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Moon Knight Folge 6 ist ein hastiges, aber befriedigendes Finale

Kairo Kaiju

Ok, sie haben doch die Kurve bekommen! Nach der grandiosen fünften Folge hatte ich zwar schon ein gutes Gefühl, aber ob der Abschluss wirklich so rund werden würde, das hing für mich eine Weile in der Luft. Ich würde sagen, dass die Serie für mich immer noch nicht so besonders gute Bodenhaftung im MCU bekommen hat, aber im Endeffekt bin ich dann doch relativ gut damit warmgeworden.

Trotzdem: Diese Sache mit den ägyptischen Gottheiten wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Und das nagt an mir. Ist das Kornfeld das tatsächliche, echte Jenseits für alle (guten) Menschen dieser Erde? Nicht nur denen, die an dieses spezielle Pantheon glauben? Kommen auch Christen hierher, Marc Spector selbst ist ja Jude? Bestätigt das MCU das Christentum und alle anderen großen Weltreligionen also als die Fiktion, für die ich sie schon länger halte? Und wo landen Atheisten? Ich mochte, dass sich Valhalla als Alien-Welt diesen Fragen entzog und reibe mich bei Moon Knight nun umso mehr an ihnen.

Mehr Tawaret, bitte.

Außerdem muss man sagen, dass auch dieses Finale mal wieder allzu gehetzt daherkam. Nach etwas über einer halben Stunde ist der Deckel drauf und man wartet auf die unweigerliche (aber gute) Post-Credits-Sequenz. Den Poker mit dem grausamen Schicksal von Sympathieträger Steven haben die Macher sogar noch kürzer aufrechterhalten können, was seinem Opfer ein wenig Gewicht nahm.

Pures Cliffhanger-Material war es dennoch nicht, denn Marcs Rückkehr zu seiner schützenden Hälfte war ein entscheidender Teil der Charakterzeichnung und macht die Figur am Ende – passend zur Handlung – deutlich runder, vollendeter. Die Szenen, in denen sich beide gleichberechtigt den Körper teilten, waren die Höhepunkte der Folge.

Das gilt auch für den unverhofften Auftritt einer neuen Superheldin, denn Layla gibt sich der goldigen Flusspferdgöttin Tawaret als Avatar her und ist fortan Scarlet Scarab. Cooles Kostüm und Skillset trotz der etwas zu harten Falcon – pardon Captain-America-Vibes –, und dass es nicht gerade scharlachrot daherkommt… geschenkt. Ihre Kampfsequenzen waren extrem cool, vor allem im Zusammenspiel mit Steven beziehungsweise Marcs unterschiedlichen Interpretationen des Moon Knight. Dass im Hintergrund ein Kaiju-Kampf stattfand, war da noch ein netter Bonus.

Zusammen besser. Das lauwarme Indiana Jones mit dissoziativer Störung wurde stärker, je tiefer wir in Marc und Steven hineinschauen durften.

Für die Zukunft würde ich mir ein paar mehr Erklärungen wünschen, egal wie Hand-wedelnd, warum und wie diese Mythologie in den bisherigen Kanon passt. Und dass die Serie wohl nur diese eine Staffel bekommen soll, lässt hoffen, dass Marc Spector in all seinen Variationen im MCU noch eine größere Rolle spielen soll. Denn so, wie sie uns mit der letzten Szene verließen, darf man diese Figur nicht in der Luft hängen lassen. Ausgehend von dieser Situation sind die Möglichkeiten jedenfalls extrem spannend. Sogar eine Bösewicht-Rolle ist ihm mit dem Erscheinen von Jake Lockley ja zuzutrauen.

Also: Wie es scheint hatte der Moon Knight doch ein paar Tricks mehr im Ärmel als der langsame Start der Staffel vermuten ließ. Lieber so als andersherum.

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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