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PvP-Beta von Overwatch 2 zeigt, dass Blizzard noch viel Arbeit vor sich hat

Alles nur ein großer Patch?

Im Prinzip das gleiche Spiel, aber irgendwie doch ganz anders. Overwatch 2 bietet auf den ersten Blick keine weltbewegenden Änderungen am PvP von Overwatch. Dennoch fühlen sich die Matches deutlich schneller an. Ich habe mich in der Beta von Overwatch 2 ausgetobt und berichte euch jetzt von meinen Erfahrungen mit der Fortsetzung.

Das kleinere Team ist die größte Änderung

Die Antwort auf diese Frage liegt irgendwo zwischen ja und nein. Die größte Neuerung von Overwatch 2 wird die Kampagne, die in der aktuellen Beta noch nicht spielbar ist. Nur der PvP-Modus ist enthalten - dieser dafür bereits inklusive der neuen Karten und der neuen DPS-Heldin Sojourn. Wer Overwatch schon mal gespielt hat, findet sich schnell wieder zurecht, da das Gameplay, viele Modi und Helden ohne große Änderungen übernommen wurden.

Am schnellsten fällt auf, dass jedes Team nur noch aus fünf Spielern besteht. Der zweite Tank fällt an dieser Stelle weg. Für mich wirkten die Spiele dadurch etwas übersichtlicher und auch die Teamfights gehen nun etwas schneller von der Hand - immerhin gibt es jetzt nur noch ein Fleischschild.

Für das stärkere Team ist das ein klarer Vorteil, sie können wie ein Schneeball über die Gegner rollen und dabei immer stärker werden. Das schwächere Team hat oft gar keine Möglichkeit mehr zurückzukommen, da diesem durch den fehlenden Tank einfach die nötige Ablenkung fehlt.

Tanks müssen sich genauer überlegen, wem sie zur Seite stehen wollen, während Supports einen Helden weniger heilen müssen. Als Mercy kann ich mich so schamlos an meinen Tank kleben und ihn möglichst lange am Leben halten, wenn mich nicht gerade eine Pharah mit in die Lüfte nimmt. Außerdem teilen sich hier zwei Supporter die Arbeit, was ihr Leben noch einmal erleichtert.

Da es nur einen Tank gibt, gilt es als Heiler ihn am Leben zu erhalten. Leider stehen und fallen Matches nun schneller aufgrund eures gepanzerten Teammitgleids.

Die Heiler haben in einer Sache allerdings das Nachsehen: Es gibt nur sieben Support-Helden und keiner von ihnen ist wirklich neu. Auch die Tanks haben mit neun Charakteren nicht gerade einen riesigen Pool - eher ein Plantschbecken. Da muss noch aufgestockt werden, besonders für die Wiederkehrer aus Overwatch. Für sie wird es sonst schnell öde.

Lebensqualität deutlich gesteigert

Wirklich lieben gelernt habe ich die neuen passiven Fähigkeiten der Helden. Als Support selbst ein wenig passive Heilung zu erhalten, ist absolut fantastisch. So kann sich der zweite Heiler immer auf die kämpfenden Mitglieder konzentrieren und muss seinen Kollegen nicht hier und dort ein paar Pflaster zuwerfen.

Jede Rolle in Overwatch 2 hat nun eine Klassenfähigkeit, die ihr ein paar besondere Vorteile einbringt.

DPS-Helden sind ein wenig schneller, während Tanks nicht so stark von feindlichen CC-Fähigkeiten herumgeschubst werden und ihre Ults sich schneller aufläden, wenn sie Schaden erleiden oder geheilt werden - Dinge, die einem Tank doch recht häufig passieren.

Generell gibt es weniger CC-Effekte, da diese für das Balancing oft sehr schwer unter Kontrolle zu bringen sind. Leider kann Mei jetzt nicht mehr mit ihrer Pistole Gegner einfrieren, sondern nur noch verlangsamen, Cassidy betäubt Feinde nicht mehr mit seiner Flashbang… Die Liste ist lang.

Für Mains sicher ein Anlass zu trauern, für alle anderen Spieler eine angenehme Änderung, die das Spiel insgesamt fairer macht und mehr Chancen offen lässt. Ich selbst habe es genossen mich dauerhaft freier bewegen zu können, auch wenn Mei mir nun etwas weniger Spaß gemacht hat.

Auf dieser Seite der London-Karte habt ihr echt das Nachsehen, denn die Gegner können in euren Spawn reinschießen, sobald ihr versucht diesen zu Beginn des Spiels zu verlassen.

Als Mensch, mit einer grauenhaften Orientierung, habe ich ein paar Matches gebraucht, um mich einigermaßen auf den neuen Karten zurechtzufinden. Optisch gibt es an den Maps nichts zu meckern, der Aufbau hat jedoch hier und da kleine Macken, wie ungünstig gesetzten Sichtlinien. Zum Glück kommen solche kleinen Makel eher selten vor und können auch recht unproblematisch im Nachgang behoben werden. Hier also kein Grund zur Sorge.

Ein neuer Held ist noch zu wenig, Blizzard

Ein weiteres Highlight der Beta war für mich Sojourn, immerhin ist sie der einzige neue Held und musste daher erst mal in der Praxis geprüft werden. Sie ist definitiv kein optimaler Einstiegsheld und erfordert einiges an Skill, was perfekt für alle ehemaligen Overwatch-Spieler ist, die sich in den zweiten Teil schnell einfinden und eine Herausforderung suchen.

Sojourn ist sehr mobil, was sie zu einem sehr spaßigen und flexiblen Kandidaten in der DPS-Rolle macht. Auch ihre automatische Railgun finde ich sehr angenehm in der Handhabung, aber das ist eher meine persönliche Präferenz.

Sojourn ist nicht einfach, macht aber richtig Spaß, wenn ihr den Dreh erstmal raus habt.

Allein kann Sojourn den Release von Overwatch 2 nicht auf ihren Schultern tragen. Wie bereits erwähnt, sollte Blizzard hier schnell ein paar neue Helden hinterherschieben - am besten in den Support- und Tank-Rollen. Je nachdem wie groß und aufwändig die Kampagne ist, könnte diese auch alte Overwatch-Hasen eine Weile beschäftigen.

Mit der Vielfalt der Modi hatte Overwatch noch nie große Probleme. In der Beta gab es zwar nur die Ranked-Modi, doch bereits hier war ein Neuling dabei, der ein wenig neue Frische in das sonst eher vertraut wirkende Spiel bringt. Bei diesem Modus namens "Schub" versuchen beide Teams denselben Roboter an das jeweils andere Ende der Karte zu schieben - oder zumindest weiter als das gegnerische Team.

Hat Overwatch 2 die Zahl im Namen verdient?

Bisher ist das PvP-Gameplay überzeugend. Die fünf Rollen sind fest verteilt, die Fähigkeiten mit einem klaren Ziel vor Augen verändert und die Matches beschleunigt. Blizzards Änderungen mögen vielleicht nicht riesig aussehen, wirken aber bestimmt und klar eingesetzt. Overwatch 2 soll ein anderes Tempo haben, ein anderes Spielgefühl vermitteln, aber dennoch Overwatch bleiben.

Wenn ich mir die PvP-Beta rückblickend ansehe, denke ich schon, dass die Änderungen auch Teil eines großes Patches hätten sein können. Besonders wenn man diese mit den Update-Inhalten anderer Shooter vergleicht. Apex Legends, Fortnite oder Rainbow Six Siege bringen in regelmäßigen Abständen neue Helden, Karten oder Map-Updates, neue Modi, Features und eine Flut an Balance-Anpassungen in das Spiel.

Viel wichtiger werden daher wohl die Neuerungen sein, die Blizzard nach der Veröffentlichung ins Spiel bringt. Auch die Frequenz, mit der neue Inhalte in den Helden-Shooter gebracht werden, wird eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Nachfolgers spielen. Jahrelang auf einen neuen Helden warten zu müssen, ist ein absolutes No-Go. Das darf Blizzard nicht noch einmal so schleifen lassen.

Overwatch war nie ein schlechtes Spiel, das einen Nachfolger benötigt hat. Viel eher hatte es Pflege nötig. Mit Overwatch 2 soll jetzt alles anders werden. Ich hoffe, dass Blizzard hier nicht bloß auf das Kindergeld aus ist, sondern sein neues Baby wirklich mit der Zuneigung großziehen will, die es verdient hat.

Über den Autor

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Melanie Weißmann

News-Redakteurin

Melanie ist meist online am PC zu finden. Neben Multiplayern und Meer mag sie Alliterationen und dumme Wortspiele. Gelegentliches Lego-Bauen hilft ihr beim Abschalten.

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