendwas zu erkennen.

Dunkel für Stimmung ist eine Sache, blind herumzutappen eine ganz andere, ein Problem, dass 2033 noch mehr betrifft als das mit etwas mehr Licht besprenkelte Last Light. Trotzdem, auch da und in einem Spiel, das davon lebt, dass ihr auf schwer erkennbare Fallen achtet und immer wieder mit wenig Licht klarkommen müsst, das es oft genug auch noch zu löschen gilt, um leise von A nach B zu kommen, grenzt das mitunter an Unspielbarkeit. Ein Gamma-Regler fehlt leider, also werde ich das höchstens in komplett abgedunkelten Räumen spielen können, wenn ich nicht viel zu oft das eigene Gesicht als Spiegelung auf dem Screen sehen möchte, anstatt das eigentliche Spiel.

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Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass es technisch schlecht wäre. Im Gegenteil, die Ladezeiten sind meist relativ kurz - schlimmstenfalls mal eine Minute für einen neuen Stage und nur wenige Sekunden, sollte man innerhalb des Levels neu laden müssen. Dazu sehen beide Spiele, wenn man was erkennen kann, nach wie vor fantastisch aus, vor allem Last Light. Beide laufen mit hohen, stabilen Frame-Zahlen und haben ein nach wie vor absolut überzeugendes Sound-Design. Beide Spiele sind weit weniger gealtert, als man es bei der Zahl der Jahre seit dem ursprünglichen Release meinen sollte. Selbst die Schrift ist ausnahmsweise kein Problem, allerdings hauptsächlich, da diese auch ursprünglich groß gewählt war. Auch sonst ist es eine gradlinige Umsetzung der Redux ohne weitere Extras, aber das ist in diesem Falle keine Kritik. Der Doppelpack hatte in dieser Richtung schon immer überzeugt.

Wo bin ich? Verstecken in den Schatten ist eine Sache, aber das geht zu weit.

Die beiden Metro auf der Switch, 2033 wie auch Last Light, sind immer noch das, was sie vor ein paar Jahren waren: Eine technisch gelungene Aufarbeitung zweiter außergewöhnlicher, stimmungsvoller und spielerisch anspruchsvoller Titel mit jeder Menge Feinheiten, sowohl im Gameplay wie auch ihren Welten. Sie sind absolut spielenswert, ohne Frage. Aber auf dem kleinen Screen, der sonst alles so schick wirken lässt, sieht man plötzlich mehr die eigene Reflexion als alles andere. Wird sonst vergessen die Schriftgröße anzupassen, ist es hier die richtige Helligkeit und in einem Spiel, in dem so viel von dem bisschen Licht abhängt, das noch die Welt erleuchtet, ist das leider keine Kleinigkeit.


Ursprünglicher Test 2014: Zu viel Remake, Remaster und Redux lässt die Next-Gen wie eine aufgewärmte Last-Gen wirken? Ja, diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Vor allem, wenn es mit dem Nachschub an wirklich hochwertigem neuen Material mal wieder nicht ganz so schnell geht. Aber andererseits: Die beiden Metros, gerade das erste, waren durchaus Kritikerlieblinge und Geheimtipps, nicht gerade die ganz großen Verkaufsschlager. Mit dem zweiten besserte sich das, aber schließlich gibt es ja auch jede Menge Leute, die die letzte Generation übersprungen haben und bei denen nun eine PS4 steht. Also, Metro Redux, musste das nun sein oder nicht?

Ich sage in diesem Falle ganz klar "ja und auf jeden Fall". Metro, 2033 mehr noch als Last Light, ist ein kleines Kunstwerk in Sachen Atmosphäre. Mit einfachen Mitteln - recht lineare Abschnitte, nie zu große Level, eher simple Stealth-Mechaniken - erzeugt es eine einmalige Stimmung. Ob nun in unheimlichen, verlassenen Gängen unter Tage, in den Barackenstädten dazwischen oder in den mörderisch gefährlichen Ruinen der durch den Atomkrieg zerstörten Stadt an der Oberfläche - alle Register der postapokalyptischen Bedrohungslage werden gezogen. Last Light war dagegen etwas "geordneter". Man hatte weniger das Gefühl des einsamen Wolfes - oder Schafes - unter der Erde, sondern mehr das eines erfahrenen Kämpfers mit einer strukturierten Mission und etwas Rückendeckung. Aber auch hatte das Spiel mehr als oft genug düstere Momente und vor allem wie der erste Teil eine sehr dicht gewobene Welt. Während sich 2033 noch sehr direkt aus dem Buch bedient, auf dem es basiert, ist Last Light eher von der Reihe inspiriert. Beide jedoch profitieren von den zahllosen Details am Rande des Weges, den vielen Gesprächen, die es bei Freund und Feind zu belauschen gibt, und einer Handlung, die vor allem 2033 glänzen lässt, indem es sehr genau hinguckt, wie ihr spielt.

Zieht euch warm an!

All das brachte den Metros den Ruf der "etwas anderen" Shooter ein, es gab aber auch die kleine Kehrseite der Medaille. 2033 hatte nicht gerade das beste Trefferfeedback und Waffenverhalten. Vorsichtig gesagt. Mal reichte ein Schrotttreffer für drei, dann wieder nicht sechs Schuss für einen. In einem Spiel, das ein wenig in Richtung Survival geht und von euch erwartet, mit der Munition hauszuhalten, ist das ganz schön dünn. Auch ließen sich die Stealth-Mechaniken zu leicht ausnutzen. Das gilt für beide Spiele, denn sobald ihr im Schatten steht, sehen euch die Gegner aus zehn Zentimetern Entfernung nicht. Bei Last Light kam noch dazu, dass die Handlung deutlich konservativer ausfiel und vor allem das mögliche zweite Ende des ersten Teils mit keinem Wort Beachtung fand.

An Letzterem änderte man nicht viel für die Redux-Version. Spielerisch jedoch zog man einiges glatt. Erst einmal gibt es nun für beide Spiele vier einheitliche Modi. Spartan ist eher was für Ballerspieler, die gerne genug Munition finden und nicht lange fackeln. Survival hält die Vorräte knapp und betont damit automatisch das Schleichen. Dazu kommen dann noch zwei Ranger-Modi mit sehr wenigen oder - für die Mutigen - gar keinen HUD-Elementen. Ihr müsst halt wissen, wie Munition aussieht und vor allem ob ihr nun fünf- oder sechsmal geschossen habt. Dass nun alle Modi für jeweils beide Spiele verfügbar sind, ist neu und es wertet das Spielgefühl für den einen oder anderen sicher auf. Wer schleichen mag, und das bitte nicht zu leicht, hat mehr Spaß in Last Light. Wer lieber ballert, wird mehr Freude an 2033 haben. Für jeden das, was er mag, und das über beide Spiele hinweg ist sicher ein Bonus.

Bei 2033 wurde auch am Waffenverhalten geschraubt, aber leider nicht genug. Dass es präziser geht, zeigt immer noch Last Light. Ein Rudel mutierte Ratten dagegen demonstriert, dass Kopftreffer aus zwei Metern mit der Schrotflinte immer noch keine definierte Angelegenheit sein müssen. Besser, aber noch immer nicht wirklich gut. Auch an der Gegner-KI im Dunkeln wurde kaum etwas verändert. Nach wie vor kann sie was, sobald sie euch sieht. Solange ihr jedoch im Dunkeln steckt, scheint sie stellenweise fast hilflos. Selbst wenn sie weiß, dass ihr da seid, bleibt es zu einfach, immer wieder ungesehen zuzuschlagen, was die angestrebte Waffenverknappung im Survival etwas ad absurdum führt. Spielt gleich auf Hardcore, solltet ihr es auf Stealth abgesehen haben. Ihr sterbt dann wenigstens schnell, werdet ihr entdeckt, und ihr sterbt oft, sobald euch das mutierte Tierreich in die Quere kommt.

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Grafisch hat sich natürlich auch etwas getan, aber wie schon andere HD-Versionen hängt Metro irgendwo zwischen den Generationen. Auf beiden Plattformen - und dem PC sowieso - gibt es Titel, die schon ein wenig weiter sind, die speziell für diese Zeit und dieses Jahr geschrieben wurden. Wiederum macht Last Light auf dem PC keine nennenswerten Sprünge, 2033 bügelt die gröbsten Kanten über und hebt mit mehr Licht und Schatten seine Details besser heraus, aber grafisch gänzlich andere Spiele sind es dadurch sicher nicht. 2033 auf der Konsole dagegen kann schon einen sehr deutlichen Zugewinn an Details und Texturqualität verzeichnen, es kommt der PC-Version mit hohen Einstellungen sehr nahe. Gleiches gilt für Last Light, wobei hier der Sprung erwartungsgemäß kleiner ausfällt. Näher an der überlegenen PC-Version und weiter weg vom PS3-/360-Original, aber sicher kein Meilenstein für die aktuelle Konsolengeneration.

Am Ende ist es fast mehr der spielerische Feinschliff als der visuelle, der den beiden Metros guttut. Vor allem 2033 fühlt sich nun weniger bockig an, ohne dabei seinen kernigen Schwierigkeitsgrad in den entsprechenden Spielmodi eingebüßt zu haben. Ihr sterbt nun häufiger aus den richtigen Gründen. Last Light wird für Enthusiasten interessanter, wenn sie es nun in „Ranger-Survival-Hardcore" erkunden, für den Rest der Konsolenwelt wird das hübsche Spiel noch ein klein wenig hübscher. Da beide Spiele schon vorher eher zur höheren Wertung schielten, gibt es damit nun eine Aufwertung. Das setzt sich ungefähr so zusammen, dass Metro 2033 den Sprung schafft, Last Light fast, aber zusammen genügt es dann für den Extrapunkt. Oder so. Am Ende ist es vor allem die Aussage: Spielt diese beiden, sie haben es sich als die etwas anderen Shooter spätestens jetzt redlich verdient.

9 / 10

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